AUS DEM GERICHT Angeklagter zu einer Geldstrafe verurteilt / Opfer verschleiert Aussage

50-Jähriger verfolgt Nachbarin

Großenkneten/Wildeshausen – Wegen versuchter Nötigung und Gefährdung des Straßenverkehrs hat das Amtsgericht Wildeshausen am Montag einen 50-Jährigen aus Garrel zu einer Geldstrafe in Höhe von 1 250 Euro verurteilt. Am 13. Dezember vorigen Jahres hatte der Angeklagte auf dem Parkplatz der Arbeitsstelle einer 30-Jährigen gewartet, weil er mit ihr über ihre Beziehung sprechen wollte. Da sie ihn aber abwimmelte, verfolgte er sie auf ihrem Heimweg von Oldenburg nach Garrel auf halber Strecke. Dafür wartete er an einem Seitenstreifen in Großenkneten und fuhr der Frau – die vor Gericht als Zeugin aussagte – hinterher. Er überholte zwei Wagen, fuhr dicht auf ihr Auto auf und betätigte die Lichthupe sowie den Blinker, um sie zum Anhalten zu bewegen. Als sie nicht reagierte, überholte er ihren Wagen und wollte sie ausbremsen, sodass ihr nur die Möglichkeit blieb, auf die Gegenfahrbahn auszuweichen.

Vor Gericht beschrieb die Zeugin die Fahrweise des Angeklagten als „sehr gefährlich“. Nach dem Vorfall entschuldigte sich dieser per E-Mail bei seinem Opfer. „Ich möchte einfach nur Abstand von der Sache in Garrel bekommen“, sagte die Frau, die mittlerweile in Oldenburg lebt.

Die 30-Jährige war die Nachbarin des Angeklagten. Sie und ihr Ex-Freund waren dabei, in Garrel ein Einfamilienhaus zu bauen. Der Angeklagte, seine Frau und die drei gemeinsamen Töchter wohnten ebenfalls in der Siedlung. Der Beschuldigte und die Zeugin verstanden sich gut, da der 50-Jährige das Paar regelmäßig beim Bau unterstützt hatte, sodass es immer mehr zu einem freundschaftlichen Verhältnis gekommen sei. Doch laut Aussage der Zeugin sei es nie zu einem Treffen abseits des Baus gekommen. Der Angeklagte schrieb der Zeugin regelmäßig Nachrichten über WhatsApp mit Inhalten wie „Hey, Kleine“. Die 30-Jährige habe ihn dann gebeten, dies zu unterlassen. Sie habe mehrmals versucht, den Kontakt abzubrechen, indem sie ihre Handynummer wechselte und ihn blockierte. Seitdem bekomme sie anonyme Anrufe bei der Arbeit. „Aber ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass sie von ihm sind“, so die Frau.

Die Staatsanwältin hakte nach: „Meine konkrete Frage ist, ob es ein Treffen nur zwischen ihn beiden gab.“ Die Zeugin zögerte mit ihrer Antwort, gab dann aber zu, einmal mit dem Angeklagten einen Ausflug unternommen zu haben. „Aber es gab, bis auf einen Wangenkuss und eine Umarmung, keinen körperlichen Kontakt“, so die 30-Jährige. In den Akten stand laut der Richterin jedoch, dass es zwischen den beiden zu mehreren Küssen gekommen sei. „Wir brauchen hier eine Zeugin, die die Wahrheit sagt, und ich habe das Gefühl, dass alles verschleiert wird. Wenn es etwas gibt, dann sagen Sie es uns“, ärgerte sich die Staatsanwältin. Dann gestand die Zeugin: „Ja, wir haben uns mehrmals geküsst.“ Beide hatten zu dem Zeitpunkt Beziehungsprobleme mit ihren Partnern, deshalb sei es dazu gekommen. Der Garreler, der inzwischen getrennt von seiner Frau lebt, habe sich daraufhin falsche Hoffnungen gemacht, wollte den Kontaktabbruch nicht akzeptieren und suchte daraufhin das Gespräch zu ihr.

„Was Sie gemacht haben, war verdammt gefährlich“, sagte die Staatsanwältin zum Angeklagten, der sich für sein Verhalten entschuldigte und aussagte, dass er seine Nachbarin nicht bei der Arbeit angerufen habe. Richterin und Staatsanwältin waren sich einig, dass er aus seiner Emotion heraus gehandelt hatte.  lat

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