Drei Mitglieder des Stabes gegen Redner

Gilde uneins über Gysi

Wildeshausen - Die Einladung des Vorsitzenden der Bundestagsfraktion der Linken, Gregor Gysi, zum Schaffermahl stößt bei Teilen der Wildeshauser Schützengilde auf Widerstand.

Offenbar haben drei Mitglieder des achtköpfigen Stabs der Schützengilde einen Brief an Bürgermeister Kian Shahidi geschrieben, in dem sie darum bitten, Gysi wieder auszuladen. In dem Schreiben von Oberst Ernst Frost, dessen Adjutanten Andreas Tangemann und Schatzmeister Siegbert Schmidt wird von einem Alleingang des Bürgermeisters gesprochen, der gleichzeitig General der Gilde ist.

Shahidi reagierte gestern in einem Gespräch mit unserer Zeitung enttäuscht und verständnislos auf die Reaktion. Es sei im Vorfeld vereinbart worden, ein prominentes Bundestagsmitglied einzuladen, das zudem rhetorisch begabt sei. So seien unter anderem Einladungen an Bundeskanzlerin Angela Merkel, SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück und Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin abgeschickt worden. Von allen dreien habe es eine Absage gegeben. Durch Vermittlung von Kreszentia Flauger (Linke) sei es dann gelungen, Gregor Gysi für die Rede zu gewinnen. „Er ist ein eloquenter und begnadeter Redner“, unterstrich Shahidi, der diese Einstellung auch gestern in einer Sondersitzung des Stabes noch einmal wiederholte. Schon in der Sitzung davor habe er den Stab informiert, wer alles angeschrieben wurde und dass es neben den Absagen der anderen Politiker die Zusage von Gysi gebe.

Aus dem Stab sei damals keine Widerrede gekommen, so Shahidi. Umso misslicher findet es der Bürgermeister, dass durch eine Indiskretion der Name des Ehrengastes veröffentlicht und danach die Protestnote von den drei Stabsmitgliedern formuliert wurde, die im übrigen nicht mal die Mehrheit im Stab hätten.

„Ich lade ihn nicht wieder aus“, betonte Shahidi zu der Forderung des Stabes. Die Einladung stehe weiterhin. Die Gilde sei politisch neutral. Von daher gebe es keinen Grund, einem Links-Politiker wieder abzusagen. Unabhängig davon könne er die politische Vergangenheit Gysis in der DDR nicht beurteilen. „Er ist aber nicht für irgendetwas verurteilt worden.“

Shahidi betont zudem, dass Wildeshausen eine „weltoffene Stadt“ sei. „Wenn eine Stadt wie Vechta, die auf industrielle Landwirtschaft setzt, einen Politiker wie den grünen Spitzenkandidaten Jürgen Trittin zum Vortrag auf dem Stoppelmarkt einlädt, dann sollte es bei uns doch möglich sein, Gregor Gysi beim Schaffermahl reden zu lassen“, sagte der Bürgermeister. Auch während der morgigen Offiziersversammlung wird der umstrittene Redner Thema sein. Allerdings können die Offiziere die Besetzung im Prinzip nur zur Kenntnis nehmen – nicht aber ablehnen. · dr

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