„Enten“ wandeln auf den Spuren des Mittelalters

Geschichts-Trip mit Gruselgarantie

Erste Station während des Ausflugs in die Schloss-Vergangenheit des Harpstedter Amtshofes war gestern für die „Enten“-Gruppe mit ihren Erzieherinnen Nadine Gans-Schrader und Michaela Will das Ensemble aus Sonnenstein und „Gemeindesteinen“.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken· „Uuih, war das gruselig! Ich konnte Anna-Lena da unten gar nicht mehr sehen.“ Noa-Lynn hielt sich, vom Sonnenlicht geblendet, die Hand vor die Augen, als sie gestern Morgen aus dem Verlies des Amtshofes wieder heraus kroch. Zusammen mit den anderen 16 „Enten“ des DRK-Kindergartens Harpstedt ließ sich das Mädchen von Andreas Gralheer aus der Samtgemeindeverwaltung in die Welt des Mittelalters zurückversetzen.

Die Kleinen wissen inzwischen, dass sie auf viele Annehmlichkeiten verzichten müssten, wenn sie selbst zu jener Zeit gelebt hätten. Etwa auf moderne Technik. Und natürlich auch auf den Kindergarten. „Stattdessen würden sie vermutlich morgens mit aufs Feld gehen, um dort zu arbeiten“, so Erzieherin Nadine Gans-Schrader. „Wir machen den Kindern deutlich, dass die meisten Menschen damals eben keine Adeligen, sondern Bauern waren“, ergänzte ihre Kollegin Michaela Will. Bis zu den Sommerferien sollen die „Enten“ so einiges über das Mittelalter erfahren – spielerisch und nicht nur anhand grauer Theorie. Die Kinder werden töpfern, Brot nach alter Tradition backen sowie ein Wappen, Ritterhelme und Schmuck basteln. Eventuell kommen sie auch in den Genuss, sich unter fachkundiger Anleitung im Schwertkampf und im Bogenschießen zu üben.

Zum Einstieg in das Thema Mittelalter bot sich ein Abstecher zum Amtshof mit seiner bewegten Vergangenheit als Schloss natürlich an. Das Erste, was die Gruppe dort zu sehen bekam, der von den „Gemeindesteinen“ umgebene

Sonnenstein, datiert allerdings aus einer noch wesentlich früheren Epoche, der Bronzezeit. Andreas Gralheer erklärte den Kindern, dass Harpstedt vor rund 800 Jahren „Harpenstede“ hieß und sich hinter dem Wort „Slote“ aus einer Urkunde von 1360 das Schloss verbirgt. „Daran kann man ersehen, dass sich auch Schrift und Sprache im Laufe der Zeit verändert haben.“ Das Schloss sei immer wieder umkämpft gewesen, und die gräflichen Besitzer hätten gewechselt.

Graf Moritz residierte dort von 1458 bis 1463. Sein älterer Bruder Christian I. sei, so Gralheer, König von Dänemark, Schweden und Norwegen gewesen. Gerd, der Mutige, der zweite Bruder, habe indes einen schlechten Ruf gehabt und sich sogar an der Seeräuberei beteiligt (ihm gehörte Harpstedt von 1464 bis 1474).

Wie die Burganlage im Flecken früher ausgesehen hat, ging aus Kopien einer Zeichnung und eines Kupferstiches hervor, die Andreas Gralheer den beiden Erzieherinnen überreichte. Der Verwaltungsmitarbeiter erklärte den Kindern die einstige Beschaffenheit des Schlosses mit Dreschdeel, Pulverkeller, Backhaus und Kornboden. „Auf der Burganlage arbeiteten früher viele Menschen. Hier wurde Vieh gehalten, aus Korn Mehl gemahlen und auch Bier hergestellt.“ Ja, und es habe sogar ein Gefängnis gegeben, in das Verbrecher gesperrt worden seien. „Wollt ihr das Verlies wirklich sehen? Traut ihr euch da alle rein?“, fragte der Amtsleiter die Gruppe und bekam ein lang gezogenes „Jaaaaa“ zur Antwort. Wenig später krochen die Kinder nach und nach in das enge, dunkle Kellergewölbe. Einige mussten augenscheinlich schon ein bisschen „Bammel“ überwinden.

Nach der kleinen Exkursion in die Heimatgeschichte suchten die „Enten“ dann die Nähe zu ihren „gefiederten Freunden“ – und fütterten die Enten.

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