Mühlensanierung: Fachbüro gekündigt / Flügel werden länger als bisher, aber kürzer als das historische Original

Gemeinde übernimmt Bauleitung selbst

Blick von der neuen Mühlen-Galerie auf die Harpstedter Christuskirche: Das Geländer ist jetzt 1,10 Meter hoch.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken· Der Flecken Harpstedt übernimmt die Bauleitung während der weiteren Sanierung der Harpstedter Windmühle selbst. Das Fachbüro „Angelis + Partner“ ist von dieser Aufgabe entbunden worden. Offenbar war die Gemeinde mit dem Unternehmen nicht zufrieden. Auch Müller Helmut Nienaber hatte sich über die Bauleitung beschwert.

Mit der Kappe des „Galerie-Holländers“ befasst sich momentan ein Mühlenbauunternehmen – dicke Balken aus Eiche müssen ersetzt werden. „Die Windrose soll noch in dieser Woche demontiert werden“, berichtete Nienaber. Sie werde sandgestrahlt, neu gestrichen und dann wieder eingebaut.

Die alten Flügel sind indes nicht mehr verwertbar; die neuen werden 11,40 Meter messen – und damit 40 Zentimeter mehr als die bisherigen, aber 60 Zentimeter weniger als die allerersten. Der Eigentümer des Harpstedter Wahrzeichens hätte Flügel in der ursprünglichen Länge von zwölf Metern lieber gesehen. Sie wären nach seiner Einschätzung auch machbar gewesen. „Die Galerie hätte nur nach den Vorgaben der Zeichnungen gebaut werden müssen. Sie ist aber statt 3,20 Meter drei Meter breit geworden. Und die Geländerhöhe misst statt 70 Zentimeter 1,10 Meter“, so Nienaber. Dass die neuen Flügel nun zumindest ein bisschen länger werden können als die bisherigen, hänge mit der Antriebswelle zusammen; die bekomme nämlich jetzt eine etwas andere Neigung, erläuterte der Müller. Nach wie vor sagt ihm die Ausführung einiger Arbeiten überhaupt nicht zu. Nienaber nannte exemplarisch Balken im oberen Teil des Bauwerks, die verschraubt statt verzapft worden sind. Eine fachmännische Restaurierung sehe anders aus.

„Angelis+Partner“ hatte Kritik an der Bauausführung zunächst nicht geteilt. Doch die Vorwürfe des Müllers waren wohl nicht aus der Luft gegriffen. Die Bauverwaltung bestätigte zumindest gestern, dass die Gemeinde dem Fachbüro gekündigt hat, kommentierte die Gründe allerdings nicht. Der Flecken nehme die Bauleitung jetzt selbst wahr, hieß es aus dem Amtshof. Das um 40 Zentimeter erhöhte Geländer ist indes nach Auskunft der Verwaltung erforderlich gewesen. Die Mühle solle bekanntlich später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wenn auch die Galerie für Besucher zu betreten sein solle, müsse das Geländer mindestens 1,10 Meter in der Höhe messen. Das sei Vorschrift.

Die neue Galerie entspreche in etwa dem Erscheinungsbild aus den Jahren vor 1928, verriet der Müller. Seinerzeit habe die Mühle noch einen so genannten „Sterz“ (plattdeutsch: Steert), eine dreieckige Holzkonstruktion, gehabt und sei mit Hilfe einer Kurbel von Hand in den Wind gedreht worden. Die Kette sei um das Geländer gewickelt gewesen, und dieses wiederum habe wegen der darauf wirkenden Zugkräfte besonders stabil beschaffen sein müssen. Nach dem Einbau der Windrose (1928) sei die Harpstedter Mühle mit einer weniger soliden, aber zugleich auch günstigeren Galerie versehen worden.

Bis zum Jahresende soll der zweite Bauabschnitt – und damit die ganze Sanierung des Bauwerks – abgeschlossen sein. Kürzlich hatte der Verwaltungsausschuss des Fleckens Harpstedt ein ganzes Paket von Aufträgen vergeben – von Mühlenbau- über Maler-, Tischler-, Dachdecker- und Pflaster- bis hin zu Elektro- und Blitzschutzarbeiten reichte das Spektrum (wir berichteten).

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