Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten in Oldenburg / Bildung und Arbeit sind Schwerpunktthemen

Von der Gefahr, Zukunft zu verschlafen

Groß war das Medieninteresse, als Uwe Schünemann, Christian Wulff und Maria Böhmer (v.l.) gestern die Bundeskonferenz eröffneten.

Oldenburg - Von Charlotte SteenkenOLDENBURG · Von der Gefahr, die Zukunft zu verschlafen, berichtete Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gestern während der Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten von Bund, Ländern und Kommunen in Oldenburg. Genau dieser Gefahr seien einzelne Unternehmen ausgesetzt – wenn nicht Menschen mit Migrationshintergrund genau so wie deutsche Bewerber behandelt würden. „Vielfalt muss als Chance begriffen werden“, betonte der Unionspolitiker.

Unter dem Motto „Bildung und Arbeit – Weg und Ziel erfolgreicher Integration“ diskutieren noch bis heute Mittag 300 Teilnehmer der Konferenz vor allem über Bildung von Migranten und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

„Migranten müssen mehr Bewerbungen schreiben, sie haben größere Probleme, in den Arbeitsmarkt einzusteigen“, sagte Wulff, der als erster Ministerpräsident die jährlich wiederkehrende Konferenz eröffnete, gestern. Besonders erschreckend: „Je qualifizierter die Bewerber sind, desto schwieriger ist für sie der Arbeitsmarktzugang in dem Bereich, für den sie qualifiziert sind.“ Viele in Deutschland ausgebildete Migranten kehrten in ihre Heimatländer zurück, weil ihre beruflichen Chancen dort größer seien. „Es gibt einen Stammtisch hoch qualifizierter Deutschtürken mit 300 Teilnehmern, auf den wir stolz sein können“, berichtete Wulff. „Der ist allerdings in Istanbul.“

Ein großes Problem sei außerdem die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen. „Die werden noch nicht nach einheitlichen Bewertungskriterien geprüft“, monierte der Regierungschef. „Viele Zugewanderte bekommen nicht den Job, für den sie qualifiziert sind. Dieser Missstand muss behoben werden, weil er auf beiden Seiten zu Frust führt.“ Deshalb müsse es eine Anlauf-stelle für dieses Thema geben, beispielsweise bei der Bundesagentur für Arbeit. Auf transparente Weise müsse hier entschieden werden, ob die Qualifikation anerkannt werde. Wulff bekam Unterstützung vom gestrigen Noch-Innen- und Integrationsminister Uwe Schünemann, der bekanntlich heute abgelöst wird. „Im Moment ist die Anerkennung noch sehr undurchsichtig. Wir brauchen einen Ansprechpartner, und innerhalb von sechs Monaten muss eine Entscheidung fallen.“

Genau deshalb wolle die Bundesregierung ein Gesetz auf den Weg bringen zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen, berichtete Staatsministerin Maria Böhmer. „Dort, wo Qualifikation vorhanden ist, müssen wir die Weichen besser stellen. Das ist das wichtigste Thema in den kommenden Jahren“, so die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. „Es ist angesichts des hohen Bedarfs an Fachkräften nicht nachzuvollziehen, dass man hier Potenziale brach liegen lässt.“ Wichtig sei dafür besonders die Förderung der Sprache vom Kindergarten über die Schule bis hin zu Integrationskursen. „Wer nicht gut Deutsch spricht, ist nur Zaungast in unserem Land“, so Böhmer.

Unabdingbar sei beispielsweise, „dass Ärzte mit Migrationshintergrund sich niederlassen dürfen“. Gleichzeitig forderte Böhmer mehr Migranten im öffentlichen Dienst. Das zu verwirklichen, darum bewarb sich Oldenburgs Oberbürgermeister Gerd Schwandner. „Wir würden gerne Modellkommune sein in Sachen Migration.“ Schön sei, wenn jeder fünfte bis sechste Mitarbeiter Migrationshintergrund habe. „Bei den Auszubildenden haben wir die Zahl schon erreicht“, berichtete Schwandner, dessen Stadt von allen Seiten für die Vorreiterrolle in Sachen Integration gelobt wurde. Hauptziel müsse „eine integrative Gesellschaft, in der neue Mitglieder als willkommene Bereicherung begrüßt werden“, sein. Menschen müssten in die Lage versetzt werden, sich selbst zu verwirklichen. „Wer sich jetzt noch nicht darauf versteht, fremde Einflüsse aufzunehmen, nimmt am Globalisierungsprozess nicht teil. Das wäre grob fahrlässig.“

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