Stapelfeld: Hohes Krebsrisiko neben ehemaliger Deponie

Stapelfeld: Hohes Krebsrisiko neben ehemaliger Deponie

Gesundheitsrisiko Mülldeponie?

Stapelfeld (dn) · Irgendwann verlor auch der geduldige Hans Eveslage die Nerven. Als die Dame vom NDR ihn am Ende eines höchst unangenehmen Interviews fragte, ob man nicht weiter nach den Ursachen der erhöhten Krebsgefahr im Umfeld der ehemaligen Mülldeponie in Stapelfeld forschen sollte, entgegnete der Cloppenburger Landrat zynisch: „Das können Sie gerne machen.“

Eine Antwort, die fast so klang, als sei die Sache für ihn erledigt. Leider gilt das für die Anwohner in Stapelfeld noch längst nicht. In der unmittelbaren Umgebung der 2005 stillgelegten Deponie herrscht Angst und Misstrauen vor dem, was unter der Erde begraben liegt. „Als das hier noch eine Deponie war, wurde alles mögliche dort abgeladen“, erzählt Werner Niemann , der unweit der Müllhalde wohnt und von „regelmäßigen Bränden und Fässern mit Totenköpfen“ berichtet.

Und in der Tat scheint in Stapelfeld etwas nicht zu stimmen: Das Krebsrisiko liegt 31 Prozent über dem Durchschnitt, bei Frauen sogar 45 Prozent. „Das sieht man in jedem zweiten Haus“, sagt Anwohner Martin Rode: „Soviel Krebskranke – das ist doch nicht überall so.“ Der Landkreis allerdings winkt seit Jahren ab. Eveslage versichert: Mit der Deponie habe das alles nichts zu tun: „Ich berufe mich auf eine Untersuchung des Niedersächsischen Umweltministeriums, in dem klar herauskommt, dass keine Gesundheitsgefährdung besteht.“ In dem Bericht des Ministeriums vom Januar heißt es unter anderem, dass „Belastungen der Atemluft praktisch nicht möglich“ seien: „Auch eine Gefährdung des Grundwassers ist nahezu ausgeschlossen.“ Und überhaupt, so Eveslage, seien die Anschuldigungen ohnehin aus der Luft gegriffen. „Was die Anwohner da gesehen haben wollen, lässt sich durch nichts beweisen“, meint der Landrat gegenüber dem NDR: „Das kam alles im Nachhinein.“

Die Untersuchung des Landes rief dann aber zwei Wissenschaftler auf den Plan, die die Ergebnisse praktisch in der Luft zerrissen. „Vage und ohne Aussagekraft“, kritisierte Chemikerin Dr. Irene Witte von der Universität in Oldenburg, und der Bremer Unweltmediziner Dr. Rainer Frentzel-Beyme spricht von „einem komplett idiotischen Gutachten“. In den Deponiegasen seien krebserregende Stoffe wie Benzol und Lösungsmittel wie Xylol nachgewiesen worden, die bis zum 700-fachen über den Referenzkonzentrationswerten lagen. „Man muss auch die Kombination der Stoffe beachten, die schädlich ist, selbst wenn einzelne Grenzwerte nicht überschritten werden“, meint Witte: „Das wird aber in keinem Bericht erwähnt. Es werden selbst gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse missachtet.“ Der Verkehrsverein befasst sich zusammen mit den Linken und den Grünen schon seit Jahren mit dem Problem – bislang ist aber noch nicht einmal die Abdeckung der Deponie gelungen. „Das Gesundheitsamt des Landkreises scheint überfordert zu sein“, wettert Michael Jäger von den Grünen: „Und die Landesbehörde setzt auf Abwehr und Verharmlosung.“

Und doch kommt nun Bewegung in die Angelegenheit. Landrat Eveslage bestätigte, dass ein Planfeststellungsverfahren zur Abdeckung läuft, und auch der Landtag rollt das Thema im Sozialausschuss im Sommer noch einmal auf. „Das wird auch wirklich Zeit“, meint Mediziner Frentzel-Beyme: „Vor allem im Sinne der Menschen, die dort leben.“

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