Heute „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“

Gedenksteine gegen Rassismus und Fremdenhass

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Der Name Abraham Neublum ist am Denkmal auf dem Kirchhof zu lesen.

Harpstedt - Als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ wurde das heutige Datum auf Vorschlag von Bundespräsident Roman Herzog 1996 in Deutschland eingeführt – am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes.

Auch in Harpstedt wurden neun Bürger Opfer der Judenverfolgung der braunen Machthaber: Zur Erinnerung und Mahnung stehen seit 1996 ihre Namen auf großen Gedenktafeln auf dem Amtshof und auf dem Judenfriedhof.

1994 schlug Bürgermeister Hermann Bokelmann dem Rat die Anbringung der Tafeln vor. Als passende „Träger“ beschaffte Ratsherr Heinrich Sudmann zwei riesige Findlinge. Den Anstoß zu diesem Denkmal gab es 1992 im Kreishaus bei der Vorstellung des Buches „Der Landkreis Oldenburg – Menschen-Geschichte-Landschaft“. Im Kapitel „Juden im Landkreis Oldenburg“ stehen am Schluss die Namen von 28 Juden aus dem Landkreis Oldenburg, die von den Nazis umgebracht wurden. Da Hermann Bokelmann die Namen der Harpstedter Juden aus seiner Kinderzeit kannte, lud er im Januar 1993 den Autor Werner Meiners zu einem Vortrag ein, der bei den fast 100 Zuhörern starke Betroffenheit auslöste.

In der „Chronik der Samtgemeinde Harpstedt“ von Dirk Heile ist nachzulesen, dass die drei jüdischen Familien sich im Flecken bis 1933 eines guten Ansehens erfreuten: Die Familien Löwenstein-Goldschmidt an der Lange Straße 17 und Roßbach wohnhaft an der Lange Straße 3 hatten jeweils Geschäfte für Manufaktur-Waren wie Bett- und Tischwäsche, sowie Kleiderstoffe, während Erich de Vries an der Großen Essmerstraße 20 eine kleine Schlachterei betrieb.

Im Flecken ließ sich im Jahre 1702 Jakob Goldschmidt als erster Jude nieder. Ein Nachfahre, Iwan Goldschmidt, war 1875 Präsident des gerade gegründeten Kriegervereins. Er wurde 1886 Mitglied des Offizier-Corps der Bürgerschützen, deren Oberst er von 1903 bis zu seinem Tod im April 1914 war. Seine 1876 geborene Tochter Ida wurde in Auschwitz umgebracht, ihr Ehemann Willi Löwenstein 1943 in Theresienstadt. Ebenso Henriette Roßbach geborene Jordan (68). Ihr Sohn Edgar Roßbach wurde am 29. Juli 1942 im 35. Lebensjahr in Minsk umgebracht, als dort an diesem Tag 3 000 deutsche Juden erschossen wurden. Darunter auch das Ehepaar Erich und Helene de Vries (geborene van der Zyl) und ihre achtjjährige Tochter Marga. Oma Jenny de Vries (geborene Neublum, 71) kam in Theresienstadt um; ihre Tochter Johanne (35) in den letzten Kriegstagen in Stutthoff bei Danzig. Sie alle waren in Harpstedt verwurzelte Mitbürger, so wie auch Abraham Neublum, der im Krieg 1870/71 gefallen ist. Sein Name steht am Denkmal 1870/71 auf dem Kirchhof zu lesen.

Die Gedenksteine am Amtshof sollen die Erinnerung an diese Opfer wachhalten, damit auch die kommenden Generationen erkennen, wohin Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Hass, gepaart mit blindem Gehorsam und Fanatismus, führen können.

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