„Stadtbrände und Feuerlöschwesen“ / Keine Brandschutzwände bei geschlossenen Häuserzeilen / Stallungen im Haus

113 Gebäude werden Flammen-Opfer

Wildeshausen - 100 Häuser im Bereich der oberen Wester-, der Neuen, Söge- und der Kleinen Straße fielen der Feuersbrunst in der Nacht auf den 1. April 1790 zum Opfer. Es war der größte Stadtbrand der jemals in Wildeshausen gewütet hat. Wenn ich dieses niederschreibe, erinnere ich mich an den Feuersturm, den ich am 28. Juli 1943 als Sechsjähriger in Hamburg während des Zweiten Weltkrieges in Folge des britischen Bombenterrors erlebt habe.

Aber nun weiter im Thema: 105 Jahre blieb unsere Stadt von einem Brand größeren Ausmaßes verschont, da schlug das Unglück wieder zu. Denn am 19. September 1895 brannten 49 Wohnhäuser und Nebengebäude nieder. Als Archivar des Männergesangvereins Liedertafel von 1848 bedauere ich noch heute diesen Brand. Denn auch das Haus des Vereinswirts Wilhelm Kolloge – genannt „Klogen-Willy“ – brannte nieder. Und damit sämtliche Unterlagen der Liedertafel.

Gott sei gelobt, können wir mit der Erwähnung des Stadtbrandes vom 23. April 1900 die Aufzählung der Großfeuer beenden. Bei diesem Feuer wurden noch einmal 73 Wohnhäuser und 40 Nebengebäude ein Raub der Flammen. Hier lag das Zentrum des Feuers im Bereich Westertor, Söge- und Kleine Wallstraße.

Fragen wir nach den Ursachen für diese Großbrände, denen ganze Straßenzüge unserer Stadt zum Opfer fielen, sind mehrere zu erwähnen. Zum einen war es die enge Bebauung in den vom Feuer zerstörten Stadtteilen, so wie sie allgemein in den mittelalterlichen Städten üblich war. Wenn überhaupt, gab es nur enge Häusinge. Und zu dieser Zeit kannte man auch keine bautechnisch vorgeschriebenen Brandschutzwände bei geschlossenen Häuserzeilen.

Meines Erachtens lag, lieber Plauderfreund, die Hauptursache, dass ganze Stadtteile dem Feuer zum Opfer fielen, in den zum Bau der Ackerbürgerhäuser verwendeten Baumaterialien und der Nutzung der Gebäude. Es waren keine – wie heute üblich – reinen massiven Wohnhäuser, und sie wurden zum Teil auch landwirtschaftlich genutzt. Doch dazu später.

Betrachten wir einmal die Bauweise dieser meist Fachwerk-Lehmhäuser. Auf einem Fundament, oftmals aus Findlingen, wurde durch den Zimmermeister ein Holzfachwerk errichtet. Jedes Gefache hat man mit einem Weiden-Eichengeflecht oder mit senkrecht stehenden Holzlatten ausgefüllt. War diese Vorarbeit getan, wurde ausreichend Lehm aus der Lehmkuhle beschafft.

Die alte Lehmkuhle befand sich im Bereich der heutigen Kapitän-Strasser-Straße. Die uns geläufige ist die „Neue Lehmkuhle“ an der Goldenstedter Straße.

Den Lehm vermengten die Bauleute mit Häckselstroh, Kuhmist und Muschelkalk. Dieses Gemisch wurde beidseitig auf das Geflecht in den Fachen aufgetragen. So soll die Bauweise in etwa gewesen sein. Kommen wir nun zur Nutzung der meisten Ackerbürgerhäuser. Neben dem einfachen Wohnbereich mit früher meist offenen Feuerstellen, niedrigen Schornsteinen und den hölzernen Alkoven (Bettstatt) befanden sich im Haus oder im Anbau die Stallungen für das Vieh – Kuh, Pferd oder Ziege standen in hölzernen Boxen, und unter dem Dach befanden sich Heu und Stroh als Winterfutter.

Sie sehen, liebe Leser, in und an den Häusern von damals befand sich eine Menge Brennbares.

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