Polizist Klaus Ristow blitzt an der B 212 bei Bookholzberg

Wenn Raser rot sehen

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Der Polizist Klaus Ristow stellt Blitzgeräte an der B 212 auf. Das vordere Dreibein auf dem kleinen Foto trägt den Einseitensensor Eso 3.0, der die Geschwindigkeit misst, während die hinteren beiden Apparate für das Foto und dessen Belichtung sorgen. 

Bookholzberg - Von Ove Bornholt. Raserherz, was willst du mehr? Von einem kleinen Knick in der Mitte abgesehen, verläuft die B 212 außerhalb von Bookholzberg in Richtung Wesermarsch schnurgerade. Rund vier Kilometer sind es auf der schlaglochfreien, auf einer Seite von Bäumen begrenzten Strecke bis zum nächsten Dorf. Das verleitet so manchen Autofahrer dazu, Vollgas zu geben. Eine Entscheidung, die viele bereuen, denn häufig stehen Blitzer an der B 212. Deren roten Lichtblitz bekamen am Dienstag 25 Raser zu sehen.

Bevor die Geschwindigkeitssünder allerdings in die Falle tappen, muss Polizist Klaus Ristow die Anlage aufbauen. Der Polizist in Zivilkleidung montiert einen Einseitensensor, den Eso 3.0, auf einem Dreibein. Das Gerät verfügt über fünf parallele optische Helligkeitssensoren im Abstand von wenigen Zentimetern. Sie erfassen vorbeifahrende Fahrzeuge und ermitteln aus dem Zeitversatz der Messung die Geschwindigkeit. Ein kurzer Blick ins Internet verweist auf zahlreiche Rechtsanwälte, die auf Mängel des Geräts hinweisen und Autofahrern, die geblitzt wurden, ihre Dienste anbieten.

Beim Aufstellen legt Ristow Maßarbeit und Fingerspitzengefühl an den Tag, um eventuellen Einwendungen gegen das Messergebnis die Grundlage zu entziehen. So misst der 61-Jährige mit einer Wasserwaage die Fahrbahnneigung für den auf einem Dreibein montierten Sensor. „Je genauer ich das Gerät ausrichte, desto weniger Verwerfungen habe ich“, weiß der Beamte. Die Anlage ist bis 250 Kilometer pro Stunde geeicht.

Besonders gerne erwischt Ristow „Böcke“, wie er die Motorräder nennt. Diese seien oft schnell unterwegs und kämen davon, meint der Beamte. In vielen Fällen sind die Fahrer nicht zu identifizieren. Zum Beispiel weil die Visiere ihrer Helme abgedunkelt sind. Trauriger Spitzenreiter auf der ewigen Bestenliste des Polizisten ist ein Biker, den er mit mehr als 250 km/h auf der A 1 erwischte. Dort galt Tempo 120.

Motorradfahrer mit mehr als 250 km/h

Dem 61-Jährigen selbst ist das Motorradfahren allerdings nicht fremd. Es ist gut zehn Jahre her, da war er auf seiner Maschine unterwegs und stieß mit einem Lastwagen zusammen. Dabei wurde der Beamte schwer verletzt, brach sich mehrere Knochen und Rippen. Sein rechter Arm ist immer noch etwas krumm. Deswegen hörte er zwar nicht mit dem Motorradfahren auf, aber es war Schluss mit dem Streifendienst. In ein Büro wollte er jedoch partout nicht. „Vier Wände und eingesperrt“, meint der Polizist und lacht. Beim Blitzen habe er mehr Freiheit. Er ist in Delmenhorst sowie den Landkreisen Oldenburg und Wesermarsch unterwegs.

Nachdem Ristow auch die Kameras und Blitzer aufgestellt hat, stehen insgesamt sechs Dreibeine mit Geräten – alle in grau-grün – im Gestrüpp an der Bundesstraße. Damit kann der Verkehr in beiden Fahrtrichtungen überwacht werden. Drei in Reihe geschaltete Autobatterien versorgen die Anlage mit Strom. Rund 230 Meter Kabel sind verlegt, und der Polizist sitzt in seinem spartanisch ausgestatteten Zivilbus vor einem kleinen Computerbildschirm. Die Finger des Beamten flitzen über den Touchscreen. Er richtet die Kameras aus und stellt sicher, dass die Fotolinie scharf ist. Autos werden ab 120 km/h geblitzt, nach Abzug einer Toleranz verbleiben noch 116 km/h. Das bedeutet ein Verwarngeld von 30 Euro. Lkw-Fahrer bekommen ab einer Geschwindigkeit von 74 km/h ein Foto. Auf der Strecke gilt Tempo 60 für die Lastwagen, also werden 25 Euro Verwarngeld fällig. Sobald der Polizist einen Laster hört, schaltet er per Fernbedienung den Auslösewert für den Blitzer von 120 auf 74 Kilometer pro Stunde runter.

Alles ist bereit: Die Raser können kommen. Tun sie aber erst mal nicht. „Die fahren schon langsam. Das heißt aber noch gar nichts“, sagt Ristow entspannt. Zeit für einen Blick auf frühere Messergebnisse. Der 61-Jährige hat ein paar Fotos mitgebracht und erzählt. An dieser Stelle habe er mal in wenigen Minuten drei Fahrverbote gehabt. Einer der Autofahrer war mit 154 Kilometern pro Stunde unterwegs und wurde von einem anderen Wagen überholt, der noch schneller unterwegs war. Da kann Ristow nur mit dem Kopf schütteln.

Am Karfreitag stand er mit seiner Anlage im Autobahndreieck Delmenhorst und stellte 584 Geschwindigkeitsverstöße fest. Dabei lief rund drei Stunden lang eine Blitzerwarnung für diesen Bereich im Radio. Wenn er jemanden erwischt, empfinde er „keine große Freude. Es ist normale Arbeit“, sagt der Beamte. Aber einen „gesunden Ehrgeiz“ verspüre er schon. Der ganze Aufbau und die langen Diensttage mit Überstunden im Zivilbus sollen sich ja auch lohnen, findet er.

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