Hospizkreis bietet Familienbegleitung an

Wenn Kinder todkrank sind

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Begleiten in schweren Zeiten: Sina Mahlstedt (l.) und Susanne Lebedinzew.

„Wie ist das eigentlich, wenn jemand stirbt? Lebt er dann auf einer Wolke? Und wäre meine Schwester nicht so krank geworden, wenn ich mein Zimmer besser aufgeräumt hätte?“ Mit Kindern über den Tod zu sprechen ist nicht leicht. Der Hospizkreis Ganderkesee-Hude bietet ihnen und ihren Eltern Hilfe an.

Ganderkesee – Sina Mahlstedt hat vor einigen Jahren damit begonnen, Kindergärten zu besuchen, um dort über den Tod und das Sterben zu sprechen. Ein Experiment, das sie als Wundertüte bezeichnet. „Man weiß nicht, was da für Fragen kommen“, erzählt die 37-Jährige. Es sei zwar wichtig, Kindern ehrlich zu antworten. Aber dass der Tod bedeutet, dass die verstorbene Person nie wiederkommt, nicht mehr aufsteht – das sei frühestens ab dem Grundschulalter verständlich.

Mahlstedt arbeitet beim Hospizkreis Ganderkesee-Hude und ist zusammen mit Susanne Lebedinzew unter anderem für die Begleitung schwersterkrankter Kinder und ihrer Familien zuständig. Das Angebot gibt es seit Anfang 2019. Die ausgebildeten Krankenschwestern koordinieren die Arbeit der Ehrenamtlichen, führen Erstgespräche mit Betroffenen und sind im Wechsel mit ihrer Kollegin Linda Bahr für die 24-Stunden-Rufbereitschaft des Hospizkreises zuständig. Alle drei arbeiten in Teilzeit. Der Verein ist neben den Fördergeldern der Krankenkassen auf Spenden angewiesen.

Nicht nur die Koordinatorinnen, auch die derzeit fünf Ehrenamtlichen, die sich für die Kinder- und Jugendhospizbegleitung qualifiziert haben, gehen eine hohe Verbindlichkeit ein. Die Betreuung einer Familie mit einem Kind, bei dem eine schwere Erkrankung, eine mehrfache Behinderung oder ein Gendefekt diagnostiziert worden ist, kann Jahre dauern. 

Manche Kinder werden geheilt, andere nicht

„Hoffnung ist ein riesengroßes Thema“, sagt Lebedinzew. Und immer wieder gebe es auch die Chance auf Heilung. Manche Dreijährige sterben an Leukämie, weil kein passender Stammzellspender gefunden wurde. Andere Kinder haben Glück. In jedem Fall gilt: „Wir müssen in den Familienbegleitungen besser auf unsere Ehrenamtlichen achten als sonst“, sagt Mahlstedt. Ihre Kollegin ergänzt: „Kinderhospizbegleitung berührt definitiv noch mal ganz anders als die von Erwachsenen. Weil Kinder noch nicht gehen dürfen.“

Beide sind selbst Mutter und haben nicht nur Verständnis für verzweifelte, aufopferungsvolle Eltern, sondern auch eine besondere Sensibilität. Deshalb vermeiden sie den Begriff Sterbe- begleitung, wenn es um betroffene Familien geht. „Da steht Tod drauf“, sagt Lebedinzew. Für Eltern könne das Gefühl aufkommen: „Wenn die kommen, muss mein Kind gehen“, bringt Mahlstedt das Problem auf den Punkt. 

Dabei sei die Arbeit der Ehrenamtlichen umfassender und ambivalenter: „Wir können aus dem Leben hinaus begleiten, aber auch ins Leben hinein.“ Eine wichtige Aufgabe sei häufig, den gesunden Geschwisterkindern oder auch den Eltern Zeit zu schenken und Freiräume zu schaffen. Einen Kinoabend ermöglichen, einen Spiele-nachmittag verbringen – was sie brauchen, entscheiden die Betroffenen.

Einen guten Abschied von den Familien finden 

Für die Ehrenamtlichen entstehen durch die Begleitung starke Bindungen zu den Familien. „Sie setzen alles in Bewegung, um in kritischen Situationen bleiben zu können“, sagt Mahlstedt. Deshalb sei es wichtig, nach dem Tod eines Kindes auch einen guten Abschied von der Familie zu finden. 

Die Ehrenamtlichen werden durch regelmäßige Supervision unterstützt. Alle haben eine umfassende Ausbildung in Zusammenarbeit mit der Stiftung Hospizdienst Oldenburg absolviert. Zum Ende des Jahres werden zwei weitere Freiwillige die zusätzliche Qualifikation für die Familienbegleitung abschließen. „Es gibt Bedarf“, sagt Mahlstedt.

Kontakt

Das Angebot des Hospizkreises ist kostenlos. Die Koordinatorinnen sind im Büro unter Tel. 04222/806190 oder rund um die Uhr unter Tel. 0160/99643944 zu erreichen. Infos online unter www.hospizkreis-ganderkesee-hude.de.

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