Ausstellung im Ganderkeseer alten Rathaus / Stücke verbinden Kunst und Inhalt

Waschechter Kapitalist zeigt DDR-Propaganda-Plakate

Jürgen Lüdtke vor zwei Plakaten der Ausstellung: Sie zeigen die DDR-UdSSR-Freundschaft und einen Arbeiter, der stolz auf seinen Staat ist. - Foto: bor

Ganderkesee - Von Ove Bornholt. Eine Mischung aus Kunst und Propaganda erwartet die Besucher seit Dienstag im alten Rathaus an der Rathausstraße 24 in Ganderkesee. In dem Gebäude, in dem die regioVHS ihren Sitz hat, hängen rund 30 Plakate aus der ehemaligen DDR.

Ausgerechnet ein Unternehmensberater, also ein waschechter Kapitalist, der nach der Wende in den Osten ging, um volkseigenen Betrieben das neue Wirtschaftssystem zu erklären, hat die Plakate gehortet und macht sie nun der Öffentlichkeit zugänglich. Die Rede ist von Jürgen Lüdtke: Zwirbelbart, die schlohweißen Haare nach hinten gekämmt und vom Typ leidenschaftlicher Sammler. Der Rentner betrieb in den 1980er-Jahren das Spielzeug- und Kinderbedarf-Fachgeschäft „Bambino“ in Syke, bevor er auf seine Weise „rübermachte“. Nun wohnt er im Ganderkeseer Ortsteil Heide.

Lüdtke sammelt Gegenstände „der deutschen Geschichte ab der Kaiserzeit, um sie für die Nachwelt zu erhalten“. Dazu gehören auch 250 DDR-Plakate, aus denen er sich für die Ausstellung bediente. Er hatte sie während seiner Zeit im Osten in Betrieben und auf Flohmärkten erstanden. In den Firmen seien sie oft gelagert worden, da keine Verwendung mehr für das Material bestand.

Schon diverse Male hat er die Deutsche Demokratische Republik zum Thema gemacht und dazu Exponate zur Schau gestellt. Der Rentner führt auch Schulklassen und hält Vorträge, in denen er versucht, den jungen Leuten „den Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur“ nahezubringen.

Und damit berührt er auch den Knackpunkt seiner Sammlung von Erinnerungsstücken. Lüdtke erklärt, er wolle die „DDR objektiv darstellen“, betont aber auch: „Das ist für mich ein Unrechtsstaat.“ Dennoch gerät der Heider ins Schwärmen, wenn er die Plakate einzeln vorstellt, die für ihn auf jeden Fall als Kunst einzuordnen sind. Wobei er den Aspekt der Propaganda nicht ignoriert. „Die einen gucken eher auf die Gestaltung, die anderen eher auf den Inhalt“, fasst es Andreas Lembeck von der regioVHS zusammen.

Die Stücke hängen im Erdgeschoss und im ersten Stock des alten Rathauses. Interessant ist die Entwicklung von sehr einfachen Darstellungen bis hin zu abstrakten Bildern. Auch die Inhalte wandelten sich über die Jahrzehnte. Dominierte zu Beginn der DDR noch die Frage nach dem Sinn und Zweck des Sozialismus sowie natürlich die Antwort darauf, ging es ab Mitte der 1970er-Jahre auch um die Errungenschaften des Systems wie Wohnungen, Arbeit und Frieden.

Zudem spielen besondere Ereignisse im Kalender der DDR-Bürger wie Frauentage, Jugendaustausche oder die Feiern zum Bestehen des Staats in den letzten 20 Jahren der DDR eine große Rolle. „Gott sei Dank haben sie ihren 41. Jahrestag nicht mehr feiern können“, kann Lüdtke sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.

Bemerkenswert sind ebenso Stücke, die für Geschäft wie „Konsum“ werben: „Vorfreude ist die schönste Freude“, steht auf dem Plakat, auf dem Pärchen in Winterkleidung Pakete vor einem Schaufenster in den Händen halten. Unglücklich war es nur für die DDR-Bürger, wenn der Vorfreude keine Freude, sondern eine Enttäuschung in Form von leeren Regalen folgte. Darüber schweigen die Plakate allerdings.

Die Ausstellung ist bis zum 10. Oktober zu den Öffnungszeiten der regioVHS zu besichtigen. Und die sind montags und dienstags von 8 bis 12.30 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr, mittwochs von und freitags von 8 bis 12.30 Uhr und zusätzlich am Donnerstagnachmittag von 14 bis 18 Uhr.

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