Brunnenwasserproben genommen

„Die Leute wollen wissen, was unter ihren Füßen liegt“

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Jonny Behrens aus Grüppenbühren (links) wollte wissen, was in dem Brunnenwasser aus seinem Garten enthalten ist. Harald Gülzow (rechts) und Milan Toups nahmen die Probe in Ganderkesee entgegen.

Ganderkesee - Kurz nach 9 Uhr auf dem Festplatz in Ganderkesee: Harald Gülzow vom Verein „VSR-Gewässerschutz“ und sein junger Kollege Milan Toups haben ihr Mess-Mobil erst seit wenigen Minuten geöffnet. Doch trotz der „frühen Stunde“ an diesem Dienstagmorgen können die Umweltschützer sich nicht über mangelnden Zulauf beschweren: „Es waren schon zwölf Leute hier und haben Wasserproben abgegeben“, berichtet der 63-jährige Physiker.

Mit dabei haben die Interessenten jeweils eine Mineralwasserflasche, in die sie Wasser aus einem heimischen Brunnen abgefüllt haben. Die beiden VSR-Mitarbeiter untersuchen die Proben dann auf Nitrat-, Säure- und Salzgehalt. Wenige Stunden später können sich die Auftraggeber dann bereits die Ergebnisse und eine Bewertung dazu abholen. So wie Jonny Behrens aus Grüppenbühren: „Ich bin zum ersten Mal hier“, sagt er. In seinem Garten befindet sich ein Brunnen. Da er aber auch Pferde hält, wollt er wissen, ob das eigene Wasser bedenkenlos zum Tränken der Pferde sowie fürs Blumengießen geeignet ist. Toups, der bei dem Gewässerschutzverein sein Bundesfreiwilligenjahr ableistet, hört genau zu, notiert die Angaben, die Behrens macht, und versieht die Flasche mit einer Nummer. Wer möchte, kann das Nass aus dem Brunnen auch – gegen einen deutlich höheren Kostenbeitrag – auf Trinkwassertauglichkeit untersuchen lassen.

Interesse an der näheren Umgebung ist es, was der Verein durch seine Arbeit wecken will, erklärt Gülzow: „Die Leute interessieren sich für das Grundwasser, das direkt unter ihren Füßen ist“, sagt er. Die Öffentlichkeit sei, was die Thematik angeht, über die Jahrzehnte hinweg sensibler geworden, berichtet der Umweltaktivist. Er engagiert sich seit 30 Jahren in dem Verein. „In den vergangenen Jahren haben die Leute gemerkt, dass wir in Deutschland nicht die EU- Regeln einhalten, die wir mit vereinbart haben.“

Die drei Grundtests zu Säure-, Salz- und Nitratgehalt nahmen die Gewässerschützer in ihrem Fahrzeug vor Ort vor.

Doch damit sei es nicht getan: „Die Politik muss da wieder mit ‘reinkommen“, sagt Gülzow. Eine Bindung der Größe von Tierhaltungsanlagen an eine landwirtschaftliche Fläche etwa sei seiner Meinung nach notwendig. Und da sei eben der Gesetzgeber gefordert. Denn die Nitratbelastung sei natürlich insbesondere in agrarisch intensiv genutzten Gebieten oftmals zu hoch – vor allem in Niedersachsen. Doch jeder Einzelne könne etwas für den Gewässerschutz leisten, etwa indem er Bio-Produkte kauft, ist sich Gülzow sicher, der in Sachen Wasserschutz im ganzen Land unterwegs ist. Doch gebe es in Deutschland dafür zu wenig Anbauflächen, um die Nachfrage allein aus dem Inland zu decken.

Schon am Morgen nutzten erste Interessierte das Angebot der Gewässerschützer in Ganderkesee.

Der Verein mit Sitz im Niederrhein hat sich in den 1970er-Jahren gegründet, berichtet der Physiker. Auslöser für die Aktivitäten seien damals die schlechte Wasserqualität des Rheins gewesen und die Belastungen, die der Fluss in das Meer spülte. Heute stehen alle Zuflüsse in Nord- und Ostsee im Fokus der Gewässerschützer.

fra

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