Neue Ausstellung im Kulturhaus Müller: Werke von Karolin Kloppstech

Stille, friedliche Bilder von Unfällen und Zerstörung

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Karolin Kloppstech neben ihrem Bild „Containerschiff“. 

Ganderkesee - Von Ove Bornholt. Wenn Karolin Kloppstech spricht, muss man genau zuhören. Sonst besteht angesichts der zarten, dünnen Stimme der kleinen, zierlichen Frau mit den blassen, hellen Augen die Gefahr, etwas zu verpassen. Und das wäre schade, denn sie hat einiges zu ihren Bildern zu sagen, die von Freitag, 12. August, bis Donnerstag, 13. Oktober, im Kulturhaus Müller (Ring 24) in Ganderkesee hängen.

Da wäre zum Beispiel das ausgebrannte Auto neben einem Saftstand. Detailliert hat die in Bremen lebende Künstlerin die Schäden durch das Feuer, dem eine Explosion vorausging, wie der Titel des Bildes verrät, in das 20 mal 29 Zentimeter große Ölbild eingearbeitet. Die Detailtiefe ist sicherlich beeindruckend, aber dadurch, dass Kloppstech berichtet, sie habe als Kind zeitweise in Israel gelebt, bekommt es eine ganz andere Dimension. „Ich habe die Stimmung, die Atmosphäre gespeichert“, sagt sie. Dabei gestikuliert sie langsam mit ihren Händen, die Finger sind ausgestreckt. Mit Bildern brennender oder zerstörter Autos habe sie ihre Erfahrungen verarbeitet.

Die gut 30 Stücke der Ausstellung „Stille Dinge Tiefe Wasser“ sind in den vergangenen Jahren entstanden und zeigen ein Stück weit die Entwicklung der jungen Frau (Jahrgang 1981) auf. Es ist die erste Schau, die so viele ihrer Bilder – in der Regel mit Öl gemalt – beinhaltet. Die in Walsrode geborene Künstlerin stehe für eine altmeisterliche Malerei, viele Details und realistische Motive, erklärt Kunsthistorikern Dr. Wiebke Steinmetz vom Kulturhaus Müller.

Zu Letzteren gehören zum Beispiel die Darstellungen der tosenden See. Inmitten dieser zeigt sich auf dem Bild „Wogenreigen“ ein Strudel, der den Betrachter ein wenig rätselnd vor dem großformatigen Werk zurücklässt. „Man weiß nicht genau, was passiert ist“, sagt Kloppstech. Es könnte etwas versunken sein, ein Tier könnte abgetaucht oder das Meer durch den Wind aufgewirbelt sein.

Anders stellt sich die Lage beim Bild „Containerschiff“ dar, das mit 100 mal 120 Zentimetern zu den größten der Ausstellung gehört. Das Wasserfahrzeug ist in der Mitte zerbrochen, das Heck sinkt steil zum Meeresboden, während der Bug noch auf den Wellen schwimmt und die Container langsam verrutschen.

Eine gewisse Morbidität findet sich auf vielen der Motive von Kloppstech. Geschmolzenes Pastik und verbogenes oder verkohltes Metall sind Elemente, die immer wieder gegenwärtig sind – außer auf den reinen Naturbildern und ein paar Stillleben. Allerdings zeigt sie niemals Menschen. Wobei ihre Darstellungen von Unfällen, zum Beispiel ein Betonmischer, der umgekippt quer auf der Straße liegt, teilweise eine gewisse Friedlichkeit vermitteln. Sie zeigt in aller Regel eben nicht den schrecklichen Unfall, sondern den kurzen Moment der Stille nach dem Knall.

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