An sich denken, um an andere zu denken

Angehende Altenpflegerin Jessica Wilks schildert Eindrücke aus ihrer Ausbildung

Jessica Wilks macht beim Wichernstift in Ganderkesee und der Berufsfachschule in Delmenhorst eine Ausbildung in der Altenpflege.

Ganderkesee/Delmenhorst - Die Kraft, andere zu pflegen, hat man nur, wenn man auch sich selbst pflegt. Davon ist Jutta Lippok, die Leiterin der Berufsfachschule Altenpflege Delmenhorst, überzeugt. Wie sich dieses Credo in den Alltag umsetzen lässt und wie junge Auszubildende ticken, geht aus einer Pressemitteilung des Diakonischen Werks zu einem Seminar der Berufsfachschule hervor.

Getreu Lippoks Grundsatz ging es bei dem Kurs mit Schülern im ersten Ausbildungsjahr um das eigene Wohlfühlen sowie den Umgang mit Stress, Ängsten und Trauer. Unter anderem entspannten sich die Teilnehmer bei gegenseitigen Handmassagen. „Die lassen sich ja auch gut in den Pflegealltag integrieren“, so die Auszubildende Jessica Wilks, die beim Wichernstift in Ganderkesee arbeitet.

Neben der Selbstreflexion ging es auch sehr stark um Kommunikation und die Wahrnehmung der Situation der Bewohner. „Wir mussten nur zehn Minuten bewegungslos im Bett liegen, und das kam uns schon lange vor. Unsere Patienten liegen manchmal deutlich länger, deshalb ist die richtige Lagerung so entscheidend. Das hat mir noch mal verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich in die Situation der Bewohner hineinzuversetzen“, schildert die 20-Jährige ihre Eindrücke. „Maßgeblich ist es auch, die Gefühle widerzuspiegeln“, weiß die junge Auszubildende. Sie müsse die Trauer, Angst oder Wut der Senioren ernst nehmen, weil diese Gefühle sehr real seien.

Eigene Grenzen kennenlernen

Und das trotz des engen Zeitplans, den auch die Nachwuchskräfte während ihrer Praxiszeiten spüren. Der Personalmangel ist überall Thema. „Ich würde mir oft gerne noch mehr Zeit lassen. Aber das geht nicht immer“, meint Wilks. Und so lernen schon die Auszubildenden, abzuwägen, was möglich ist und was nicht. Lippok findet es toll, „dass unsere Schüler Strategien finden, Anspruch und Bedingungen zusammenzubringen“. Es sei wichtig, in der Ausbildung auch die eigenen Grenzen kennenzulernen und klar zu sagen: „Das schaffe ich, aber noch mehr schaffe ich nicht.“

Mit Enthusiasmus in die Pflege gehen

Entscheidend bleibe es, sich immer wieder in die Situation der Bewohner hineinzuversetzen. Der Einzug ins Pflegeheim, das Gefühl der Ohnmacht oder die schwindenden Fähigkeiten: „Für die Bewohner sind das existenzielle Erfahrungen, auf die die Pfleger immer wieder intensiv eingehen müssen.“

Die Auszubildenden würden mit Enthusiasmus in die Pflege gehen, aber ohne den Blick vor der Realität zu verschließen, meint die Leiterin der Berufsfachschule. Sie hofft, dass sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege auf Dauer verbessern, damit der Wunsch nach mehr Zeit auch erfüllt werden kann.

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