Serie Lebensmittelunternehmen

Scharfe Körner sind ihr Geschäft: Senfmanufaktur „Schlemmerei“

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Mit diesem „Mordsding“ püriert Antje Dobrin-Stein tagtäglich 15-Liter-Töpfe voll mit Obst und Gemüse. 

Bei ihrer ersten Kreation, einem Birnensenf, erntete Antje Dobrin-Stein noch kritische Worte von ihrem Mann: „Du hast aber einen perversen Geschmack.“ Inzwischen lebt das Ehepaar von den „schrägen Kreationen“ – vor sechs Jahren gründete es die Senfmanufaktur „Schlemmerei“ in Ganderkesee.

Ganderkesee – Der Pürierstab sieht aus wie eine Bohrmaschine. Für Antje Dobrin-Stein ist das „Mordsding“ die beste Alltagshilfe: „Damit kriegt man auch einen ganzen Topf voll Ananasstückchen klein.“ In der Küche in Ganderkesee steht die 54-Jährige täglich an 15-Liter-Töpfen, in denen sie Obst und Gemüse für Senf, Confits (Konfitüren) und Fruchtaufstriche kocht. Mit ihrem Mann Frank Dobrin betreibt sie dort seit 2013 die „Genussmanufaktur Schlemmerei“. Derzeit lassen die scharfen und süßen Dünste der Nase kaum eine Pause: Zur Weihnachtszeit häufen sich die Anfragen von Händlern und Kunden.

Ein Schulfest mit Folgen

Mit Gläsern kennt Antje Dobrin-Stein sich gut aus: Sie ist gelernte Glas- und Porzellanmalerin. Für den Inhalt begann sie sich zu interessieren, als ein Schulfest ihrer Kinder anstand. Die 54-Jährige kreierte einen Birnensenf, der bei ihrem Mann zwar auf Skepsis stieß, die Besucher aber begeisterte. „Das ging weg wie doof“, erinnert sich Dobrin-Stein. Eine Bestellliste machte die Runde. Es folgten ein Schul-Weihnachtsmarkt, weitere Feste, Marillen-, Aprikosen- und Stachelbeersenf. „Dann wurde das irgendwann zu groß“, erzählt die Bookholzbergerin. Die logische Konsequenz zog ihr Mann: Er schlug vor, daraus ein Geschäft zu machen. „Da hab’ ich erstmal einen Herzinfarkt bekommen.“ Das war im September 2012.

Ein Paar, ein Unternehmen

Der Arzneimittelhandel, den Frank Dobrin bis dahin gemeinsam mit seinem Vater betrieben hatte, sei nicht mehr zukunftsträchtig gewesen, sagt der 53-Jährige. Der Senf kam ihm also gelegen – und die Kreativität seiner Frau schien ihm vielversprechend. „Was wir wussten und was sich bewahrheitet hat: Wir ergänzen uns von unseren Stärken und Fähigkeiten her sehr gut.“ Ein Dreivierteljahr lang informierte sich das Paar und begann im Juni 2013 mit dem Umbau der Räume an der Grüppenbührener Straße 36. Dort eröffneten sie zwei Monate später die „Schlemmerei“.

Für’s Etikettieren ist Frank Dobrin zuständig.

Das Ehepaar erledigt alle Aufgaben vom Obsteinkauf über das Mischen der Gewürze bis hin zum Etikettieren und Versenden der Ware. Die Zutaten kommen vom Großhändler und einem Frischelieferanten, sind teilweise bio, überwiegend vegan.

Die Zuständigkeiten in der Manufaktur sind klar verteilt: „Wir müssen heute noch 800 Gläser abfüllen“, sagt Dobrin-Stein. Ihr Mann hält eine Liste hoch: „Die muss ich gleich abtelefonieren.“ Und danach wartet ein Wagen mit vollen Senfbehältern auf den 53-Jährigen – zum Etikettieren. „Das ist halt Fleißarbeit.“

Wie aus einer Banane Senf wird

„Mir fallen Rezepte einfach ein“, sagt Dobrin-Stein. Dann wird probegekocht. Und auf einmal stehen Dinge wie Aprikosen-Chili- oder Ananas-Curry-Confit auf der Produktionsliste. In vier Töpfen gleichzeitig köcheln Obst und Gemüse. Am großen Edelstahltisch mischt die 54-Jährige derweil die Gewürze, die sie später hinzugibt. So entstehen jeden Tag zwischen 7.30 und 12.45 Uhr bis zu 900 Gläser Senf, Confit oder Aufstrich.

Beliebt bei der „Schlemmerei“ sind Bananen – in der richtigen Kombination. Als Händler nach Fruchtaufstrichen fragten, erstellte Dobrin-Stein Listen mit Obstsorten und passenden Gewürzen. Die 54-Jährige lacht, als sie davon erzählt: Ihr laufe gleich wieder das Wasser im Mund zusammen. 

Auch spannend: In der „Ciuciu“-Manufaktur in Hatten gibt es bunte Bonbons

Sie testete damals eine Variante mit Bananen. „Schmeckt wie Babybrei“, kam von Dobrin zurück. Also probierte sie weiter – und machte aus fadem Püree mit Lavendel und weißer Schokolade ein Produkt, das nun im Feinkostregal steht. Erfolgreich ist auch der Bananen-Curry-Senf. „Unsere schräge Sorte“, nennt der 53-Jährige die gelbe Würzpaste, die gewöhnungsbedürftiger klingt als sie schmeckt. „Manche Leute kennen Senf nur auf Bratwurst.“

Gemüse und Obst kochen in 15-Liter-Töpfen.

Es riecht nach Weihnachtsstress

Vier Wochen vor Weihnachten weist das Lager der „Schlemmerei“ Lücken auf. Händler wollen auf einmal nicht nur zehn Senfgläser für die Feinkostecke, sondern 250 für Präsentkörbe. Die Küchendünste wabern deshalb mitunter auch am Wochenende. Unterstützung am Pürierstab bekommt Dobrin-Stein derzeit von Dola Khello. Die 38-Jährige ist seit zwei Monaten als Aushilfe dabei. Immer mal wieder sei eine weitere Kraft nötig, um den Aufwand zu bewältigen, sagen die Bookholzberger. Ab Februar sei es wieder ruhiger.

Die Manufaktur in Ganderkesee hat sich in den vergangenen Jahren etabliert und besetzt eine Nische zwischen sehr lokal fokussierten und in großem Stil produzierenden Unternehmen. „Inzwischen haben wir einen guten Stand“, sagt Dobrin. Exklusiv zu bleiben und trotzdem ausreichend zu verdienen sei nicht immer einfach – aber eines sei klar: „Wir würden keine Erdbeermarmelade machen.“

Wo gibt es den Senf?

Einen Werksverkauf bietet die Manufaktur freitags von 14 bis 18.30 Uhr und in der Woche vom 16. bis 20. Dezember von 9.30 bis 12.30 Uhr an. Onlineshop unter www.die-schlemmerei.de.

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