45 Neuankömmlinge in dieser Woche: Ganderkesee kommt bei der Unterbringung von Flüchtlingen nicht mehr hinterher

Erst Zwischenlösung, dann Notunterkunft

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Das „Haus Cristina“ in Rethorn könnte zu einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge werden.

Ganderkesee - Von Karsten Tenbrink. Die Flüchtlingssituation in der Gemeinde Ganderkesee spitzt sich zu. Not- und Sammelunterkünfte sollen eingerichtet werden, um den Zustrom in den kommenden Wochen überhaupt bewältigen zu können. Dass die dafür vorgesehenen Gebäude nicht unbedingt rechtzeitig bezugsfähig sind, ist das eine Problem. Daneben besteht ein ganz grundsätzliches.

„Die Unterbringung in einer Sammelunterkunft ist keine Lösung auf Dauer“, stellt Ganderkesees Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas in einem offenen Brief an ihre Mitbürger zum Thema Flüchtlinge klar. Die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge ist weiterhin das erklärte Ziel der Gemeinde. Doch es fehlt schon jetzt an geeignetem Wohnraum, und diese Situation wird sich angesichts der zu erwartenden Neuankömmlinge noch drastisch verschärfen.

Rund 130 Flüchtlinge habe die Gemeinde bisher gut unterbringen und betreuen können, sagt Gerken-Klaas. Allerdings sieht allein die Zuweisung, die aus dem vergangenen Dezember datiert, eine weit höhere Zahl vor. Wie berichtet, sollten deshalb ab August bis zu 15 Personen wöchentlich nach Ganderkesee verteilt werden – solange, „bis die aktuell noch zu erfüllende Quote von 110 Flüchtlingen erreicht ist“, hieß es in einer Pressemitteilung der Gemeinde Ende Juli. Für gerade einmal etwa 25 dieser Menschen gab es noch Wohnungen.

Doch selbst dieser Stand ist inzwischen nicht mehr aktuell: In den letzten Tagen habe sich die Lage „nochmals dramatisch zugespitzt“, erklärt die Bürgermeisterin. Das Innenministerium habe angekündigt, außerplanmäßig weitere 3000 Flüchtlinge auf die Kommunen in Niedersachsen zu verteilen. 54 von ihnen muss der Landkreis Oldenburg aufnehmen, allein 30 dieser Neuankömmlinge landen in der Gemeinde Ganderkesee. Sie werden noch in dieser Woche erwartet – zusätzlich zu den ohnehin geplanten 15.

Notunterkunft wird nicht rechtzeitig fertig

„Damit stehen wir vor der Aufgabe, innerhalb von wenigen Tagen die nötigen Vorbereitungen zu treffen“, sagt Gerken-Klaas. Allerdings: Selbst die wenigen zur Verfügung stehenden Wohnungen sind noch nicht alle bezugsfähig: Einige würden zurzeit noch umgebaut, berichtet die Bürgermeisterin. Und selbst die geplante Notunterkunft in einer alten Turnhalle am Habbrügger Weg in Ganderkesee ist noch nicht hergerichtet. Die Immobilie gehört dem Landkreis, etwa 40 Personen können dort untergebracht werden.

„Aktuell müssen dort noch einige Baumaßnahmen, insbesondere um brandschutzrechtliche Vorschriften zu erfüllen, ausgeführt werden“, berichtet Gerken-Klaas. Anschließend werde die Turnhalle eingerichtet. Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes haben dafür bereits ihre Unterstützung zugesagt.

Bis die Notunterkunft fertig ist, muss also eine Zwischenlösung her. Und diese besteht in der Unterbringung der Neuankömmlinge in Räumen des Jugendhofes Steinkimmen. Dort sollen die Flüchtlinge für knapp eine Woche wohnen, bis die Turnhalle am Habbrügger Weg umgestaltet ist. Der gemeinnützige Betreiber „Viasol“ hatte die Einrichtung schon zuvor als mögliche Sammelunterkunft selbst ins Gespräch gebracht. Die Kreisverwaltung erachtete sie zuletzt jedoch als ungeeignet, weil sich die Bewohner dort aufgrund der örtlichen Begebenheiten nicht selbstständig versorgen könnten. Die Verpflegung könnte die „Viasol“ zwar übernehmen, aber auf Dauer sei das zu kostspielig, erklärt der Sozialdezernent des Landkreises, Bodo Bode.

Weitere Möglichkeiten sind im Gespräch

„Für eine Woche ist das aber machbar“, sagt Bode mit Blick auf die aktuelle Situation. Und auch Ganderkesees Gemeindeoberhaupt ist dankbar, dass der Betreiber „sofort bereit war zu helfen und die erforderlichen Räume im Jugendhof Steinkimmen zur Verfügung gestellt hat“.

Als weitere mögliche Gemeinschaftsunterkunft ist nach wie vor das „Haus Cristina“ des Berufsförderungswerks in Rethorn im Gespräch (wir berichteten). Der Sozialausschuss soll dazu im September einen Beschluss fassen, bis das Gebäude jedoch bezugsfähig wäre, gehen weitere Monate ins Land. Daneben wird derzeit darüber nachgedacht, das Dachgeschoss der früheren Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) an der Urneburger Straße als Notunterkunft herzurichten. In Anbetracht der aktuellen Lage und vor dem Hintergrund, dass schon im September eine neue Zuweisung von Flüchtlingen bevorstehen könnte, steht insbesondere die Gemeinde Ganderkesee also vor einer enormen Herausforderung. Früher oder später dürfte sich deshalb auch die Frage stellen, ob eine Forderung aus der Ganderkeseer Politik überhaupt durchzuhalten ist. Die Fraktionsvorsitzenden der im Gemeinderat vertretenen Parteien hatten sich darauf verständigt, die Zahl der in Sammelunterkünften beherbergten Personen grundsätzlich auf 25 zu beschränken. Allein in Rethorn fänden nach Schätzungen des Sozialdezernenten Bode theoretisch jedoch etwa die doppelte Anzahl an Personen Platz.

An Hilfsbereitschaft mangelt es in der Gemeinde Ganderkesee nicht, hebt die Bürgermeisterin hervor. Sie spricht von einer großen Welle der Unterstützung, die sie „berührt und ermutigt“ hätte. „Viele Privatpersonen, aber auch Vereine und Organisationen boten Sachspenden oder ihre ehrenamtliche Unterstützung an“, erläutert Gerken-Klaas. Gleichzeitig appelliert sie nochmals eindringlich: „Wenn Sie über vermietbaren Wohnraum verfügen, melden Sie sich bitte so bald wie möglich.“

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