Buch über „Brauchtum im Oldenburger Land“

Ganderkeseer Autor Hermann Speckmann im Interview

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Hermann Speckmann hat ein Buch über das Brauchtum im Oldenburger Land geschrieben. 

Ganderkesee - Der Ganderkeseer Heimatforscher Hermann Speckmann hat das Buch „Brauchtum im Oldenburger Land“ veröffentlicht. Darin geht der 80 Jahre alte Autor auf die Sitten in vergangenen Zeiten ein. Es ist diesen Monat im Oldenburger Isensee-Verlag erschienen, hat 72 Seiten und kostet 9,90 Euro. Die Fragen für das Interview stellte Ove Bornholt.

Herr Speckmann, warum haben Sie ein Buch über das Brauchtum im Oldenburger Land geschrieben?

Speckmann: Es gab nichts Zusammenfassendes. Ich wollte, dass es einen Überblick gibt, also habe ich Material gesammelt. Das Buch hat aber keinen wissenschaftlichen Anspruch.

Sie sind schon seit einigen Jahren als Autor aktiv, warum habe sie dieses Thema gerade jetzt aufgegriffen?

Die Generation, die sich noch ans Getreide heranholen auf dem Hänger, an Roggen-Hocken und ans Dreschen erinnert, stirbt aus. Das Brauchtum hing stark an den Arbeitsbedingungen.

Inwiefern?

Man hat früher gemeinsam geerntet und gemeinsam gegessen, teilweise auf dem Feld. Heute fährt ein einzelner Traktor auf der Fläche herum.

Auch der Aberglaube beschäftigt Sie. Nennen Sie doch bitte ein paar Beispiele, die sich auch im Brauchtum wiederfinden.

„Oh Wode! Oh Wode! Haol dinen Parden Foder. Nu Distel und Doorn, ton annern Jaohr bäter Koorn“ – der germanische Gott Wodan wurde auf Plattdeutsch um eine gute Ernte gebeten. In einigen Gegenden ließen die Leute auch Getreidegarben auf dem Feld zurück. Als Futter für Wodans Schimmel.

Bezog sich der Aberglaube nur auf die Landwirtschaft?

Auch bei Geburt und Tod spielte er eine große Rolle. Die Menschen hatten Angst vor Widergängern und mussten bestimmte Rituale ausführen, damit einen die Toten in Ruhe lassen. Bei einem frisch geborenen Fohlen wurde hingegen die Nachgeburt an den Hofbaum gehängt, als Opfer an Wodan. Dann sollte das Tier Glück haben.

Auf den 72 Seiten finden sich viele Fotos, unter anderem von Hunden, die Milchkannen ziehen. Wo haben Sie das Material her?

Es handelt sich hauptsächlich um Bilder aus der Wildeshauser Geest. Ich habe bei Orts- und Heimatvereinen sowie Museen angefragt und oft war man sehr hilfsbereit.

Nach welchen Maßstäben haben Sie die Fotos ausgewählt?

Es ging mir darum, den Alltag der Menschen darzustellen. Es gibt ja auch Hefte wie die Zeitschrift „Kulturland Oldenburg“ der Oldenburgischen Landschaft, die nur die Hochkultur vorstellen. Das ärgert mich. Solche Publikationen gehen mit Arroganz über das alltägliche Leben der Menschen hinweg. Andererseits veröffentlichen Leute wie der Großenkneter Heimatforscher Dirk Faß und ich kulturhistorisch bedeutsame Informationen, die auch den Tourismus ankurbeln. Aber dafür gibt es keine Förderung.

Sie haben schon mehr als ein Dutzend Bücher geschrieben, einige davon im Selbstverlag. Auch dem Wilddieb Hasen-Ahlers haben Sie drei Werke gewidmet. Warum?

Als ehemals in der Psychiatrie Tätiger interessiere ich mich für Bekloppte (lacht). Als Nächstes soll ein 200-seitiges Buch über Ganderkesee im Zweiten Weltkrieg erscheinen.

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