Landwirte besetzen die Zufahrt zum Netto-Logistikzentrum in Ganderkesee

„Mit dem Handel ist keine faire Partnerschaft möglich“

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Rund vier Stunden lang besetzten Landwirte mit ihren Traktoren die Lieferzufahrt zum Netto-Logistikzentrum in Ganderkesee.

Ganderkesee - Von Sophie Filipiak. Nichts ging mehr am Donnerstagabend beim großen Logistikzentrum der Discounterkette Netto in Ganderkesee. Der Grund waren rund 95 Traktoren, die die Zufahrt zum Gelände komplett blockierten. Rund 250 Landwirte protestierten gegen die niedrigen Milchpreise und wollten auf ihre Existenzängste aufmerksam machen.

Jürgen Struthoff, Inhaber eines Milchbetriebs in Bergedorf, war mit dabei. „Wir haben uns über Whatsapp verabredet“, erzählte er am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. Wer genau die Idee zu diesem „Flashmob“ hatte, weiß er selber nicht so genau. „Wir wollten nicht die Verbraucher schädigen, sondern die Handelspolitik der Discounter an den Pranger stellen“, erklärte er, warum die Landwirte beispielsweise nicht den Parkplatz eines Supermarktes besetzten.

Das Ziel sei es gewesen, den Lieferverkehr zum Logistikzentrum wenigstens für ein paar Stunden zu unterbinden. Die Tore blieben auch verschlossen, von der Geschäftsführung sei niemand in den einsetzenden Regen getreten, um mit den Demonstranten zu sprechen.

Wie Maike Meisterling von der Polizei am Freitag mitteilte, verlief der Protest völlig friedlich: „Es gab keine Ausschreitungen, und die Landwirte haben sogar die Zufahrt für den Rettungswagen freigehalten.“ Die Demo habe die Zufahrt zu dem Lager von 19.30 bis 23.30 Uhr gesperrt.

„Es geht um unsere Existenz“, meinte Struthoff. Die laufenden Kosten würden gerade noch durch den Verkauf der Milch gedeckt, nicht aber Kredite, die die Landwirte für neue Investitionen aufgenommen hätten. „Uns fehlen zehn Cent pro Liter“, so der Bergedorfer. Auf das Jahr gerechnet müsste so ein Milchbetrieb mit 100 Kühen mit rund 80000 Euro weniger auskommen.

Zu den Vorwürfen äußerte sich Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Netto, folgendermaßen: „Die Milchprodukte unseres Eigenmarkensortiments bekommen wir direkt von ausgewählten Molkereien und Meiereien. Somit arbeiten wir für diese Warengruppe nicht direkt mit Landwirten zusammen und haben nur begrenzt Einfluss auf die Preisgestaltung.“ Außerdem seien die Preise gemäß Angebot und Nachfrage von den internationalen Märkten abhängig und so Schwankungen unterworfen. Obwohl die Zufahrt für Stunden gesperrt war, konnten gestern die Märkte „aufgrund unseres intensiven Einsatzes“ mit Lebensmitteln ausreichend versorgt werden.

„Mit dem Handel ist keine faire Partnerschaft möglich“, ist sich Struthoff sicher. Solche Aktionen wie in Ganderkesee werden sich sicherlich wiederholen.

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