Kostenloses Corona-Angeln

„Toniforelli“ bietet Menschen, die unter finanziellen Engpässen leiden, freien Eintritt

Ein Angler bei einem von „Toniforellis“ Angelteichen.
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An den Teichen von „Toniforellis Anglerparadies“ können Besucher ihr Glück versuchen. Auch die, bei denen es finanziell knapp wird.

Draußen an der frischen Luft sein, etwas mit der Familie unternehmen und die Probleme kurz vergessen. Seit der Pandemie gar nicht mehr so einfach. Und teilweise auch kostspielig. Seit etwa zehn Wochen gehört jedoch der „Teich 6“ von „Toniforellis Anglerparadies im Oldenburger-Land“ jeden Dienstag jenen Menschen, die finanziell besonders durch Corona getroffen wurden.

  • Der Angelteichbesitzer Torsten Hölscher möchte „etwas zurückgeben“.
  • So müssen Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten keinen Eintritt zahlen.
  • Jeden Dienstag gilt dieses Angebot, manchmal unterstützen Sponsoren.

Ganderkesee – Kostenlos Angeln gehen, wenn das Geld knapp ist. Das geht bei „Toniforelli“. Der Mann dahinter, Torsten Hölscher, der mit einem weiteren Angestellten die Angelteiche in Falkenburg in der Gemeinde Ganderkesee betreibt, war kaufmännischer Angestellter im Bereich der Wasseraufbereitung. Mittlerweile arbeitet er seit 15 Jahren gewerblich an Angelteichen, seit fünfeinhalb Jahren ist er in der Gemeinde Ganderkesee zu finden.

Hat selbst mit der Pandemie zu kämpfen

Der gebürtige Münsteraner hat selbst finanziell mit der Pandemie zu kämpfen gehabt. Denn obwohl das Angeln prinzipiell draußen praktiziert wird und das Areal groß genug ist, um genügend Abstand zu gewährleisten, sei auch sein Unternehmen nicht von Corona verschont geblieben. Im ersten Lockdown habe er sieben Wochen am Stück schließen müssen. „Das hat uns doppelt getroffen, denn als die Angler an den Teichen wegfielen, kamen die Kormorane und die Fischreiher. Die haben dann in der Zeit drei Teiche komplett leergefischt“, erzählt Hölscher. In der Zeit habe er zwei Wochen im Wohnmobil an den Teichen verbracht und versucht, sie zu verscheuchen. Auch Jäger kamen und wollten mithilfe von Vogelschreckmunition die Tiere zu vertreiben. Jedoch vergebens. Auch habe er finanzielle Einbußen, da er keine Gastronomie betreiben könne.

Dennoch sei „Toniforelli“ bisher relativ gut durch die Pandemie gekommen. Das läge auch daran, dass Angeln gerade einen regelrechten Boom erlebe, so Hölscher. Viel mehr Menschen würden sich für das Angeln interessieren, den Angelschein machen und in Vereinen aktiv sein. „Das sind halt Tätigkeiten, die man noch gut in der Pandemie machen kann.“ Deshalb hätten die Falkenburger Angelteiche mehr Besuch bekommen, auch von Menschen, die durch Corona finanzielle Probleme bekamen. „Ich habe mit Messebauern, mit Gastronomen und mit Schaustellern gesprochen, die durch Corona wirklich gebeutelt sind. Da kam mir die Idee, mit einer Aktion den Menschen etwas zurückzugeben.“

So konnten seit Anfang Januar jeden Dienstag von 7 bis 18 Uhr Menschen, die finanziell Probleme durch die Pandemie erlitten haben, kostenlos angeln gehen. Dabei sei Vertrauen zu den Anglern wichtig, denn die Problemsituation wird von dem 49-Jährigen nicht überprüft. „Einmal kam eine Kundin her, die hat mir dann einen Kontoauszug mitgebracht. So was will ich gar nicht sehen. Die Angler sollen mir nur kurz erzählen, wie die Pandemie sie getroffen hat.“

Dankbarkeit unter den Kunden

Tobias Schmedt und sein Sohn Leon sind Gäste, die dieses Angebot gerne annehmen. Beide finden die Aktion des Teichbesitzers „richtig cool“ und freuen sich, kostenlos angeln zu dürfen. „Ich könnte mir das anders gerade auch nicht leisten“, gesteht Schmedt. Er sei angehender Leiter eines Fitnessstudios gewesen, welches nun aber pandemiebedingt schließen müsse. Seine Frau arbeite zudem in der Gastronomie. „So fällt vieles weg, und ich finde wohl auch erst mal keinen Job mehr.“ Als kleine Überraschung hat Hölscher für die beiden Angler noch einen Gutschein für eine Übernachtung in einem Loft-Apartment eines Hotels in Papenburg parat – ebenfalls von einem Sponsor bereitgestellt.

Tobias Schmedt (l.) und Sohn Leon freuen sich über den Gutschein von Torsten Hölscher.

Nicht nur die beiden Angelfreunde freuen sich über die Aktion des 49-Jährigen. Die Resonanz der Kundschaft sei generell gut, das Angebot werde gerne angenommen. Viel käme auch von den Anglern zurück. „Ab und an kommen die Leute mit Schokolade vorbei und wollen sich bedanken. Einer wollte nicht umsonst angeln und hat die Hälfte des eigentlichen Preises gezahlt, und manche spenden Geld für den Fischbesatz. Das ist wirklich schön zu sehen, wie sich die Menschen freuen“, erzählt der Teichbesitzer.

Manchmal unterstützen Sponsoren

Auch einige Unternehmen sind auf das Corona-Angeln aufmerksam geworden und hätten Köderdosen und Zubehör gesponsort, die an den Teichen verteilt wurden. „Einmal ist ein Musiker von einer berühmten deutschen Band hier angeln gewesen“, so Hölscher. Dieser habe über Kontakte in die Musikszene auch hochwertige Angelruten organisiert, die dann an den Teichen verlost wurden. „Das war ein Riesending, alle haben sich gefreut.“ Angekündigt wurde die Aktion über Facebook.

Zehn Mal wurde der kostenlose Angeltag von „Toniforelli“ finanziert um die Angler zu unterstützen. Weitere fünf Tage sollen in den kommenden Wochen folgen, die mithilfe von Sponsoren getragen werden. „Wenn sich jedoch weitere Unterstützer finden, die Teile der Kosten übernehmen, führen wir die Aktion liebend gern fort“, so Hölscher.

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