Koltermann präsentiert ungewohnte Sichtweisen

Neue Ausstellung mit 33 Bildern im Ganderkeseer Kulturhaus Müller

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Kuratorin Wiebke Steinmetz und Jörg Koltermann besprechen einige der Bilder.

Ganderkesee - Von Ove Bornholt. Eigentlich ging er keiner Arbeit nach, für die er sich schämen müsste. Doch Jörg Koltermann, der ab Freitag, 7. April, um 19 Uhr 33 Gemälde im Kulturhaus Müller (Ring 24) in Ganderkesee ausstellt, ziert sich ein wenig.

„Ich würde meinen Beruf am liebsten unterschlagen“, sagt der weißhaarige Mann mit Zwirbelbart und Stirnglatze, der 1940 in Westpreußen geboren wurde und seit 2010 in Bremen lebt. Davor verdiente er sich seinen Lebensunterhalt lange Jahre als Grafikdesigner einer Werbeagentur in Frankfurt. Das sei in der Künstler-Szene etwas verpönt, meint Koltermann, der sich damit jedoch in guter Gesellschaft befindet, wie Kuratorin Wiebke Steinmetz vom Kulturhaus Müller betont. Sie verweist auf Andy Warhol und Roy Liechtenstein, die ebenfalls viel mit Werbung zu tun gehabt hätten.

Bilder, die den Betrachter herausfordern

Zugegeben, Koltermann spielt nicht in der Liga der beiden Kollegen. Verstecken muss er sich für seine Bilder, die den Betrachter schon mal herausfordern, aber nicht. Die Stücke zeigen allesamt Spiegelungen. Ob in Fensterscheiben, in Glasfronten großer Gebäude, im Autolack einer Motorhaube oder im Wasser – stets sind aus ihrer eigentlichen Ansicht gerissene Motive zu sehen. Es sind ungewohnte Sichtweisen auf bekannte Motive wie Landschaften und Gebäude. „Wo es sich verzerrt und nicht mehr ganz logisch ist, da reizt es mich“, sagt Koltermann, den Spiegelungen schon seit jeher fasziniert haben. „Ich suche sie nicht, ich stolpere permanent über sie.“ Menschen verirren sich allerdings nur selten auf die Werke.

Koltermanns großformatigen Ölbilder, die er anhand von Fotos anfertigt und die diesen oft täuschend ähneln, enthalten oft mehrere Ebenen. „Der Inhalt erschließt sich nach dem zweiten, dritten, manchmal auch erst dem vierten Blick“, sagt Kuratorin Steinmetz treffend.

Künstler führt am 23. April durch seine Ausstellung

Hinter den Stücken steckt in der Regel mehrwöchige Arbeit. Der Realismus sei eine sehr aufwendige Technik, erklärt Koltermann, der sich im Jahr 2000 mit zwei anderen ebenfalls realistisch arbeitenden Künstlern zur Gruppe „Eiserner Steg“ zusammengeschlossen hat. „Wir sind nicht revolutionär oder avantgardistisch, sondern haben eher ein bodenständiges Verständnis von Kunst“, so Koltermann, der Mitglied in der Oldenburger Gruppe des Bundesverbands Bildender Künstler ist.

Eines der Werke erlaubt es, Koltermann gewissermaßen bei der Arbeit über die Schulter zu blicken. Es zeigt ein Auto, in dessen Seitenscheiben sich ein Gebäude spiegelt. Der Rest des Fahrzeugs ist nur angedeutet. Ein Netz aus kleinen Quadraten überzieht das Bild. Nach und nach hat Koltermann jedes von ihnen ausgemalt. So seien auch die alten Meister vorgegangen, versichert er.

Die Bilder sind bis zum 11. Juni zu sehen. Eine Führung mit dem Künstler, der übrigens 2012 in der Galerie „Tusculanum“ in Dötlingen ausgestellt hat, ist für Sonntag, 23. April, um 15 Uhr geplant. Anmeldungen sind unter Telefon 04222/44444 möglich.

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