Hospiz Falkenburg feiert fünfjähriges Bestehen

„Natürlich wird hier gestorben, aber auch gelebt“

Falkenburg - Seit fünf Jahren gibt es nun das Laurentius-Hospiz in Falkenburg (Gemeinde Ganderkesee). Deswegen ist für Sonnabend, 5. August, von 14.30 bis 18 Uhr ein Sommerfest mit Führungen geplant.

Es gibt ein Bühnenprogramm mit Tanzvorführungen und Musik sowie ein Angebot für Kinder. Im Interview blickt Geschäftsführerin Irene Müller auf die Anfänge zurück und berichtet, was bei der Betreuung von Sterbenden, im Hospiz spricht man von Gästen, wichtig ist. Die Fragen stellte Ove Bornholt.

Frau Müller, wie bewerten Sie die ersten fünf Jahre?

Irene Müller: Die Region steht hinter dem Hospiz. Man muss betonen, dass wir auf dem Dorf liegen und das Hospiz von der Bevölkerung mitgetragen wird.

Wie empfinden Sie die allgemeine Wahrnehmung? Gibt es Vorurteile gegen die Hospizarbeit?

Die Vorurteile werden weniger. Einige sagen aber immer noch: „Hier wird nur gestorben.“ Natürlich wird hier gestorben, aber auch gelebt, gelacht und geweint. Der Name der Trägergesellschaft lautet mission:lebenshaus gGmbH und ist bewusst so gewählt worden.

Was ist bei der Betreuung Ihrer Gäste wichtig?

Wichtig ist, dass dies ein Ort ist, an dem es familiär zugeht und an dem auch die Angehörigen gut aufgehoben und begleitet werden. Es geht darum, den letzten Weg gemeinsam zu gehen. Wir alle wünschen uns dann Menschen an unserer Seite, die uns nahe stehen – ob es Freunde, Verwandte oder Nachbarn sind.

Setzen Sie auch auf ehrenamtliche Arbeit?

Das ist ein großer Pfeiler für uns, ob in der Gartenarbeit oder bei der Betreuung von Gästen sowie der Begleitung von Angehörigen. Wir haben zwölf aktive Ehrenamtliche und 28 angestellte Mitarbeitende in der pflegerischen und medizinischen Versorgung und Begleitung.

Das klingt nach ziemlich viel für die acht Plätze, die Sie anbieten.

Irene Müller.

Wir haben auch nachts zwei Kräfte im Einsatz. Wenn Gäste dann ihren letzten Weg antreten, ist es wichtig, dass die Pflegefachkräfte zu zweit sind. Im Schnitt bleiben unsere Gäste 22 Tage bei uns. Zudem haben viele von ihnen ein komplexes Symptomgeschehen, wie Schmerzen, Übelkeit und Luftnot. Dies möchten wir gemeinsam mit unseren Palliativmedizinern reduzieren, sodass der Gast wieder mehr Lebensqualität spürt.

Gibt es eine Warteliste?

Ja, eine Anfrageliste. Dabei ist es eine Herausforderung, zu schauen, wer als nächstes aufgenommen wird. Wir orientieren uns hier an der aktuellen Situation des Menschen und nutzen unser Netzwerk, das aus ambulanten Palliativstützpunkten und Hospizkreisen sowie Palliativstationen besteht.

Wie viele Menschen sind in den fünf Jahren im Hospiz Falkenburg verstorben?

Rund 600. Im Durchschnitt sind unsere Gäste 60 bis 65 Jahre alt. Es sind also nicht nur ältere, sondern auch jüngere Menschen dabei, auch Familienväter und -mütter. Die Betreuung ist dann eine ganz besondere Aufgabe wegen der Kinder. Ich bin froh, dass wir unser multiprofessionelles Team haben, zu dem auch eine Sozialpädagogin gehört.

Was sind Projekte für die Zukunft?

Aufgrund vieler Nachfragen planen wir derzeit ein Trauercafé, in dem Angehörige und Freunde alle zwei Monate zusammenkommen und sich austauschen können. Dies soll von unserer Sozialpädagogin und Ehrenamtlichen begleitet werden.

Wie finanzieren Sie sich? Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für den Aufenthalt?

Die Krankenkassen kommen für 95 Prozent der medizinisch-pflegerischen Versorgung auf. Die weiteren fünf Prozent müssen wir gemeinsam mit dem Förderverein aus Spenden aufbringen. Allerdings bieten wir auch unter anderem Akupressur und Aromapflege an, sodass wir eher 15 bis 20 Prozent der Aufenthaltskosten durch Spenden finanzieren.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild 

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