Ermordet, weil er ein Pazifist war

Gedenktafel erinnert seit wenigen Tagen in Rethorn an Nazi-Opfer Adolf Bultmeyer

Hauke Gruhn (v.l.), Simone Schan, Paul Wilhelm Glöckner und Bürgermeister Ralf Wessel an der Gedenktafel
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Seit wenigen Tagen erinnert eine Gedenktafel an Adolf Bultmeyer. Hauke Gruhn (v.l.), Simone Schan, Paul Wilhelm Glöckner und Bürgermeister Ralf Wessel bei der offiziellen Vorstellung. 

Seine Weigerung, in den Krieg zu ziehen, kostete Adolf Bultmeyer das Leben. Die Nazis richteten ihn deshalb hin. Jetzt erinnert eine Gedenktafel in der Gemeinde Ganderkesee an den Rethorner.

Rethorn – Er war eines der ersten Opfer des Zweiten Weltkrieges in der Gemeinde Ganderkesee. Der Rethorner Adolf Bultmeyer wurde im September 1939 von der NS-Justiz zum Tode verurteilt und einen Monat später hingerichtet, weil er den Kriegsdienst verweigerte. Da war er gerade 37 Jahre alt. Seit wenigen Tagen erinnert eine Gedenktafel am Birkenweg in Rethorn an sein Schicksal.

„Adolf Bultmeyer ist ein wahrhaft aufrechter Bürger gewesen. Weil er ein Pazifist war, wurde er getötet“, erklärte Ganderkesees Bürgermeister Ralf Wessel. Am Dienstagnachmittag stellte der Verwaltungschef die Tafel zur Erinnerung gemeinsam mit Gemeindesprecher Hauke Gruhn, Familienchronistin Simone Schan, Regionalhistoriker Paul Wilhelm Glöckner sowie Vertretern des Rethorner Ortsvereins der Öffentlichkeit vor. „Sehr beeindruckend und bewegend“ seien die Briefe gewesen, die Bultmeyer an seine Frau Anna aus der Haft geschrieben habe, berichtete Wessel.

„Er war mit sich im Reinen und hegte niemandem gegenüber einen Groll.“ Das Unrecht seiner Hinrichtung sei nie wieder gutzumachen. „Die Erinnerung an seinen Leidensweg dient uns und künftigen Generationen jedoch als Mahnung vor Totalitarismus und Justizwillkür“, betonte der Bürgermeister. Der Standort der Gedenktafel am Birkenweg sei gut gewählt, weil Bultmeyer mit seiner Frau Anna dort wohnte, erklärte Wessel. Die Witwe lebte in dem Haus noch bis zu ihrem Tod vor 30 Jahren.

Hinterbliebene haben Rechnung für Haft und Hinrichtung bekommen

Bultmeyer sei der erste „Zeuge Jehovas“ gewesen, der kriegsgerichtlich in Deutschland hingerichtet worden sei, sagte Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Wahrscheinlich sei er im Gefängnis Berlin-Plötzensee durch ein Fallbeil umgebracht worden. „Besonders perfide war, dass die Hinterbliebenen noch eine Rechnung für die Haft und Hinrichtung bekommen haben“, führte Gruhn aus. Die Grabstätte von Bultmeyer sei nicht bekannt, wahrscheinlich gebe es keine.

Geboren wurde der Rethorner 1902 in Hude. 1932 trat er der Glaubensgemeinschaft „Zeugen Jehovas“ bei. Aufgrund seiner religiösen Überzeugung lehnte er den Kriegsdienst ab. Schon zuvor hatte Bultmeyer die Verfolgung durch das Nazi-Regime zu spüren bekommen. Vermutlich aufgrund der Zugehörigkeit zu den von den Nazis verfolgten „Zeugen Jehovas“ verbrachte er mehrere Wochen in Haft.

Podcast informiert über Nazi-Opfer

Die Gedenktafel an den Rethorner besteht aus Edelstahl. Sie ruht auf einem Sockel aus Cortenstahl – sogenanntem Edelrost. Sie informiert mit einem Porträt und kurzem Text über den ermordeten Pazifisten. Wer mehr über Bultmeyer und dessen Schicksal wissen möchte, kann mit seinem Smartphone einen QR-Code auf der Tafel einlesen. Ein dreiminütiger Podcast, unter anderem mit Auszügen aus den Briefen des Nazi-Opfers an seine Frau, ist dann zu hören.

Aufmerksam geworden auf das Schicksal des Rethorners war die Familienforscherin Simone Schan bei Recherchen zur Chronik über Vermisste und Gefallene aus Rethorn. „Dabei tauchte der Name Bultmeyer auf. Der Mann von Anna aus unserer Straße“, erinnert sich Schan. Die 51-Jährige hatte die Witwe noch persönlich kennengelernt.

„Am meisten hat mich bewegt, dass bislang nirgendwo an sein Schicksal erinnert wurde.“ Sie nahm daraufhin Kontakt zu dem Regionalhistoriker Paul Wilhelm Glöckner auf. Gemeinsam sammelten beide weitere Information über das Leben und Schicksal des Ermordeten.

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