Vater möchte Rolli-Mannschaft gründen

Fynn-Morris will doch nur in die Halle und Handball spielen

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Eine Familie, die für Handball lebt: Andreas „Andy“ Giebert mit seinen Söhnen Ben-Louis (neun, Mitte) und Fynn-Morris (zehn), der im Rollstuhl sitzt.

Landkreis - Schulschluss. Nach Hause fahren. Mittagessen. Hausaufgaben. Hobby. So ist der Alltag vieler Kinder aufgebaut. Für Fynn-Morris geht es nach dem „Pflichtteil“ des Tages in die Sporthalle der HSG Gruppenbühren-Bookholzberg zum Handballtraining – zumindest war das bislang so.

Der Zehnjährige sitzt im Rollstuhl und darf ab der kommenden Saison nicht mehr am regulären Spielbetrieb teilnehmen. Wie es für den Jungen aus Ganderkesee weitergeht, ist ungewiss. Um seinem Sohn weiterhin zu ermöglichen, dessen Leidenschaft nachzugehen, will Vater Andreas „Andy“ Giebert eine Rolli-Handballmannschaft gründen. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet der Alleinerziehende von seinem Plan. Die Fragen stellte Lea Oetjen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine eigene Rolli-Mannschaft zu gründen?

Andy Giebert: Ich spiele seit mehr als 37 Jahren Handball. Mein ältester Sohn, Fynn-Morris, war bislang in der E-Jugend aktiv. Von nun an ist es leider nicht mehr möglich, mit einem Handicap in einer „normalen“ Mannschaft zu spielen. Deshalb bin ich auf die Idee gekommen, eine Rolli-Handballmannschaft zu gründen. So etwas gibt es schon – vor allem in Nordrhein-Westfalen. Allerdings ist es deutschlandweit noch nicht so verbreitet. Aber das wäre meiner Meinung nach eine tolle Möglichkeit, damit Fynn-Morris seinen Sport weitermachen kann.

Wie sind Sie dann weiter vorgegangen?

Giebert: Ich habe meinen Plan kurzerhand auf Facebook gepostet. Es lag nicht viel Zeit zwischen der Idee und der Umsetzung. Ich wollte einfach mal einen Test starten, um zu gucken, was passiert. Die Resonanz war bislang äußerst positiv. Mein Post ist in den verschiedenen Gemeinde-Gruppen bereits hundertfach geteilt worden. Die Antworten und Unterstützungsangebote haben mir und meinen Kinder Mut gemacht. Es haben sich sogar schon zwei örtliche Unternehmen angeboten, die unsere Mannschaft sponsern würden.

Wer darf denn bei Ihrem Team dabei sein?

Giebert: Jeder. Schön wäre es natürlich, wenn viele Kinder mitmachen würden. Aber auch Erwachsene, die Lust aufs Handballspielen haben, können dabei sein. Warum auch nicht? Da bin ich offen. Es wäre einfach schön, wenn wir eine Mannschaft zusammenkriegen, mit der man regelmäßig trainieren kann.

Also ist es gar nicht das Ziel, ein wettkampffähiges Team zu kreieren?

Giebert: Der Spaß soll im Vordergrund stehen. Man könnte aber selbstverständlich mit der Zeit darüber nachdenken, für den Spielbetrieb zu melden. Das Problem ist nur, dass die Gegner über die anderen Bundesländer verteilt wären. Solche Fahrten müssten dann auch noch finanziert werden. Wie ich das im Internet verfolgt habe, ist dieser Rolli-Spielbetrieb momentan im Aufbau. Daher gibt es – soweit ich derzeit informiert bin – auch noch kein Regelwerk. Es gibt sechs Spieler auf dem Feld und einen im Tor, das verkleinert werden kann, aber nicht muss.

Gibt es denn sonst irgendwelche Ansprechpartner, die Ihnen bei Ihrem Plan helfen können?

Giebert: Ja. In Hannover gibt es einen Verein (Anmerkung der Redaktion: Die Rollstuhl-Sportgemeinschaft), der schon seit 2015 Rolli-Handball für Interessierte anbietet. Ich habe einer Zuständigen schon eine E-Mail geschrieben, um mich mit ihr auszutauschen. Der Kontakt steht also. Sie hat mir sogar schon geantwortet und mich über den aktuellen Stand des Rolli-Handballs informiert.

Apropos Verein. Haben Sie denn auch schon den Kontakt zu Vereinen im Landkreis Oldenburg gesucht?

Giebert: Natürlich. Aber bislang habe ich noch keine Rückmeldungen erhalten. Die Neugründung eines Vereines wäre für mich auch eine denkbare Alternative. Wenn es Vereine gibt, die mich in meinem Vorhaben unterstützen wollen, können die sich jederzeit bei mir melden. Es ist für mich bislang nicht mehr als ein Projekt.

Dürfen denn nur Kinder und Handball-Verrückte mit körperlichen Beeinträchtigungen mitspielen? Oder darf man auch mit einem geistigen Handicap auf Sie zu kommen?

Giebert: Wie gesagt, es geht für mich um den Spaß. Man sollte unbedingt alles mal probieren. Ich bin da echt offen für alles. Einfach eine E-Mail an projekt.rollstuhl.handball@web.de schreiben und schon ist man dabei. Ich kann mir auch Kooperationen vorstellen – mit Förderschulen oder allgemein mit Institutionen, die sich um Menschen mit Handicap kümmern. Wichtig ist nur, dass wir Spaß haben.

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