Feuerwehrleute lassen sich zu Atemschutzgeräteträgern ausbilden

Hartes Training in der „Ein-Mann-Sauna“

+
Mit einer Flasche auf dem Rücken quetschen sich die Feuerwehrleute durch enge Öffnungen im Übungskäfig.

Ganderkesee - Von Ove Bornholt. Die Stimmung unter den Teilnehmern des Lehrgangs für Atemschutzgeräteträger ist entspannt. Gerade haben die 15 Feuerwehrleute (14 Männer und eine Frau) mit Atemmasken ihre ersten Übungen in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Ganderkesee absolviert. Jetzt gibt es Frühstück. Gierig greifen sie nach den Wurstbrötchen, schlürfen Kaffee, machen Witze. Da wissen sie auch noch nicht, was ihnen vor dem Mittagessen bevorsteht.

Unter den Feuerwehrleuten sitzt der 18-jährige Niklas Wintermann aus Wardenburg. Er war zur Jugendfeuerwehr gegangen, um die Wehrpflicht zu umgehen. „Ich habe gemerkt, dass mir die Kameradschaft Spaß macht“, sagt er. Also blieb er dabei. Und jetzt, mit 18 Jahren, darf er am Lehrgang für Atemschutzgeräteträger teilnehmen.

„Wir bringen die Leute an ihre Grenzen“, kündigt Lehrgangsleiter Rainer Hesselmann an. Nach dem Frühstück steht allerdings erstmal Theorie an. Die Ausbilder Sarah Freese und Jan-Dirk Bleß erklären, wie ein Atemschutz-Set zusammengesetzt und dessen Funktion geprüft wird. Wintermann sitzt in seiner Feuerwehrkluft mit den anderen im Schulungsraum und kämpft mit der Müdigkeit. Einem zaghaften folgt ein herzhaftes Gähnen. Der Unterricht begann um 8Uhr. Und das am Sonnabend. Viele Teenager sind erst ins Bett gegangen, als Wintermann sich auf den Weg nach Ganderkesee machte.

Der 18-Jährige ist hier, weil er nicht mehr „nur Verkehrssicherung machen“ will. Bei vielen Einsätzen vom Auto- bis zum Hausbrand kommen inzwischen Atemschutzgeräte zum Einsatz. „Der Eigenschutz ist wichtiger geworden“, erklärt Ausbilder Hesselmann den höheren Bedarf. „Die Gefährdung wurde früher nicht so oft erkannt, aber heutzutage ist vieles aus Kunststoff. Und wenn das verbrennt, treten hochgiftige Stoffe aus.“

Hesselmann und sein Team hatten für Sonnabend vier Arten von Übungen für die Teilnehmer vorbereitet, die diese in Gruppen mit drei bis vier Mitgliedern absolvieren sollten: eine Runde durch einen Käfig – enge Gänge, verschiebbare Türen und eine Röhre zwischen Gittern aus schwarzem Metall –, unter anderem eine Endlosleiter und ein Ergometer im Fitnessraum, Training mit Medizinbällen und Laufen draußen auf dem Hof sowie unter dem Feuerwehrauto durchkriechen und durchs Führerhaus klettern.

Wintermann hat nach dem Theorieteil seine Ausrüstung angelegt. Mit der 20 Kilogramm schweren Flasche auf dem Rücken macht er sich nun an die Übungen. Der 18-Jährige kriecht durch den Käfig. Zu Anfang ist er noch schwungvoll unterwegs, aber die Anstrengung fordert ihren Tribut. Mit der sperrigen Flasche quetscht er sich durch die enge Röhre, ein Kamerad schiebt von hinten nach. Platzangst darf man hier nicht haben. Zum Schluss muss er sich noch durch eine etwa 40 Zentimeter hohe Öffnung drücken. Mit der Flasche geht das nur liegend, was noch mehr Kraft erfordert. Draußen angekommen, raten ihm die Ausbilder, tief und langsam zu atmen und sich zu beruhigen. Er hat den Käfig geschafft.

Feuerwehr-Lehrgang in Ganderkesee

Für den jungen Mann in seiner Gruppe, der direkt hinter ihm war, verläuft die Übung weniger gut. Erst verhakt sich das Ventil seiner Flasche im Gitter und als er es schließlich nach draußen geschafft hat, liegt er mental und körperlich völlig erschöpft auf dem Boden. Ausbilder Hesselmann nimmt ihn aus der Übung. „Er ist komplett nassgeschwitzt. Der Einsatzanzug ist eine Eine-Mann-Sauna.“ Er werde später mit dem Teilnehmer reden. „Er ist nicht raus. Was zählt, ist die Prüfung.“ Am 5. März werden die Teilnehmer erst in Theorie geprüft und müssen dann zeigen, was sie gelernt haben. Darauf sollen die Übungen sie vorbereiten.

Wintermann quält sich inzwischen unter dem Feuerwehrauto durch. Wieder durch eine Röhre und durchs Führerhaus. Und noch einen Durchgang, dann hat er alles geschafft. Schwer atmend steht er neben dem Wagen.

Zurück im Schulungsraum legt er die Ausrüstung ab. Sein Gesicht ist vor Anstrengung rot, er trinkt einen Schluck Wasser. „Mit der Flasche war ich fast einen halben Meter breiter und musste umdenken“, meint er. Durch die Maske sei die Sicht nach unten eingeschränkt gewesen. „Da bekommt man schneller Panik.“

Die Kameraden des 18-Jährigen haben genauso rote Gesichter und dicke Schweißperlen im Gesicht. Die Haare kleben am Kopf. Es liegen noch ein paar harte Übungen vor den Ehrenamtlichen, die sie alle näher ans Feuer bringen sollen. Dort, wo die Brandschützer hin wollen.

Mehr zum Thema:

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

Unglücksfähre "Sewol" vor Südkorea auf Lastschiff verladen

Nach Anschlag in London: Polizei lässt Festgenommene frei

Nach Anschlag in London: Polizei lässt Festgenommene frei

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

"Schwung und Kraft": Vettel jagt Hamilton in Australien

Neue Bewegung in Aufarbeitung der Germanwings-Katastrophe

Neue Bewegung in Aufarbeitung der Germanwings-Katastrophe

Meistgelesene Artikel

Frontal-Crash: 56-Jähriger lebensgefährlich verletzt

Frontal-Crash: 56-Jähriger lebensgefährlich verletzt

Entenschlachterei am Westring fällt im Ausschuss durch

Entenschlachterei am Westring fällt im Ausschuss durch

Vater wird aus Sorge um kranke Tochter zum Betrüger

Vater wird aus Sorge um kranke Tochter zum Betrüger

Eisenbahntragödie forderte 1957 vier Menschenleben

Eisenbahntragödie forderte 1957 vier Menschenleben

Kommentare