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Sprit zu teuer: täglich 40 Kilometer mit dem Rad zur Arbeit

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Von: Gero Franitza

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Ein junger Mann mit einem Fahrrad.
Radelt, spart und ist zufrieden dabei: Der 21-jährige Filmemacher Oliver Bott. © Franitza

Ganderkesee/Oyten – Die steigenden Spritpreise dürften nahezu alle Autofahrer irritieren, ihnen Sorgen machen – manche vielleicht auch verzweifeln lassen. Sie waren auch der Grund, warum der 21-jährige selbstständige Videoproduzent Oliver Bott jetzt für den Weg zur Arbeit vom Auto aufs Fahrrad umgestiegen ist. Seit einer Woche legt er nun täglich 80 Kilometer zurück.

Der Jungunternehmer unterhält für seine Firma „Kurbelfilm“ seit einem halben Jahr ein Büro in Ganderkesee, stammt aber aus Oyten (Landkreis Verden). Vor zwei, drei Wochen seien die Benzinpreise schon ungewöhnlich stark gestiegen, schildert Bott, „nicht nur ein paar Cent“. Doch nach dem neuerlichen Preisanstieg in den vergangenen Tagen zahle er nahezu das Doppelte für den Liter als noch vor einiger Zeit. Als die Preise dann bei 2,20 Euro waren, habe er für sich „einen Schlussstrich“ gezogen: Es sei letztlich die Wahl gewesen, seinen Traum einer eigenen Filmfirma vielleicht sogar aufzugeben zu müssen oder eine kreative Lösung zu finden. Zwar schränke er sich auch privat ein – doch an der Qualität seiner Filme, den Leistungen für seine Kunden, für die er unter anderem mit anderen Selbstständigen zusammenarbeitet, wolle er keine Abstriche machen, sagt er. Der 21-Jährige hat sich mit seiner Firma auf Werbe- und Imagefilme für Unternehmen spezialisiert und dreht Dokumentarfilme. Seine Kunden findet er in der Region zwischen Oldenburg und Bremen.

Aber warum gleich aufs Fahrrad? Wären denn öffentliche Verkehrsmittel nicht eine einfachere Lösung gewesen? Bott winkt ab: Das sei prinzipiell zwar „eine tolle Geschichte“. Doch wohne er im ländlichen Raum, und da sehe es eben ganz anders aus: Es dauere tatsächlich länger, mit der Bahn von Oyten über Bremen weiter nach Delmenhorst und dann bis Ganderkesee zu kommen, als direkt mit dem Fahrrad. Auf dem Drahtesel brauche er zwischen einer Stunde und 50 Minuten bis zu zwei Stunden für die Strecke. Mit der Bahn lege er die Distanz zwischen zwei und zweieinhalb Stunden zurück. Und das auch nur, wenn es keine Ausfälle bei der Bahn gebe. Zudem seien die Anschlusszüge eng getaktet. Und da könnten dann schon kleine Verspätungen einen größeren Zeitverlust nach sich ziehen, gibt er zu bedenken. Und dabei sei die Bahn noch nicht einmal günstiger als die Autofahrt: „Schon verrückt.“ Die Folge: „Von der Auswahl war das gleich raus“, resümiert er. Blieb als dritte Option das Fahrrad.

Umständlicher, aber glücklicher

Rein zufällig habe er natürlich nicht auf das Rad gesetzt, so Bott weiter. Denn er nutze den Drahtesel gerne auch im Urlaub. So sei er schon einmal rund um Dänemark geradelt, habe mehrere Radtrips durch Deutschland absolviert – zwischen 400 und 500 Kilometern in wenigen Tagen. Als er noch in Bremen wohnte, habe er für kurze Strecken nie etwas anderes genutzt. Insofern sei für ihn der Umstieg sicher „leichter als für andere“ gewesen.

Natürlich habe die tägliche Radtour auch ihre umständlichen Aspekte, räumt er ein. „Aber wenn ich auf der A1 im Stau stehe, ärgere ich mich auch“, vergleicht er. Jetzt sehe er täglich viel von seiner Umwelt, betätige sich körperlich und habe die Fahrtkosten auf praktisch null reduziert. „Unterm Strich bin ich glücklicher“, sagt der 21-Jährige. Das könne er schon nach einer Woche festhalten. Und so ließe sich der Situation vielleicht eine positive Seite abgewinnen: „Besondere Situationen brauchen kreative Lösungen“, sagt Bott überzeugt – und müssten nicht immer kompliziert sein. Dass Fahrradfahren umweltfreundlicher ist, sei noch nicht einmal der Hauptgedanke gewesen.

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