Letzte Ausstellung von Gerhard Juchem / Schau beginnt am Freitag

Das Ende einer langen Schaffensperiode

Gerhard Juchem vor dem Bild, das er am Sonntag noch geändert hat. - Foto: bor

Ganderkesee - Von Ove Bornholt. Den finalen Pinselstrich setzte der Maler Gerhard Juchem (Jahrgang 1927) am Sonntag. Die Bilder seiner vermutlich letzten Ausstellung sind ab Freitag, 22. April, im Kulturhaus Müller am Ring 24 in Ganderkesee zu sehen, und es lohnt sich.

Knapp 40 Werke des gebürtigen Rheinländers vom Akt über Plakate bis hin zu religiösen Motiven zieren die Wände. Bei vielen Stücken saß Juchem der Schalk im Nacken. Zum Beispiel bei der Zeichnung eines Obdachlosen. „Ich hatte kein Papier mehr, also habe ich die Frankfurter Allgemeine Zeitung genommen“, erklärt der Künstler. Und tatsächlich erscheint zwischen Schlagzeilen und Texten die Silhouette eines Mannes mit einer Flasche. „Pennerglück“, wie Juchem nachschiebt.

Andere Werke haben durchaus einen ernsten Charakter. Die Zeichnung der schweren Militärstiefel des Künstlers beispielsweise. Er sei mit 17 Jahren zur Wehrmacht gekommen und später in Gefangenschaft gewesen, erzählt er. Detailliert deutet die Zeichnung sogar die Adern im Leder an.

Er müsse „loslassen“, erklärt Juchem den Abschied von seiner Schaffenszeit. Die Ausstellung trägt dann auch den gleichen Titel. Die Kupferdruckpresse hat der Maler bereits verkauft. Einen „Rücktritt vom Rücktritt“ schließt er aus. „Anlässe gibt es zwar genug, aber jetzt muss ich sichten, sortieren und aufräumen.“ Alles werde er dabei allerdings nicht wegschmeißen. Viel Handwerkszeug sei noch zu gebrauchen, sagt er mit kräftiger Stimme und leichtem rheinischen Akzent.

Ansonsten wirkt er rüstig. Sein leichtes Humpeln sei einer Hüft-Operation zuzuschreiben, meint er. Die war nötig, weil er sich beim Abtransport der Presse verrenkt hatte. „Ich hinke ein bisschen wie ein Matrose. Aber ohne Krücken“, nimmt Juchem die vorübergehende Einschränkung mit Humor.

Seinen letzten Pinselstrich setzte er übrigens nicht bei einem neuen Werk, damit ist er seit einigen Monaten durch. Nein, er verbesserte sein Bild „Verhöhnung des Friedens“, in dem er den Regenbogen, unter dem eine Friedenstaube abstürzt und ungebremst auf einige Raketen fällt, „durchschnitt“. Ein Künstler ist eben nie fertig.

Wer sich nicht nur für die Bilder, sondern auch für die Geschichten dahinter interessiert, kommt am Sonntag, 24. April, um 15 Uhr auf seine Kosten. Dann führt der Künstler durch die „vielleicht letzte“ Schau, sagt Kuratorin Wiebke Steinmetz mit einem hoffnungsvollen Lächeln.

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