Projekt hilft Langzeitarbeitslosen in Ganderkesee

Eine kreative Werkstatt am Ortsrand

Ein buntes, kleines Brettspiel.
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„Hausgemacht“: ein Entdeckerspiel für das Ammerland.

Ganderkesee – Die vielen Projekte, von denen Edgar Ruhm, Jana Grüning und May Britt Peters berichten, klingen durchweg interessant und sympathisch. Sie arbeiten zusammen mit dem pädagogischen Leiter Jens Munderloh als Anleiter im Werkstattprojekt der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) in Ganderkesee. Zusammen mit einer Gruppe von Langzeitarbeitslosen stellen sie dabei so einiges auf die Beine.

Und das kann sich sehen lassen: So entstehen in der Werkstatt am Ortsrand von Ganderkesee etwa Teile einer großen Kulisse für das Freilichttheater des Bürgervereins Bergedorf. Ralf Wessel, CDU-Kandidat für das Bürgermeisteramt in der Gantergemeinde, zeigt sich am Mittwoch bei einem Besuch von den teils meterhohen „Mauerteilen“ beeindruckt – nicht nur von der Größe der Gegenstände aus Holz und bemaltem Styropor, sondern auch von deren Qualität. Erschaffen haben dies die Teilnehmer zusammen mit ihren Anleitern.

Vermittelt werden diese Langzeitarbeitslosen vom Jobcenter, berichtet Werkstattleiter Ruhm. Zunächst probieren sie sich für sechs Monate aus, dann können sie bis auf zwei Jahre verlängern. Die Klientel sei sehr unterschiedlich, erläutert die gelernte Modedesignerin Grüning: „Manche haben vorher noch nie fest gearbeitet“, berichtet sie. Andere seien nach einer Phase der Selbstständigkeit arbeitslos geworden, andere habe eine Krankheit lange zurückgeworfen. „Es kommt immer irgendwie alles zusammen“, sagte sie empathisch. „Wir bekommen das alles nach und nach heraus“, bestätigt Ruhm. Das Werkstattprojekt, das 2016 in Ganderkesee gegründet worden ist, verstehe sich als Dienstleister für das Jobcenter. „Wir wollen den Teilnehmern Mittel an die Hand geben, um sie wieder im Arbeitsmarkt zu integrieren“, so Ruhm.

„Urgeschichtliches Zentrum“ im Blick

Doch zurück zu den Projekten. Peters, von Haus aus studierte Archäologin, ist für den Bereich „Kultur und Medien“ zuständig. In diesem sind unter anderem kleine Modelle des Klosters Hude entstanden. Darüber hinaus entstehen Nachbildungen von archäologischen Funden aus dem Landkreis für eine Ausstellung im Kreishaus in Wildeshausen. Auch eine Zusammenarbeit mit dem geplanten „Urgeschichtlichen Zentrum“ in der Kreisstadt sei geplant, berichtet die junge Frau, die auch in einem Werkstattprojekt der LEB in Wildeshausen tätig ist. So sei etwa eine historische Kleiderkammer für Kinder angedacht oder eine Beteiligung im Bereich der Museumspädagogik.

Doch damit ist die Liste der Projekte noch lange nicht erschöpft: So haben die Teilnehmer ein kleines Brettspiel entwickelt, in dem es um das Lernen geht: Produziert, inklusive der Spielsteine, haben sie eine Variante für die 750-Jahr-Feier Wardenburgs – mit Infos rund um den Ort. Wer sich das Spiel ansieht, kann es auf den ersten Blick nicht von einem kommerziellen Produkt unterscheiden. Das Spiel – eines von mehreren, die in Ganderkesee produziert wurden und werden – sei natürlich auch für andere Interessenten anpassbar, so Ruhm. Kleine Auftraggeber seien für große Spieleverlage nicht so interessant. Darüber hinaus dürfe die Werkstatt kommerziellen Anbietern keine Konkurrenz machen. Zu dem Kundenkreis zählten insbesondere Vereine, Museen, Kommunen und nicht zuletzt der Landkreis Oldenburg. „Wer uns kennt, ist ganz begeistert von uns“, sagt der Werkstattleiter bescheiden, aber nicht ohne Stolz. Weitere Projekte sind unter anderem eine Kleiderkammer für Kindersachen, die an sozial Bedürftige abgegeben wird, oder eine Fahrradwerkstatt: Dort werden gespendete Drahtesel aufgearbeitet. Gegen einen geringen Obolus können sie danach von Leuten erworben werden, die sich sonst keine Räder leisten könnten. Als eines der aktuellsten Projekte hat die Werkstatt im Auftrag des Wardenburger Bürgervereins hölzerne Stehordner für 166 Erstklässler gefertigt – in jedem ist der Name des Kindes eingebrannt.

Zu wenig Mitarbeiter

Viele kreative wie nützliche Projekte also, die die LEB mit ihren Mitarbeitern und den Projektteilnehmern umsetzt. Letztere seien beim Abarbeiten der Aufträge natürlich der entscheidende Faktor, so der Werkstattleiter: So müssten diese erst einmal in der Lage sein, die Aufträge umsetzen zu können. Und es bedürfe einer entsprechenden Anzahl. Doch habe sich diese während der Corona-Phase verringert, so Ruhm, weil etwa die Jobcenter weniger Personen haben vermitteln können. Das Projekt sei auf 37 Teilnehmer (25 in Ganderkesee und zwölf in Wildeshausen) ausgelegt. Damit wäre die Arbeit kostendeckend. Da gegenwärtig nur 15 in Ganderkesee und fünf in Wildeshausen tätig seien und die Werkstätten nicht gewinnorientiert arbeiten, schreibe die LEB aktuell rote Zahlen, berichteten die drei Mitarbeiter. Das Werkstattprojekt wird von der LEB jährlich neu bewertet.  fra

Am Insektenhotel des LEB-Projkets in Ganderkesee: May Britt Peters, Ralf Wessel (Bürgermeisterkandidat) , Edgar Ruhm, Arnke Schneider-Demitz (Kandidatin für den Gemeinderat) und Jana Grüning (v.l.)
Edgar Ruhm (r.) erklärt die Arbeit der Werkstatt.

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