Jakobusklause in Falkenburg: Diakoniekonvent stellt Unterkunft zur Verfügung

Eine Herberge für Heimatlose

Ingeborg Willemsen (l.) kümmert sich um die kleine Behausung. Ein Bewohner hat die Klause am Vortag verlassen (r.).
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Ingeborg Willemsen (l.) kümmert sich um die kleine Behausung. Ein Bewohner hat die Klause am Vortag verlassen (r.).

Falkenburg – Obdachlosigkeit ist ein Thema, das – wenn es überhaupt wahrgenommen wird – fast ausschließlich mit Städten in Verbindung gebracht wird. Der Diakoniekonvent Lutherstift in Falkenburg in der Gemeinde Ganderkesee bietet durchreisenden Menschen ohne eigene Wohnung in ihrer Jakobusklause eine Unterkunft an – und das natürlich kostenlos und ohne viele Fragen zu stellen. Ingeborg Willemsen gehört dem Zusammenschluss von evangelischen Frauen und Männern an, die sich unter anderem zur Lebensaufgabe gemacht haben, vor allem den Menschen zu helfen, denen nicht ausreichend Unterstützung zu Teil wird. Und zu dieser Gruppe gehörten seit jeher auch die „Brüder der Landstraße“, wie man sie einst nannte, berichtet sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Habe eine solche Unterkunft zuvor im Stiftsgebäude bestanden, sei diese Anfang der 1980er-Jahre in ein kleines, dafür hergerichtetes Häuschen ausgegliedert worden: die Jakobusklause entstand. Die 77-Jährige wohnt nur wenige Meter von dem Gebäude entfernt, nimmt die Unterkunftssucher in Empfang und kümmert sich um die Verwaltung der Herberge. Auf dem Gelände befindet sich unter anderem das Hospiz Falkenburg, das in der ehemaligen Begegnungsstätte für behinderte und nicht behinderte Menschen, dem Laurentiushaus, eingerichtet wurde.

„Das ist ein ganz einfacher Raum“, beschreibt Willemsen. Knapp 20 Quadratmeter umfasst das mit dem Nötigsten möblierte und ausgestattete Zimmer. WC und Dusche befinden sich separat in einem extra Raum in der Klause. „Das ist bis heute alles ganz gut gelaufen“, sagt sie. 2014 sei die Klause dann um eine kleine Küchenzeile erweitert worden. Der Herd schalte sich nach 15 Minuten ab – eine notwendige Vorsichtsmaßnahme: nicht alle Bewohner seien immer nüchtern. Notwendige Dinge wie Bettwäsche und Geschirr finden die zeitweiligen Bewohner bereits in der Klause vor. Drei bis vier Tage lang können wohnungslose Frauen und Männer den Raum in Anspruch nehmen, so Willemsen weiter. „Es ist keine Dauerunterkunft, sondern eine Möglichkeit, ein Dach über dem Kopf zu haben.“ Wie der Raum hinterlassen werde, sei durchaus unterschiedlich, meist jedoch gut. Das Wissen um die Klause werde durch Mundpropaganda weitergetragen, manchmal vermittele auch das Diakonische Werk, etwa aus Wildeshausen, einen Gast.

Doch habe die Nachfrage nach einem Unterschlupf im Laufe der Jahre nachgelassen: Seien es früher 40 bis 50 Personen gewesen, die sich im Jahr bei ihr gemeldet haben, sei es jetzt rund ein Dutzend: „Das ist nicht viel.“ Heute zählten etwa immer öfter auch Frauen zu dem Personenkreis, der in Falkenburg eine zeitweilige Unterkunft sucht. Heute spiele sich das Thema Wohnungslosigkeit vorwiegend in Städten ab, nur noch wenige davon Betroffene zögen über das Land. Obdachlose kenne sie schon seit ihrer kirchlichen Gemeindearbeit aus den 1970er-Jahren, erzählt Willemsen weiter, die seit 2005 in einem Haus auf dem Gelände in Falkenburg wohnt. Damals habe die Situation noch oft mit dem Krieg zu tun gehabt. Heute könne sie sagen: „Jeder hat eine persönliche Geschichte, die sie aus der Normalität herausgeworfen hat.“ Alkohol spiele oft, aber nicht immer, eine Rolle. Und entgegen manchen Vorurteilen seien Personen aus allen gesellschaftlichen Schichten betroffen. „Wohnungslosigkeit dürfte es nicht geben“, sagt sie. „Es gibt aber auch Menschen, die es nicht mehr in einer Wohnung aushalten.“

Bedingungen für die Aufnahme müssten die Hilfesuchenden nicht erfüllen, sagt Willemsen: „Das sind erwachsene Menschen. Sie haben ein Recht, so zu leben, wie sie leben. Wir sind nicht befugt, sie zu erziehen.“ Ist das nicht eine sehr liberale Einstellung? „Ja, das muss so sein“, entgegnet sie bestimmt. Ausgenommen davon seien Betrunkene, die zu pöbeln anfingen. Doch das seien die seltenen Ausnahmen, wie es sie auch „im normalen Leben“ gebe. Angst habe sie im Umgang mit den Wohnungslosen nicht, sagt die 77-Jährige, „die tun einem nichts“. Darüber hinaus fühle sie sich sicher, denn auf dem Konvents-Grundstück habe sie ja noch eine Menge andere Menschen um sich herum.

Lob hat Willemsen für die Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde Ganderkesee übrig: diese verlaufe reibungslos, die Kommune komme für einen Teil der Übernachtungskosten auf und habe sich zudem an der Renovierung der Klause beteiligt. „Die Jakobusklause steht nicht im luftleeren Raum“, betont Willemsen abschließend. Sie sei Teil des Diakoniekonvents, der 1920 in Rotenburg gegründet worden war. Die geplante große Feier anlässlich des Jubiläums musste allerdings ausfallen – wegen Corona.  fra

Ein kleines Stück Rückzugsmöglichkeit: die Jakobusklause des Diakonikonvents in Falkenburg.

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