Die Arp-Schnitger-Orgel in Ganderkesee ist ein musikalisches Denkmal

Ein Instrument für die Ewigkeit

Thorsten Ahlrichs, Kreiskantor und Organist im Kirchenkreis Delmenhorst/ Oldenburger-Land, spielt in der St. Cyprian- und Cornelius-Kirche in Delmenhorst an der Arp-Schnitger-Orgel.
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Thorsten Ahlrichs, Kreiskantor und Organist im Kirchenkreis Delmenhorst/ Oldenburger-Land, spielt in der St. Cyprian- und Cornelius-Kirche in Delmenhorst an der Arp-Schnitger-Orgel.

Ganderkesee – Seine Orgeln sind komplexe Klangkunstwerke von höchster Qualität. Sie ertönen in norddeutschen Kirchen, in den Niederlanden, Portugal, sogar Brasilien. Arp Schnitger (1648-1719) hat Orgeln für Jahrhunderte gebaut, wenn nicht für die Ewigkeit. Eines seiner Tasteninstrumente findet sich in der Kirche St. Cyprian und Cornelius in Ganderkesee.

28 Holzstufen muss Kreiskantor Thorsten Ahlrichs bis zu seinem Arbeitsplatz emporsteigen. Jedes Mal geht er vorbei an seinen 18 Vorgängern, die auf drei Wandtafeln am ersten Treppenabsatz namentlich aufgeführt sind, angefangen bei „Gabriel Luther 1699-1713“. Organist an der St. Cyprian- und Corneliuskirche ist eine traditionsreiche Aufgabe, vor allem wenn der Arbeitsplatz ein Instrument ist, das der Orgelbauer Arp Schnitger 1699 schuf. Die Orgel sei damals wohl die komplexeste Maschine gewesen, die der Mensch habe bauen können. „Eigentlich ein Weltwunder“, sagt Ahlrichs.

Das große Schnitger-Jahr 2019 zum 300. Todestag des Meisters ist vorüber. Aber die Orgeln und Töne erklingen weiter, auch am Sonntag in Ganderkesee zum Tag des offenen Denkmals. „Wir sind gesegnet mit einem guten Raumklang“, freut sich Ahlrichs und blickt von der oberen Empore ins große, hohe Weit der gotischen Halle des Kirchenschiffs. Der 42-jährige Kirchenmusiker ist seit 2015 Kreiskantor für die Kirchen Delmenhorst/Oldenburg Land und der erste in der langen „Ahnengalerie“, der die Stelle des Organisten hauptamtlich ausübt. In den vergangenen Jahren habe er enorm von und an der Orgel gelernt, die Schnitger seinerzeit in nur sechs Monaten erbaute. Von der Anlage her eher eine Land- oder Dorforgel, erklingt sie so imposant wie eine Stadtorgel. „Arpp Schnitker. Anno Christi. 1699.“ steht in goldenen Buchstaben am Gesims unter dem Hauptturm.

Die Klangfarben bestimmen die in 22 Register vereinten Pfeifen und Töne. Das mit „Rohrflöte“ überschriebene Register lässt weiche, sanfte und volle Töne erklingen, die „Waldflöte“ hohe und laute, und majestätisch voluminös erschallt das „Trompeten“-Register. 1374 Pfeifen zählt die in Rot gefasste und zuletzt 2003 bis 2005 restaurierte Orgel. Viele Organisten pilgern nach Ganderkesee, um am Spieltisch in die aus südamerikanischem Schlangenholz gefertigten Tasten zu greifen. Johann Sebastian Bach und Dieterich Buxtehude zogen lieber nach Hamburg, um die mit 67 Registern vermutlich bis dahin größte Orgel aller Zeiten zu sehen, die Schnitger in fünfjähriger Arbeit für die St.-Nikolai-Kirche gebaut hatte. Auch sie fiel 1842 dem Hamburger Brand zum Opfer. Die Orgel in Ganderkesee dürfte Bach möglicherweise gar nicht so sehr gelegen haben. Ihr „fehlen“ verschiedene Halbtöne, die der damals modernere Bach aber schon nutzte. Werke von früheren Komponisten und Organisten wie Jan Pieterszoon Sweelinck, oder Samuel Scheidt sind eher geeignet. „Ihnen ist die Orgel auf den Leib geschnitten“, sagt Ahlrichs. Auch das Instrument in Ganderkesee hat Veränderungen erlebt. „Aber Gott sei Dank, nie etwas Grundlegendes.“

Von etwa 170 Orgeln, die Schnitger neu erbaute oder wesentlich umbaute, sind laut der Arp-Schnitger-Gesellschaft mit Sitz in Brake-Golzwarden ungefähr 30 in einem Zustand erhalten, der ihre Bezeichnung als Arp-Schnitger-Orgel rechtfertigt.

Schnitger, oft als „Stradivari der Orgel“ bezeichnet, lieferte unter anderem – quasi ökumenisch – auch an das katholische Portugal, wo ein Instrument in Moreira und ein weiteres an der Algarve in Faro steht. Der abgelegenste Standort dürfte aber Brasilien sein, wo eine Schnitger-Orgel rund 400 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro in Mariana erklingt.

Von Helmut Reuter

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