Gruselige Sage: Trieb einst der Geist eines Reiters in Schönemoor sein Unwesen?

Ein altes Grab ohne Leichnam

Der Grabstein des verstorbenen britischen Soldaten.
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Das Grab des verstorbenen britischen Soldaten.

Schönemoor – Auf dem Friedhof der St. Katharinen-Kirche in Schönemoor (Gemeinde Ganderkesee) befindet sich ein Grabstein, dessen Inschrift in englischer Sprache verfasst ist. Einen dazugehörigen Begrabenen gibt es gleichwohl nicht. Darüber berichtet eine Sagengeschichte, in der sich historische Tatsachen und abergläubische Vorstellungen munter miteinander vermischen:

In dem Kirchspiel Schönemoor waren vor langer Zeit englische Soldaten einquartiert. Diese gehörten einem Truppenkorps an, das auf der Flucht von den Franzosen auf Bremen marschierte. Der englische Major bezog sein Quartier im Pfarrhaus. Während eines Ausritts stürzte er so unglücklich von seinem Pferd, dass er dabei den Tod fand und auf dem Friedhof in Schönemoor begraben wurde.

Später wollte man seinen Leichnam allerdings umbetten: So wurde dieser ausgegraben und auf ein Schiff, das nach England segeln sollte, verladen. Jedoch blieb das Schiff auf der Nordsee verschollen. Und seit dieser Zeit soll der Tote, so die Sage, als „Wiedergänger“ in Erscheinung treten. Auf dem Weg von Buschhagen durch den Rosengarten nach Schönemoor wollten Einwohner oftmals einen Reiter im vollen Trabe reiten sehen. Einige Leute erzählen, sie hätten ihn mal schnalzen hören, auch vernahm man das Klirren seiner Sporen. Wieder andere sahen, wie er die Schlagbäume und Tore öffnet und wieder verschließt. Auch dabei, wie er auf sein Pferd aufsitzen oder absteigen will. Für die meisten Menschen jedoch bleibt der Reiter unsichtbar – ein Gespenst.

Der wahre Kern einer Geister-Geschichte

Diese Geschichte ist wohl aus dem Ereignis in Schönemoor im Frühjahr 1793 hervorgegangen und hat sich den historischen Quellen nach folgendermaßen zugetragen: Nachdem die französischen Revolutionäre auch der englischen Krone den Krieg erklärt hatten, entsandte Großbritannien ein Expeditionskorps unter dem Oberbefehl des Herzogs von York auf das europäische Festland. Als Major eines Dragoner-Regiments, der sogenannten „Scots Grey“, zählte auch der im Jahre 1757 in Northumberland geborene John Strother Ker zu dieser Truppe. Als die Briten nach Norddeutschland ausweichen mussten, gelangten sie in den Delmenhorster Raum, vermutlich um sich über Bremerlehe nach England einschiffen zu lassen. Im Gegensatz zu den Soldaten, die in einfachen Zelten übernachten mussten, bezogen die Offiziere komfortablere private Unterkünfte, Ker in Schönemoor. Bei der Gelegenheit sollte auch „die Geselligkeit“ der Offiziere nicht zu kurz gekommen sein. Der Major hatte vermutlich gemeinsam mit seinesgleichen in Bardewisch den Abend verbracht, wobei sicherlich der eine oder andere Becher geleert worden war. Auf dem Rückweg von der feuchtfröhlichen Runde muss sein Pferd ins Stocken geraten sein, sodass er kopfüber herunterfiel und sich das Genick brach.

Unter großer Anteilnahme wurde er drei Tage später auf dem Friedhof vor der Kirche beigesetzt. Als seine Mutter später vom Tod ihres Sohnes erfuhr, äußerte sie den Wunsch, er möge doch in die Heimat überführt werden. So wurde er im Oktober desselben Jahres ausgegraben. Dieses Ereignis löste unter den Schönemoorern großes Entsetzen aus und man munkelte: „Man darf die Totenruhe nicht stören.“ Nachdem das Schiff sein Ziel nicht erreicht hatte, bestätigte sich die Vorahnung der hiesigen Bewohner. Schnell verbreitete sich die Geschichte um den Wiedergänger, dem nun ruhelosen nächtlichen Reiter. Eine andere Quelle erzählt, dass er doch seine letzte Ruhestätte in der Familiengruft gefunden habe. Mit dem leeren Grab verschwand auch bald sein Grabstein. Im Jahre 1895 grub man ihn aus dem Rasen des Pfarrgartens aus und setzte ihn ein kleines Stück links vom Eingang der St.-Katharinen-Kirche. In Sagengeschichten allerdings lebt seine Legende bis heute weiter.

Die St.-Katharinen-Kirche in Schönemoor mit dem Friedhof.

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