CDU-MdB Astrid Grotelüschen diskutiert mit Volker Kauder

„Ehrenamt nicht durch Bürokratie kaputtmachen“

Astrid Grotelüschen begrüßte ihren „Chef“, den Vorsitzenden der CDU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, in Stenum. - Foto. bor

Stenum - Von Ove Bornholt. Vor rund 150 Gästen diskutierte die Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen (CDU) am Montagnachmittag in der Gaststätte Backenköhler in Stenum über das Thema „Ehrenamt“. Ihr zur Seite stand der Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, den die Ahlhornerin als ihren „Chef“ vorstellte.

Kauder lobte das Ehrenamt, das besonders auf dem Land die Dörfer am Leben erhalte, „auch wenn Post und Rathaus schon weg sind“. Man dürfe zudem „stolz auf unser Land sein“ angesichts der ehrenamtlichen Hilfe für die vielen Flüchtlinge, die im Herbst 2015 ankamen.

Ehrenamt trotz geringer Entschädigung?

Aber der 67-Jährige nutzte die Gelegenheit auch, um ein Problem anzusprechen. Nämlich den Mindestlohn. Er nannte ein praktisches Beispiel aus seiner Heimat: Eine Rentnerin schmücke in der Kirche den Altar für den Gottesdienst und erhalte dafür ein paar Euro. Nach Meinung des CDU-Politikers handelt es sich dabei um ein Ehrenamt, auch wenn Geld fließt. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sei anderer Meinung, informierte der Christdemokrat seine Zuhörer. „Nahles hat zu mir gesagt: ,Ehrenamt ist Ehrenamt. Und wenn jemand Geld bekommt, ist es kein Ehrenamt mehr.‘“

Es sei keine Einigung mit Nahles möglich gewesen, so Kauder. Derzeit sei der Zoll, der eigentlich für die Kontrolle des Mindestlohns zuständig ist, aber so überlastet, dass er solche Arbeitsverhältnisse nicht unter die Lupe nehmen könne. „Eine kleine Entschädigung ist okay, auch wenn grundsätzlich kein Honorar gezahlt werden darf“, umriss Kauder die Position der CDU. Es gelte, „das Ehrenamt nicht durch eine kleinkarierte bürokratische Regelung kaputtzumachen“, betonte er.

Früher konnte man sich vor Ehrenamtlichen kaum retten

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung äußerten sich aktive Ehrenamtliche vom Kreisbrandmeister aus der Wesermarsch, Heiko Basshusen, über die Delmenhorster Sozialverbands-Vorsitzende Dorothea Stelljes-Szukalski bis hin zu Marcel Colter, Ortsverbandsvorsitzender der Johanniter in der kreisfreien Stadt. Letzterer hob hervor, dass man sich „früher vor Ehrenamtlichen kaum retten konnte, und sie inzwischen von den Bäumen schütteln muss“. Feuerwehrmann Basshusen wies daraufhin, dass „keiner weiß, wie viel Ausbildung geleistet werden muss, damit ein Einsatz gelingt“. Stelljes-Szukalski beklagte eine zunehmende „Ellbogen-Gesellschaft“. Zudem würden Menschen immer mehr ihre Sorgen verbergen, um keine Schwächen sichtbar zu machen.

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