Diese Samurai kämpfen stets gewaltfrei

TSV Hengsterholz-Havekost hat Kampfkunst im Programm

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Demonstrieren einstudierte Techniken: Björn und Inge von Mickwitz lehren japanische Waffenkünste.

Hengsterholz/Havekost – Von Gero Franitza. Kämpfen zu können wie einst die Samurai im alten Japan – das ist, kurzgefasst, das Ziel von „Yambushi Ryu Kenjutsu“. „Es ist eine Kampfkunst und kein Kampfsport“, erläutert Björn von Mickwitz. Zusammen mit seiner Frau Inge unterrichtet er diese besondere Art der fernöstlichen Waffentechniken ab sofort beim TSV Hengsterholz-Havekost.

Was zunächst ganz martialisch wirkt und einst auch einen ernsten Hintergrund hatte, verfolgt heute einen ganz anderen Zweck. Zwar geht es in den Übungen um den Umgang mit den Waffen, etwa der Abfolge von Stichen, Schnitten und Schritten mit dem Schwert. „Gerade junge Schüler fragen am Anfang immer, ob sie gewonnen haben“, erläutert Inge von Mickwitz, „doch darum geht es gar nicht“. Vielmehr sind neben körperlicher Geschmeidigkeit und Koordination nicht zuletzt Aufmerksamkeit, Konzentration und Selbstbeherrschung das Ziel. Krafteinsatz etwa ist nicht gefragt, eher im Gegenteil. Beide Lehrmeister verfügen über den schwarzen Gurt in „Yambushi Ryu Kenjutsu“, vergleichbar etwa mit denen in tatsächlichen Kampfsportarten wie Karate oder Judo.

Das Training ist in zwei Bereiche geteilt: Da gibt es zunächst einmal den „Schwerkreis“: Ein Teilnehmer ist von anderen Übenden umringt. Diese führen nacheinander mit ihren Holzschwertern Angriffe aus, die abgewehrt und erwidert werden müssen. Diese erfolgen kontrolliert und ohne Gewalt, das Tempo richtet sich nach dem Fortschritt des Schülers. Im zweiten Bereich stellen die Teilnehmer unter Beweis, wie gut sie die einzelne Verteidigungssequenzen – gleich einer Choreografie – verinnerlicht haben und wie exakt sie diese reproduzieren können. „Dabei geht es aber nicht um Geschwindigkeit, sondern um Genauigkeit“, sagt Björn von Mickwitz. Der Kurs steht zwar für Interessierte ab 16 Jahren offen, „aber unsere Hauptzielgruppe liegt zwischen 30 und 60 Jahren“, sagt der 51-Jährige aus Klein Henstedt.

Feste Schrittfolgen sind stets einzuhalten

In ungefähr diesem Alter ist auch das Paar zu der Kampfkunst gekommen: „Wir haben uns überlegt, welche Sportart wir mit fast 50 Jahren noch gemeinsam anfangen können“, so Björn von Mickwitz. Über ihre Tochter, die damals in einem Dojo in Harpstedt Kampfsport trainierte, sei das Paar dann zu „Yambushi Ryu Kenjutsu“ gekommen.

„Dass ich einmal einen schwarzen Gurt tragen werde, haben sich unsere Trainer damals nicht träumen lassen“, erinnert sich der Heilpraktiker und schmunzelt. Achtsamkeit und Respekt seien wichtig – doch das beziehe sich nicht nur auf das Vermeiden von Verletzungen, sondern ebenso auf den Umgangston der Trainingsteilnehmer. Schüler dürften ihren Lehrer gerne jederzeit Fragen stellen, „Das gehört ebenso dazu.“ Und seine Frau Britta (50) ergänzt: „Wir haben sehr große Freude daran, zu unterrichten und Menschen etwas beizubringen.“

Insbesondere bei noch jungen Teilnehmern – Mädchen wie Jungen – merke man nach einigen Trainingseinheiten Veränderungen, sagt Björn von Mickwitz. Oftmals bestünden noch Hemmungen, in der Gruppe die typischen Schreie bei Angriff und Abwehr auszustoßen. Doch das ändere sich mit der Zeit: Die Teilnehmer bauen immer mehr Selbstvertrauen auf. „Das erkennt man später dann schon an der Körperhaltung.“

Die beiden Senseis (japanisch: Lehrmeister) am Sonntag, 20. Januar, in der Zeit von 10 bis 12.30 Uhr ein Einführungsseminar im Sportlerheim in Hengsterholz, Sportweg 2, an. Die Teilnahmegebühr dafür beträgt zehn Euro. Als Ausrüstung ist zunächst lediglich bequeme Sportbekleidung (langärmliges Oberteil und lange Hose) mitzubringen. Die hölzernen Übungswaffen stellt das Ehepaar.

Eine Anmeldung bei von Mickwitz unter der Telefonnummer 04224/95037 oder per E-Mail an BvMickwitz@t-online.de ist dazu erforderlich. Das Training innerhalb des TSV beginnt bereits am Mittwoch, 9. Januar, ab 20 Uhr, ebenfalls im Sportlerheim.

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