„Es ist egal, ob ein Mann oder eine Frau einen Job macht“

Diane Febert ist landesweit die einzige Vorsitzende eines Kreisfeuerwehrverbandes

Diane Febert. - Foto: bor

Landkreis Oldenburg - Sie ist die erste und einzige Frau, die den Vorsitz eines Kreisfeuerwehrverbandes in Niedersachsen innehat.

Die Rede ist von Diane Febert, die Anfang März auf Peter Sparkuhl als Vorsitzende der Kreisfeuerwehr im Landkreis Oldenburg folgte. Im Interview spricht die Ganderkeseerin unter anderem über den Stellenwert von Frauen im aktiven Feuerwehrdienst. Die Fragen stellte Ove Bornholt.

Frau Febert, waren Sie die erste Frau, als Sie 1990 zur Feuerwehr Ganderkesee gingen?

Febert: Etliche Jahre vor mir war mal die Tochter eines Feuerwehrkameraden Mitglied, aber ich war dann nach langer Zeit die erste und einzige.

Wie lange blieb es dabei?

Nicht lange. Ich konnte schnell eine ehemalige Klassenkameradin für den Dienst in der aktiven Wehr begeistern.

Und jetzt?

Ich bin seit anderthalb Jahren wieder in Ganderkesee dabei, nachdem ich lange Jahre bei der Feuerwehr Wildeshausen war. Wir sind rund zehn Frauen in der aktiven Wehr in Ganderkesee.

Wie viele aktive Feuerwehrleute gibt es denn in Ganderkesee?

So 70 bis 80. Im Oldenburgischen Feuerwehrverband sind rund zehn Prozent aller Mitglieder Frauen.

Hat sich etwas verändert im Ansehen von Frauen in der Feuerwehr in den vergangenen 20 Jahren?

Auf jeden Fall. Ich weiß zum Beispiel, dass die Entscheidung im Ortskommando über meine Aufnahme Anfang der 1990er-Jahre nicht einstimmig war. Das ist heute in Gänze anders. Auch durch die Jugendfeuerwehren. Dort sind viele Mädchen dabei, und wenn sie in die aktive Wehr eintreten wollen, ist das kein Thema. Da wird heute nicht mehr danach geschaut, ob man Männlein oder Weiblein ist. Und die Freiwilligen Feuerwehren sind heutzutage sowieso froh über die Leute, die sich für dieses Ehrenamt interessieren. Egal wie das Geschlecht ist.

Gibt es eigentlich Frauen unter den mehr als 20 Orts- und Gemeindebrandmeistern?

Nee, auch nicht in stellvertretender Position. Ich habe höchste Achtung vor dieser Verantwortung. Da müssen mitunter Entscheidungen gefällt werden, wo es nicht nur um Sachwerte geht, sondern auch – ganz dramatisch gesagt – um Leben und Tod. Das möchte und könnte ich nicht, glaube ich.

Was denken Sie, warum gibt es keine Frauen unter den Orts- und Gemeindebrandmeistern?

Das Durchschnittsalter der Frauen, die in den aktiven Wehren sind, ist nach meiner Einschätzung noch relativ gering. Ich zähle mich mit meinen 44 Jahren schon zum Mittelalter. Ab 30 wären solche Positionen eine Option, weil man Erfahrung haben und schon Gruppenführerin gewesen sein sollte. In diesem Alter kriegen Frauen aber oft Kinder. Und das beißt sich mit einer Führungsaufgabe. Da grätscht dann die Familienplanung sozusagen dazwischen. Aber wenn es Funktionsträgerinnen gibt, die Ambitionen haben, sollte das kein Problem sein. Warum auch? Da spricht nichts gegen.

Was kann man für den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen tun, und sollte man überhaupt etwas tun?

Nein, das glaube ich nicht. Eher eine allgemeine Förderung, wie es auch jetzt schon ist. Es gibt keine Sonderboni. Und das wollen wir auch gar nicht. Wir sind zum Beispiel einer der Landkreise, die sich gegen eine Frauensprecherin im Kreisfeuerwehrverband entschieden haben. Die Männer haben ja auch keinen Sprecher. Zu meiner Anfangszeit wäre das vielleicht richtig gewesen, aber heute sind wir so integriert und gleichberechtigt, dass es nicht mehr nötig ist. Das einzige Manko, das wir manchmal vielleicht haben, ist, dass wir nicht ganz so kräftig sind.

Wie beurteilen Sie die Attraktivität der Feuerwehr für Frauen?

Viele denken vielleicht, es ist eher ein Jungs-/Männer-Ding. Aber für Frauen, die sich für Technik interessieren, kann ich es nur empfehlen. Möglicherweise schreckt die Technik die Frauen ein bisschen ab. Aber sie wird immer einfacher, weil es zum Beispiel bei den wasserfördernden Pumpen fast nur noch Knöpfe gibt, auf denen wir dann beim Einsatz herumdrücken. Und jeder der ein Auto fahren kann, setzt sich ja spätestens in der Fahrschule mit Technik auseinander.

Glauben Sie, dass Sie anders wahrgenommen werden als ein männlicher Verbandsvorsitzender?

Also wenn ich höre: „Liebe Diane, liebe Kameraden“ – das mag ich eigentlich nicht. Warum nicht „Liebe Kameradinnen und Kameraden“? Ich mag es eh nicht, wenn so ein Bohei um meine Person gemacht wird. In unserer liberalen Gesellschaft ist es eigentlich egal, ob eine Frau oder ein Mann einen Job macht. Hauptsache er wird gut gemacht.

Wie verstehen Sie ihren Job?

Wir sind Interessenvertretung der Feuerwehren, organisieren Wettbewerbe mit, geben Infos von der Landesebene sowie des Oldenburgischen Verbandes weiter und sammeln Stellungnahmen der Gemeinde- und Ortsbrandmeister. Zum Beispiel zur Altersgrenze mit 67, wogegen wir uns ausgesprochen haben.

Warum haben Sie für den Vorsitz kandidiert?

Weil ich gefragt wurde. Mein Vorgänger Peter Sparkuhl und mein jetziger Stellvertreter Frank Hattendorf sind auf die Idee gekommen. Peter war es wichtig, seinen Nachfolger einzuarbeiten, und er hat mich zu diversen Sitzungen mitgeschleppt. Ich bin ihm dankbar dafür.

Wie waren die ersten Wochen im Amt?

Ich bin noch in der Akklimatisierungsphase, fühle mich noch nicht ganz sicher in dem Ding. Es ist schon eine ernste Thematik, da geht‘s ans Eingemachte. Bei den Treffen mit den Gemeindebrandmeistern, an denen ich auch teilnehme, geht es um Dinge wie Alarmierungssachen, dass wir vermehrt zu Trageeinsätzen und Türöffnungen gerufen werden und auch mal der Schuh in der Zusammenarbeit mit der Großleitstelle drückt. Das sind Themen, die aber eher auf der dienstlichen Schiene, sprich Gemeinde- und Kreisbrandmeister, laufen. Da höre ich als Verbandsvorsitzende nur zu.

Wie ordnen Sie sich im Vergleich zu Ihrem Vorgänger ein?

Peter ist ja eine Marke. Ich bin eher ein Leisetreter. Er hat ja immer Sprüche draufgehabt, damit kann man auch ein Wörterbuch füllen. Da bin ich halt anders.

Glauben Sie, dass es Frauen Mut macht, in die Feuerwehr einzutreten, wenn sie sehen, dass die Verbandsvorsitzende eine Frau ist?

Das wäre schön, ich kann das nur jeder, die keine Berührungsängste vor Technik und körperlicher Arbeit hat, empfehlen. Ein Ehrenamt ist grundsätzlich eine tolle Sache. Und bei der Feuerwehr hat man noch die Kameradschaft.

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