Nach 50 Jahren trägt die Liegenschaft in Delmenhorst nun den Namen „Delmetal-Kaserne“

Das letzte Gelöbnis in der Lilienthal-Kaserne

Drei junge Soldaten ihr Gelöbnis mit der Hand auf der Bataillonsfahne.
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Stellvertretend für alle 34 Rekruten leisten drei junge Soldaten ihr Gelöbnis mit der Hand auf der Bataillonsfahne.

Delmenhorst – Es war das letzte Gelöbnis in der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst-Adelheide. 34 junge Frauen und Männer haben am Donnerstagmorgen beim Logistikbataillon 161 dort ihr Gelöbnis beziehungsweise ihren Diensteid geleistet. Nur wenige Stunden später wäre das so nicht mehr möglich gewesen: Denn nach einem kurzen Festakt haben der Standortälteste und Bataillonskommandeur Oberstleutnant Torsten Ickert und der Inspekteur der Streitkräftebasis Generalleutnant Martin Schelleis aus Bonn vor dem Haupttor der Kaserne das neue Namensschild enthüllt: Die Liegenschaft firmiert ab sofort unter dem Namen „Delmetal-Kaserne.“

Beide hatte zuvor auch die Rekruten begrüßt, von denen 22 ihren freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz aufgenommen haben. Schelleis ging in der Gelöbnisrede darauf ein, dass laut einer Umfrage mehr als 80 Prozent der Bevölkerung der Bundeswehr vertrauten. „Aus einem freundlichen Desinteresse, mit dem man uns lange begegnete, ist eine gesellschaftliche Zuwendung geworden“, sagte er. Das habe natürlich auch mit dem Engagement in der Bekämpfung der Corona-Pandemie zu tun. Die „wichtigste und herausforderndste“ Aufgabe sei jedoch der Heimatschutz sowie die Landes- und Bündnisverteidigung. Die Rekruten zeigten, dass sie „auch in der sogenannten postheroischen Gesellschaft“ bereit seien, sich einzusetzen und dafür Verpflichtungen und Belastungen auf sich zu nehmen – und dafür bereit seien, sich dabei in Gefahr zu begeben.

Das Motto der Bundeswehr „Wir dienen Deutschland“ sei auch für die Rekruten „nichts Befremdliches von gestern, sondern etwas Ehrenvolles mit Zukunft“, so Schelleis. Der Dienst der Soldaten gelte Deutschland, einem Land „mit vielen Facetten und Gesichtern, dessen Staatsgebiet, Staatsvolk, Verfassung, Wohl und Interessen“. Es stehe für einen zeitgemäßen Patriotismus.

Soldaten und Mitarbeiter stimmten ab

Aufgrund des „Traditionserlasses“ der Bundeswehr passt es allerdings nicht mehr in die Zeit, dass die Kaserne den Namen eines Feldwebels der Wehrmacht trägt. Wie Ickert später bei der Feierstunde zur Umbenennung ausführte, sei der neue Name in einem Auswahlverfahren aus letztlich sieben internen Vorschlägen von den Soldaten und Mitarbeitern gewählt worden. 61 Prozent der abgegebenen Stimmen waren im April 2020 auf „Delmetal-Kaserne“entfallen.

Delmenhorsts Oberbürgermeister Axel Jahnz unterstrich seine Verbundenheit mit der Kaserne und die Rolle der Stadt als Garnisonsstandort. In seinem kurzen Grußwort sagte er, dass es Straßen und Plätze gebe, „die belastet“ seien. Diese würden dann umbenannt. „Genau das machen wir heute.“

Umbenennung „unabdingbar“

General Schelleis ging differenzierter darauf ein: Vor dem Hintergrund des „Traditionserlasses“ und eines Gutachtens könne Diedrich Lilienthal für die Bundeswehr nicht mehr „traditionsstiftend“ sein: „Damit war eine Umbenennung unabdingbar.“ Dies sei nun der vierte Name der Kaserne, die auf einen ehemaligen Fliegerhorst zurückgeht und zuvor den Namen eines Jagdfliegers aus dem Ersten Weltkrieg, Oswald Boelcke, des deutschen Flugpioniers Otto Lilienthal und seit 1970 den des Panzerjägers Diedrich Lilienthals trug. Er starb 1944 im Alter von 23 Jahren in einem Lazarett. „Lilienthal galt als Draufgänger – jung und ungestüm, ganz nach dem Geschmack der NS-Propaganda“, trug Schelleis vor. Es sei ihm unter anderem gelungen, in nur einem Gefecht 18 feindliche Panzer zu vernichten. Das sei auch nach damaligen Maßstäben eine „schier unglaubliche Einzelleistung“, so der General. Die Vorgesetzten lobten das Pflichtbewusstsein, den unbedingten Kampfeswillen und die große Tapferkeit des späteren Namensgebers. „Darüber hinaus wissen wir nur wenig über Lilienthal“, so der oberste nationale Befehlshaber der Streitkräftebasis. „Auf jeden Fall aber zu wenig, um ihn für die Bundeswehr im Sinne des besagten Erlasses als traditionsstiftend zu bezeichnen.“

Dazu brauche es mehr als bloße „soldatische Exzellenz“, die der Feldwebel zwar eindeutig bewiesen habe: Doch einen klaren Bezug – auch im Handeln – zu den Werten des Grundgesetzes gäben die Quellen über den Elsflether schlichtweg nicht her. „Weil wir so wenig über ihn wissen, dürfen wir ihn aber auch nicht pauschal verurteilen, obwohl er einem verbrecherischen Regime gedient und in einem Vernichtungskrieg gekämpft hat.“ Den „Zeitgenossen von damals“ werde man nur gerecht, wenn man die Grenzen ihres Erkenntnis- und Handlungsspielraums verstehen wolle. Genau dies ließen viele Kritiker der Generation des Feldwebels heute vermissen. „Daher ist die heutige Namensänderung keine Verurteilung Diedrich Lilienthals“, schloss der General. Danach enthüllte er zusammen mit Ickert den neuen Namenszug.

Oberstleutnant Torsten Ickert (l.) und General Martin Schelleis vor dem enthüllten Schriftzug.
Rechts: die Rekruten während der Gelöbnisfeier.

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