1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Oldenburg
  4. Ganderkesee

Das Gebäude als „therapeutischer Ansatz“

Erstellt:

Von: Gero Franitza

Kommentare

Eine Gruppe Männer und Frauen stehen auf einer Treppe.
Petra Holzapfel-Sperling und Mario Behrends (von rechts) führen die Gäste von der FDP durch den Rohbau. © Franitza

Elmeloh – Es wird ein sehr großer Neubau, aber es geht auch um schwerwiegende Probleme – und dass das neue Fachkrankenhaus in Elmeloh nach seiner Eröffnung in rund einem Dreivierteljahr ausgebucht sein wird, scheint bereits festzustehen: Am Freitagvormittag haben Mitglieder der Kreis-FDP die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Wichernstift bei Ganderkesee besucht.

Mit dabei waren unter anderem die Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Marion Daniels, die Landtagskandidatin Imke Haake aus Sage, der Vorsitzende der Bundestagsfraktion Tobias Dürr sowie die Landtagsabgeordnete Sabine Schütz (Fraktionssprecherin für Soziales und Gesundheit).

In Empfang genommen wurde die Gruppe von Geschäftsführer und Trägervereinsvorstand Mario Behrends und Petra Holzapfel-Sperling (Verein sowie Prokuristin). „Wir werden meistens mit der Altenhilfe in Verbindung gebracht“, sagte Behrends. Ein sehr großer Bereich des Wichernstiftes sei aber die Jugendhilfe und nicht zuletzt die Fachklinik. „Die Kinder- und Jugendpsychiatrie gewinnt an Bedeutung“, so der Geschäftsführer. So sei die damalige Vermutung, dass aufgrund der Corona-Pandemie die Zahl der Fälle stark zunehmen werde, „bittere Realität“ geworden. Inzwischen sei es schwer, dem „Ansturm“ an jungen Patienten gerecht zu werden. Behandelt werden Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 17 Jahren und das in allen Bereichen – von Angst- und Essstörungen bis hin zu Mediensucht. Drogenerkrankungen gehörten nicht zum Behandlungsfeld der Klinik.

Neben der dezentralen Jugendhilfe mit Wohngruppen, die sich über weite Teile des Nordwestens erstrecken, verfüge die Einrichtung in der Gemeinde Ganderkesee über 51 stationäre Plätze für eine mehrwöchige Versorgung. Diese sei auf dem weitläufigen Anwesen bislang in den verteilt liegenden Gebäuden eines alten Lehrlingswohnheimes aus dem Jahr 1958 untergebracht, so Behrends. Das erschwere die Arbeit beträchtlich, insbesondere was den Personal- und Zeitaufwand für die Nachtwachen angeht.  All dieses soll mit dem 4 000 Quadratmeter großen Neubau mit weiterhin 51 Plätzen (inklusive eines geschlossenen Bereichs) der Vergangenheit angehören. Er soll Anfang 2023 fertiggestellt sein und weiterhin über eine Ambulanz verfügen.

Wie Behrends bei einem Rundgang durch den Rohbau erläuterte, seien in einem zentralen Flur etwa die Blickachsen so angelegt, dass von einem Pflegestützpunkt aus alle Bereiche weithin gut einsehbar sind – und das ohne Spiegel oder dergleichen. Letzteres soll sich positiv auf die künftigen Patienten auswirken. „Das Gebäude ist schon ein therapeutischer Ansatz“, sagte er. Dabei komme moderne Technik zum Einsatz: So werde die Beleuchtung ein Licht abgeben, das sich den Tag über verändert. Es sei morgens heller, enthalte abends aber mehr Rotanteile – und entspreche dadurch dem natürlichen Tageslicht. Im Vorfeld habe man sich bei anderen Kliniken informiert, um zu erfahren, was diese als baulich positiv bewerteten. 21,3 Millionen Euro hat das Land Niedersachsen für den Neubau, in dem Wohn- und Therapiebereiche auf die beiden Geschosse aufgeteilt sein werden, bereitgestellt. Die Ambulanz, sei nicht förderfähig, so Behrends. Die Gesamtkosten werden sich voraussichtlich auf 27 Millionen Euro belaufen. Differenz und Mehrkosten, trage der Verein. Das Schicksal der alten, nicht mehr benötigten Gebäude, sei noch nicht geklärt.

Auch interessant

Kommentare