1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Oldenburg
  4. Ganderkesee

Mit „Blind Dates“ Flüchtlingen helfen

Erstellt:

Von: Gero Franitza

Kommentare

Ein Mann hält in einer Buchhandlung ein Paket und einen Briefumschlag hoch.
Bücherpakte zugunsten von Flüchtlingen aus der Ukraine: Buchhändler Gustav Förster. © Franitza

Ganderkesee/Landkreis – In Gustav Försters Buchhandlung in Ganderkesee ist nicht sehr geräumig, neben diversen Büchern in den Regalen wetteifern noch Wein und Kaffee um Platz im Verkaufsraum. Im Kassenbereich stehen unter anderem Bändchen mit Titeln wie „Tut was“, „Misch" Dich ein“ und „Haltung zeigen“. Dennoch hat der Buchhändler Platz geschaffen für einen Aufsteller in blau-gelben Farben. Allein daran lässt sich bereits erkennen: Hier geht es um die Ukraine.

„Blind Date – Bücher für die Flüchtlingshilfe“, steht denn auch auf einem Schild an dem Aufsteller. Auf dem Gestell befinden sich noch einige Buchpakete, eingeschlagen in blickdichtem gelben Papier. Die Idee hinter der Aktion: Jedes Paket enthält zwei Bücher, die Förster (und andere Buchhändler, die sich der Aktion angeschlossen haben), für die Ukrainehilfe abgegeben haben. Mindestens 20 Euro waren dafür zu bezahlen, berichtete der Ganderkeseer. Wer wollte, durfte auch mehr geben. „Das sind alles ältere Bücher“, erklärt Förster: entweder Leseexemplare oder Prüfstücke, die von den Verlagen zur Verfügung gestellt worden waren, erläutert er. Unterteilt waren die „Blind Dates“ in die vier Kategorien Kinderbücher, Jugendbücher, Krimis und Belletristik. „Die Kinderbücher sind alle weg“, berichtet Förster, „bei den Krimis und der Belletristik habe ich sogar nachgepackt.“ Nur die Jugendbücher fanden kaum Abnehmer.

Gleichwohl: „Ich bin überrascht, wie gut das gelaufen ist.“ Und das galt offenbar auch für Teilnehmer der Aktion: Einer sei positiv von der Auswahl überrascht gewesen – gute Bücher, die er sich sonst selbst nie ausgesucht hätte, lautete sein Urteil. 655 Euro sind seit Anfang des Monats so zusammengekommen. Förster hat die Summe auf 700 Euro aufgestockt. Gedacht ist das Geld für das Diakonische Werk Delmenhorst/Oldenburg Land, das sich um ukrainische Flüchtlinge kümmert. Beträge, die ab sofort noch aus dem Paket-Verkauf zusammenkommt, wolle er der Gemeinde Ganderkesee geben. Diese leitet Geld an ihre polnische Partnerstadt weiter, die bereits sehr viel Flüchtlinge aufgenommen hat (wir berichteten).

Flüchtlingszahlen weiter gestiegen

Doch auch im Landkreis Oldenburg nimmt die Zahl der geflüchteten und vertriebenen Ukrainer zu: Am Montag waren hier 788 Personen mit diesem Status beim Landkreis Oldenburg registriert, wie Pressesprecher Oliver Galeotti auf Anfrage berichtet. Diese Zahl schlösse auch die Ukrainer mit ein, die sich auf eigene Faust in den Landkreis begeben hatten und dort zunächst bei Verwandten oder Freunden untergekommen sind und sich später erst beim Landkreis angemeldet haben. Allein am Ostersonntag seien mehr als 30 Personen neu angekommen, die zunächst in der Notunterkunft in Hude untergebracht wurden. Damit ist die Belegung dort auf 80 gestiegen. Alle weiteren Ukrainer seien „dezentral“ (privat) untergekommen. 393 Wohnungsangebote hätten den Kreis erreicht, 284 seien noch verfügbar, so Galeotti. Je nachdem, wie sich die Situation entwickelt – nicht zuletzt europaweit –, sei aber mit einem weiteren Anstieg auch im Landkreis Oldenburg zu rechnen.

Auch interessant

Kommentare