Kaputter Aufzug am Delmenhorster Bahnhof sorgt für Fragen

Barrierefrei reisen: Wer ist zuständig?

Für die Infrastruktur ist nicht die NWB zuständig. symbolbild: dpa

Ganderkesee/Delmenhorst – Die Zugfahrt von Ganderkesee nach Oldenburg dauert mit der Nordwestbahn (NWB) 40 Minuten. In der Regel müssen Fahrgäste dafür in Delmenhorst umsteigen. Sie könnten auch bis Bremen fahren und von dort einen Zug nach Oldenburg nehmen, was allerdings mehr als eine Stunde dauert. Doch was passiert, wenn eine Passagierin auf einen Rollstuhl angewiesen und der Aufzug zum Bahngleis defekt ist?

Nachfragen ergeben: Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Denn sowohl die Nordwestbahn als Transportgesellschaft als auch die Deutsche Bahn, zuständig für die Infrastruktur an den Bahnhöfen, sind Teil der Geschichte. Im Oktober verhinderte ein kaputter Aufzug an Gleis 2/3 in Delmenhorst zeitweise, dass Fahrgäste, die nicht die Treppen benutzen können, dort einen Zug erreichen konnten. Denn die RS3 nach Oldenburg fährt an Gleis 3 ab.

Selbst wenn ein Reisender bereit gewesen wäre, einen Umweg über den Bremer Hauptbahnhof auf sich zu nehmen, hätte das an einem Wochenende nicht geholfen: Da die RB58 Richtung Bremen seit Anfang September in Delmenhorst endet, wäre auch in diesem Fall ein Umstieg nötig gewesen – an Gleis 2, das eben nur per Treppe oder Aufzug erreichbar ist. Dort halten alle Züge, die samstags von Delmenhorst nach Bremen fahren. Die einzige Alternative zum Ziel ist ein Bus. Wer damit fährt und zum Hauptbahnhof will, muss am Roland-Center in eine Straßenbahn umsteigen. Das dauert laut Fahrplan im besten Fall 46 Minuten. Um von Bremen nach Oldenburg zu kommen, müssen Passagiere mindestens weitere 30 Minuten einplanen. So kann aus einer ursprünglich 40-minütigen Fahrt eine Reise von zwei Stunden und elf Minuten werden.

Läge die Zuständigkeit allein bei der NWB, wäre das Vorgehen klar, erläutert ein Sprecher des Unternehmens auf Nachfrage. Bräuchten Fahrgäste Hilfe, könnten sie das Zugpersonal oder auch die Triebwagenführer ansprechen. Sollten sie aufgrund eines Problems mit der NWB an einem Bahnhof stranden, würde das Unternehmen ein Taxi bezahlen, um sie zu ihrem Ziel zu bringen. „Niemand, der mobilitätseingeschränkt ist, soll einen Nachteil haben.“ Verhindere jedoch die Infrastruktur des Bahnhofs, etwa ein defekter Aufzug, die Weiterfahrt, liegt das Problem laut Sprecher nicht mehr bei der NWB, sondern bei der DB.

Diese ist zuständig, wenn das Hindernis eines mobilitätseingeschränkten Fahrgasts ein kaputter Aufzug ist, erläutert ein Bahnsprecher auf Nachfrage. In einer schriftlichen Stellungnahme der DB heißt es weiter: „Es ist selbstverständlich in unserem Interesse, dass Aufzüge baldmöglichst wieder in Betrieb gehen können. Wir unternehmen sehr viele Anstrengungen, um die Verfügbarkeit zu verbessern und das sehr erfolgreich.“ Des Weiteren verweist die DB auf ihren Service für Menschen mit Behinderung: „Durch die Anmeldung bei unserer Mobilitätszentrale können sich die Reisenden einen bis zwei Tage vorher anmelden, damit wir den Zug auf Gleis 1 umleiten können.“ Das sei zwar nicht an jedem Bahnhof möglich, erläutert der Sprecher, aber im Zweifelsfall würden Taxen eingesetzt, um Fahrgäste an einen anderen Umsteigebahnhof zu bringen.

Zudem weist das Unternehmen auf seine App „DB barrierefrei“ sowie die Internetseite www.bahnhof.de hin. Dort könnten Fahrgäste prüfen, ob die Aufzüge funktionstüchtig seien. Mit Planung sei vieles möglich.  

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