Gemeinde, Naturschutzbund und Gewerbetreibende kooperieren in Sachen Blühwiesen

„Am Rennfeuer“ summt und blüht es

Männer stehen und knien vor einem Insektenhotel.
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Vor dem Insektenhotel: Andreas Lonzer (Albko Metallhandel), Stefan Rücker (EWE-Netz) und Andreas Schulz (Netto Stiftung, hinten, v..l) sowie Fachdienstleiter Carsten Wünker (vorne, l.) und Hans Fingerhut (Nabu).

Ganderkesee – Neue Gewerbegebiete und die Bewahrung der Natur werden allzu oft als Gegensätze wahrgenommen. An dem Areal „Am Rennfeuer“, unmittelbar an der Autobahn-Abfahrt „Ganderkesee West“, haben die Gemeinde und die dort ansässigen Firmen einen Mittelweg gefunden. Und der gefällt soweit auch der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu).

Vor rund drei Jahren sei die Idee beim „Runden Tisch“ entstanden, an dem neben Vertretern der Kommune auch Landwirte und Naturschutzverbände teilnehmen, berichtet Carsten Wünker, Fachdienstleiter Natur im Ganderkeseer Rathaus. Da die Bauern bereits Flächen als Blühwiesen zur Verfügung stellten, sei die Idee aufgekommen, auch an Gewerbebetriebe mit der Bitte heranzutreten, ihre Reserve- und Abstandsfläche nicht ungenutzt zu lassen. Durchaus mit Erfolg, wie Wünker berichtet. Rund 3,6 Hektar habe die Kommune zusammen mit den Geschäftsleuten inzwischen so gestaltet: „Es sind 20 Betriebe, die mitgemacht haben.“ Die Vorbereitung der Fläche und die Aussaat übernimmt die Gemeinde. Zudem berät sie Interessenten.

Ungefähr die Hälfte aller Flächen befindet sich auf dem Areal an der Straße „Am Rennfeuer“, wo unter anderem der Lebensmitteldiscounter „Netto“ eine große Fläche direkt an seinem Zentrallager als Blühwiese bereitgestellt hat. Rund 6 000 Quadratmeter hat die Firma „Albko Metallhandel“, die direkt an der Zufahrt des Gewerbegebietes liegt, bepflanzen lassen. „Das ist eine feine Sache“, sagt Albko-Inhaber Andreas Lonzer, „und es sieht gut aus.“ Zudem: „Wir tun was für die Insektenwelt.“ Er freue sich über die Tiere, auch wenn er dann mal das eine oder andere mehr in seinem Büro habe. Er ist von der Aktion überzeugt: „Ich würde es wieder machen. Man muss auch mal was investieren“, so Lonzer. Solche Anpflanzungen sollten sich durchaus etablieren, sagt er.

Pflanzen sollen lange stehen bleiben

Zum Einsatz kommen gebietsneutrale Mischungen, so Wünker, in denen etwa die geruchlose Kamille, Borretsch, Mohn oder Klee enthalten sind. Welche davon dominant wird, hänge vom Boden und den jeweiligen Rahmenbedingungen ab. Besonderes wichtig sei es, dass die Flächen mindestens drei Jahre zur Verfügung stehen: Zwar blühe es schon nach dem ersten Jahr, und die Pflanzen böten damit auch zwischenzeitlich Nahrung für Insekten. Doch danach sei wieder Schluss. Auf anderen Flächen lasse sich im zweiten und dritten Jahr feststellen, dass sich dort Insekten angesiedelt und vermehrt haben.

Um Letzteres zu erleichtern, ist auch im Gebiet „Am Rennfeuer“ der Nabu mit von der Partie. Auf den Flächen des Discounters steht ein großes Insektenhotel. „Wir experimentieren mit verschiedenen Materialien“, erläutert Hans Fingerhut von der Ganderkeseer Ortgruppe. So finden sich dort neben kleinen Röhrchen etwa auch „Gebäude“ aus Hart- und Weichholz sowie ein größerer Lehmklumpen. Ein Teil der Insekten nehme das Angebot gerne an, ergänzt Wünker, andere – wie die Wildbiene – nutzten erkennbar den Boden. Und es sind nicht nur Kerbtiere, die sich in den Blühwiesen wohlfühlen: So habe er bereits Rehe, Fasane und Hasen beobachtet, berichtet Stefan Rücker von der in dem Gebiet ansässigen EWE-Netz.  fra

„Hotelgäste“: Insekten siedeln in den Röhrchen.

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