Popkantorin Karola Schmelz-Höpfner

Als Quereinsteigerin zur Kirche

Delmenhorst – Organisieren, Bands leiten und Musizieren, das sind einige der Tätigkeitsfelder von Karola Schmelz-Höpfner.

Die 36-Jährige aus Ganderkesee ist Popkantorin in der Stadtkirchengemeinde in Delmenhorst. Seit 2014 betreut die Popular-Musikerin verschiedene Chöre von Jazz bis Gospel. Die Coronalage macht ihrer Lieblingstätigkeit, mit anderen Menschen zusammen musizieren, derzeit fast unmöglich. Mit unserer Zeitung hat sie über die Zeit vor der Krise und während der Pandemie gesprochen.

Karola Schmelz-Höpfner, was ist eine Popkantorin?

In meinem Fall eine Kirchenmusikerin speziell für Popularmusik. Wobei ich nicht jeden Sonntag Gottesdienste spiele und dort statt der klassischen Orgel Popmusik mache, sondern, ich bin hier auf einer sogenannten Profilstelle, von der es zwei in der ganzen Oldenburgischen Landeskirche gibt. Da geht es darum, exemplarische Arbeit vor Ort zu machen, aber auch überregionale für die gesamte Landeskirche. Ich biete Workshops, Fortbildungen und Projekte an, um Kirchenpopularmusik zu fördern und zu entwickeln.

Gebürtige Ganderkeseerin: Karola Schmelz-Höpfner singt am Klavier.

Haben Sie das gelernt? Wie kamen Sie zur Kirche?

Ich habe Musik studiert. Allerdings nicht Kirchenmusik. Ich bin als Quereinsteigerin zur Kirche gekommen. Ursprünglich habe ich in Bremen Klavier studiert mit Schwerpunkt Instrumental-Pädagogik – Diplom-Klavierlehrerin. Nebenbei habe ich viel Popularmusik gemacht. Zwischendurch studierte ich auch Jazz, spielte als Jugendliche in einer Rockband und habe, seit ich denken kann, in Bandworkshops der evangelischen Kirche mitgemacht. Dort bin ich später Dozentin geworden und darüber in die Kirchenmusikschiene reingerutscht.

Wann war das?

Das war 2014. Da sind die Stellen ganz neu geschaffen worden. Da ist die gesamte Kirchenmusik in Oldenburg umstrukturiert worden. Das Problem ist, damals noch viel schlimmer als heute, dass es noch gar keine richtige Ausbildung für Popularkirchenmusik gibt. Man kann Kirchenmusik studieren, aber das ist ein sehr klassischer Studiengang mit Orgelspielen und klassischer Chorleitung. Popularmusik kommt da so gut wie gar nicht vor.

Wie kamen Sie zu dieser Idee? Gab es Vorbilder?

Gerade Gospel-Chöre gibt es schon sehr lange. Popmusik zu machen ist keine völlig neue Erfindung. Es geht darum, das zu professionalisieren, einen Ansprechpartner zu haben, so wie die klassische Kirchenmusik. Vorbilder gab es daher nicht. Ich mache gerne Popularmusik in allen möglichen Farben und Formen, ich arbeite gerne in Chören, ich bin ein gläubiger Mensch. Da kamen einfach mehrere Dinge zusammen, die passten.

Wie ist die bisherige Resonanz auf das Angebot?

Es wird über alle Altersgruppen hinweg sehr gut angenommen. Einige andere Landeskirchen verorten die Popularmusik manchmal nur in der Jugendarbeit. Dem ist aber gar nicht so. Die Generation, die mit den Beatles und ähnlichen Gruppen aufgewachsen sind, ist jetzt auch schon Jahrgang 60-Plus. Das heißt, wenn man sich Altersdurchschnitte in den Gospelchören anschaut, sieht man, dass es alle Altersgruppen anspricht.

Welchen Einfluss hat Corona auf Ihre Arbeit?

Es ist wirklich schlimm. Momentan spiele ich keine regelmäßigen Gottesdienste. Ich mache Projektarbeit, also ich habe ein Gospel-Chor, reise und biete Workshops an. Wir wollten einen großen Impulstag machen. Das fiel aus. Es geht immer darum, dass Leute zusammen kommen, gemeinsam musizieren und auch partizipieren. Das ist momentan alles ausgebremst. Seit mehr als 30 Jahren musste dieses Jahr erstmals auch unsere große Oster-Musikwerkstatt ausfallen. Das ist ein Band-Workshop mit 35 Teilnehmenden, die zehn verschiedene Bands bilden und zum Abschluss ein großes Konzert spielen.

Weihnachten steht vor der Tür. Gibt es Notfallpläne? Wie sind die Aussichten?

Natürlich überlegen wie wir, wie alle Gemeinden auch, was wir zu Weihnachten machen können. In Delmenhorst ist es wieder so weit, dass Präsenz-Gottensdienste ganz abgesagt wurden. Wir haben uns das ein oder andere Szenario für Weihnachten überlegt, zum Beispiel mit mehreren Kurzandachten. Am dritten Advent können wir unseren Kirchenraum, der derzeit renoviert wird, wieder nutzen. Dort passen aber auch nur 50 Leute rein. Es bleibt jedoch die Frage, ob das dann auch noch erlaubt ist. Wahrscheinlich werden wir etwas für alle auf Video produzieren. Das ersetzt aber nicht das Weihnachtserlebnis: vor dem Tannenbaum die Weihnachtsgeschichte zu hören. Da kann das „Youtube“-Video noch so gut produziert sein. Das ist sehr schwierig. Jetzt werden wir wohl wieder über die Internetplattform „Zoom“ arbeiten müssen. Da gibt es Latenzen (Verzögerungen in der Datenübertragung). Alle müssen ihr Mikrofon stumm schalten und können nicht zusammen musizieren. Die anderen können dann mich hören und jeder kann für sich von zu Hause aus mitsingen. Das hat aber natürlich nichts mit Chorproben zu tun. Da geht es eher darum, den Kontakt zu behalten, damit die Gruppe nicht auseinanderfällt. Was Notenlesen und Rythmuslehre angeht, werden wir uns Alternativen überlegen. Wir wollen die Zeit sinnvoll nutzen, in der wir nur über den Bildschirm arbeiten können.

Haben Sie Pläne für den Reformationstag?

Den Geburtstag meiner Tochter nachfeiern. Denn ursprünglich wollten wir am Samstag die Stadtkirche mit einem großen Tag der offenen Tür wieder einweihen. Das musste aufgrund coronabedingter Lieferschwierigkeiten für die letzten Bauteile verschoben werden. Dementsprechend habe ich jetzt einen freien Tag. Mal schauen, ob es vielleicht einen schönen Video-Gottesdienst geben wird.

Was ist Ihr nächstes musikalisches Projekt?

Das Einzige, was momentan halbwegs geht, sind Online-Geschichten. Da produziere ich ein neues Format „Neue Lieder lernen“. Das ist für alle, die gerne singen und auch in kirchlichen Zusammenhängen arbeiten, aber eben nicht nur. Dort stelle ich einmal im Monat neue Lieder vor. Eine Frischezufuhr sozusagen. Das Nächste ist am Donnerstag, 12. November. Schwerpunkt werden Advents- und Weihnachtslieder sein. Jeder kann sich da gerne einwählen und mir vorab eine E-Mail an popkantorin@gmx.de schicken.

Rubriklistenbild: © Hühne

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tel Aviv unter Beschuss - Medien-Hochhaus in Gaza zerstört

Tel Aviv unter Beschuss - Medien-Hochhaus in Gaza zerstört

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Rund 1750 Raketenabschüsse auf Israel - Viele Tote in Gaza

Rund 1750 Raketenabschüsse auf Israel - Viele Tote in Gaza

Meistgelesene Artikel

14-Jähriger flüchtet auf der A1 vor der Polizei

14-Jähriger flüchtet auf der A1 vor der Polizei

14-Jähriger flüchtet auf der A1 vor der Polizei
Corona: So niedrig war der Inzidenzwert schon lange nicht mehr

Corona: So niedrig war der Inzidenzwert schon lange nicht mehr

Corona: So niedrig war der Inzidenzwert schon lange nicht mehr
Carport- und Fahrzeugbrand greift auf zwei Wohnhäuser über

Carport- und Fahrzeugbrand greift auf zwei Wohnhäuser über

Carport- und Fahrzeugbrand greift auf zwei Wohnhäuser über
„B-Korridor“ führt wohl durch den Landkreis Oldenburg

„B-Korridor“ führt wohl durch den Landkreis Oldenburg

„B-Korridor“ führt wohl durch den Landkreis Oldenburg

Kommentare