Kostenübernahme für minderjährige Flüchtlinge nicht komplett geregelt

Abrechnung mit Land birgt Unsicherheiten für Jugendamt

Der Jugendhof Steinkimmen bietet viel Freiraum für die Flüchtlinge, liegt aber auch nicht sonderlich zentral. - Foto: bor

Steinkimmen - Von Ove Bornholt. Der Landkreis Oldenburg wird einen Teil der Kosten für unbegleitete minderjährige Asylbewerber, im Fachjargon Umas genannt, nicht vom Land erstattet bekommen. Das Land überweist zwar Geld für bestimmte Ausgaben, aber bei vielen Posten ist die Sachlage unklar.

„Es wird einen Betrag ,X‘ geben, auf dem der Landkreis sitzen bleibt“, sagt der leitende Sozialarbeiter Olaf Wessels. Gleichwohl seien die Aufwendungen nötig gewesen. Konkret geht es zum Beispiel um Material für den Deutschunterricht, die Erstausstattung mit Kleidern und den Sicherheitsdienst für den Jugendhof in Steinkimmen. Letzteres ist besonders irrwitzig, machte doch das Landesjugendamt den Sicherheitsdienst zu einer Auflage für die Einrichtung. Doch es handelt sich eben um keine Maßnahme der Jugendhilfe.

Der einsam in der Gemeinde Ganderkesee gelegene Jugendhof war in den ersten Monaten der Flüchtlingswelle die zentrale Aufnahmeeinrichtung für alle Umas im Landkreis. Derzeit leben dort noch acht von insgesamt 87 Umas im Kreis, der damit eine niedersachsenweite Quote erfüllt.

17 der jungen Leute im Alter von 14 bis 18 Jahren sind noch in der Inobhutnahme. Die anderen befinden sich in der sogenannten Anschlussunterbringung. Das heißt, sie leben entweder in Gastfamilien, haben Wohngemeinschaften mit anderen Umas gebildet – unter ambulanter Betreuung des Jugendamts –, oder wohnen in Einrichtungen wie dem Haus „Malala“ in Delmenhorst. Einige hat das Jugendamt an Familienangehörige vermittelt.

Auch bei der Gesundheitsversorgung gibt es Unklarheiten. Zwar sind die Jugendlichen krankenversichert, aber wenn einer von ihnen eine Brille braucht, stellt sich die Frage, ob die Kasse alle Kosten übernimmt oder die Jugendhilfe etwas dazugeben muss. „Es ist nicht klar definiert, ob wir diese Ausgabe erstattet bekommen“, so Wessels.

Auch die pädagogische Betreuung der jungen Leute wirft finanzielle Fragen auf. Bei der Gestaltung des Tagesablauf der Umas greift der Kreis auf die unter anderem in Ganderkesee ansässige Firma Plan A zurück. Deren Geschäftsführer nennt Fußballspielen und Schwimmengehen als Methoden, um einen Lagerkoller zu umgehen. Dazu habe auch das landestypische Essen beigetragen, ergänzt die Viasol-Geschäftsführerin Kerstin Lehmann. Die Firma betreibt den Hof. „Die Jugendlichen haben teilweise selber gekocht – von afrikanisch bis afghanisch“, sagt sie.

Ähnlich wie die jeweiligen Geschmäcker sind der Bedarf an Betreuung und die Reife der Jugendlichen sehr unterschiedlich. Einige seien ans Gymnasium vermittelt worden, berichtet Wessels. Andere haben auf ihrer Flucht Schreckliches erlebt. „Je schlimmer, desto weniger reden sie“, hat Plan-A-Geschäftsführer Michael Rubbert beobachtet. Durch die eingesetzten Muttersprachler ergäbe sich aber die Möglichkeit, sich zu öffnen.

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