Vom Geldfälscher zur Invasion der Heuschrecken: Elisabeth Schulenberg hat Erinnerungen an Mexiko niedergeschrieben

In der Fremde auch Skurriles erlebt

„Feliz Navidad“, frohe Weihnachten, steht auf einem nachempfundenen Weihnachtsbaum im Hause der Schulenbergs geschrieben. Als Last-Minute-Geschenk zu den Festtagen könnte sich das 300-seitige Buch mit Elisabeth Schulenbergs Mexiko-Erinnerungen empfehlen.

Harpstedt -  „Mein Papa läuft immer in die Garage, holt Scheine, und dann gehen wir einkaufen.“ Als eine Kindergärtnerin diese Antwort von einem Mädchen auf die Frage erhielt, „woher das Geld kommt“, schrillten die Alarmglocken. „Tatsächlich war der Vater Fälscher“, erzählt Peter Schulenberg aus Harpstedt schmunzelnd. „Das war eigentlich die tollste Geschichte, die wir in Mexiko erlebt haben.“ Sechs gemeinsame Jahre mit ihrem Mann Peter in Guadelajara hat Elisabeth Schulenberg jetzt in einem 300-seitigen Buch Revue passieren lassen.

„Mexiko – Erinnerungen – Euphorie und Realität“, heißt der im Eigenverlag erschienene Schmöker der pensionierten Lehrerin, den es ab sofort im „BücherLädchen“ von Ilse zur Hellen in Harpstedt zu kaufen gibt. Ein sehr persönliches Buch mit knackigen Dialogen, das vor allem Menschen ansprechen dürfte, „die uns kennen“, verrät die Autorin, die von 1995 bis 2001 zusammen mit ihrem Mann Peter Deutsch als Fremdsprache an einer mexikanischen Gesamtschule mit vorgeschaltetem Kindergarten unterrichtete und in einem Haus auf 1 500 Metern Höhe über dem Meeresspiegel wohnte.

Das Leben in der Fremde gestaltete sich ungleich abenteuerlicher als im beschaulichen Harpstedt. Die Geschichte vom Autodiebstahl zählt dabei fast noch zu den unspektakulären Episoden. „Wir hatten einen so schönen Chevy“, seufzt Peter Schulenberg. Er scheint dem Fahrzeug noch heute nachzutrauern. „Wir aßen in einem Restaurant zu Mittag, und als wir wieder herauskamen, war der Geländewagen weg. Geklaut. Und das kurz vor unserem Heimaturlaub!“ Die Versicherung zahlte den Tagespreis für einen zwei Jahre alten Gebrauchtwagen, aber bedingt durch die Inflation konnte die erstattete Summe den Verlust nicht kompensieren.

Gefährliche Insekten schlichen sich immer wieder durch die Türritzen und die Lamellenfenster in das angemietete Wohnhaus der Harpstedter. Peter Schulenberg hat seine „Opfer“ gezählt: „58 Skorpione habe ich platt gemacht.“ Schmunzelnd fügt seine Frau hinzu: „Da war nichts mit Tierschutz.“ Das Ehepaar erzählt vom Besuch eines Freundes ihres Sohnes Timo, der allergisch auf Wespenstiche reagierte: „Ihm kroch sogar ein Skorpion am Bein hoch. Am nackten Bein, denn er trug keine langen Hosen.“ Die Geschichte ging glimpflich aus. Am Ende war der Skorpion „Geschichte“ – und der ziemlich verschreckte Besucher unversehrt.

Apropos Insekten: Ein imposantes Naturschauspiel genoss das Ehepaar Schulenberg bei einem Ausflug in einen Nationalpark im Bundesstaat Michoacan. Millionen von Nomadenschmetterlingen mit etwa zehn Zentimetern Flügelspannweite überwinterten in den Bergen. „Wir kamen sehr früh dort an. Die Monarchfalter saßen in Trauben an Bäumen, und als die Sonne sich zeigte, lösten sie sich, und ganze Schwärme flatterten durch die Luft“, entsinnt sich Elisabeth Schulenberg an das einmalige Erlebnis, das, wie sie einräumt, aber „sicher nichts für Menschen mit Insektenphobie“ sei. Als unheimliche Begegnung der tierischen Art erlebte sie hingegen eine Invasion der Heuschrecken auf Nahrungssuche: „Diese Viecher um sich zu haben, ist wirklich alles andere als angenehm.“

Verblüfft reagierte die Harpstedterin auf Krokodile in einer Lagune am Pazifik in La Manzanilla, die nur durch einen wenig Vertrauen erweckenden Zaun abgeschirmt von Menschen lebten. „Sie werden fast wie Haustiere gehalten. Die Fischer werfen Fischreste über den Zaun. Dann seien die Tiere friedlich, erzählte uns die Vermieterin unseres Bungalows. Von etwaigen Angriffen der Krokodile auf Menschen haben wir nichts gehört. Aber ein Hund soll einmal auf ominöse Weise verschwunden und nicht wieder aufgetaucht sein“, sagt Elisabeth Schulenberg. Vorm Baden in der Lagune habe ein Schild gewarnt – in Verbindung mit einem darauf abgebildeten Krokodil.

In ihrem Buch schildert die Autorin auch das „Schicksal“ eines Mexiko-erfahren Kollegen, der von einem Taxifahrer K.O.-Tropfen bekam und sich ausgeraubt auf einer Müllhalde wiederfand.

Als die reinste Tierquälerei empfanden die Schulenbergs ein mexikanisches Rodeo. Dabei versuchten Charros, mexikanische Cowboys, um sie herum laufende Pferde einzufangen, indem sie ein Lasso um die Beine warfen. „Das gelingt ihnen auch. Aber die Tiere kommen natürlich zu Fall. Wir mussten miterleben, wie sich ein Pferd ein Bein brach“, so die pensionierte Lehrerin.

Die Privatschule im Tal Las Canadas, an der die heute 65-Jährige und ihr Mann Deutsch lehrten, habe rein äußerlich ein wenig wie ein Sanatorium ausgesehen, sei aber insgesamt „wunderschön“ gewesen. Deutsch-Unterricht habe dort einen Schwerpunkt gebildet. Kinder aus recht elitären Kreisen hätten die Schule besucht, darunter auch Enkel des bekannten Tequila-Herstellers „Cuervo“.

Obgleich Guadelajara als Umschlagplatz für „Schnee“ gilt, haben die Schulenbergs in ihrem Unterrichtsalltag nie mit Drogenproblemen von Jugendlichen zu tun gehabt. Aus Erzählungen hörten sie allerdings von einem ominösen Todesfall: Der Vater eines Schülers war ermordet, in einen Kofferraum gelegt und das Auto dann angezündet worden. Die Frau des Getöteten geriet ins Visier der Ermittler. „Man hat ihr einen Auftragsmord unterstellt“, weiß Elisabeth Schulenberg. Diese Begebenheit findet in ihrem Buch aber nur am Rande Erwähnung. Alles in allem enthält der Schmöker verblüffende, anrührende, schöne und skurrile Erinnerungen – Geschichten, die eben nur das Leben schreibt.

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