Serie

Kinder, Karriere, Kommunalpolitik

Spielzeugfiguren und Geld vor dem Kreishaus
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Familie, Job und politisches Mandat zu vereinbaren ist eine Herausforderung.

Nur etwa jedes vierte Mandat in der Kommunalpolitik ist von einer Frau besetzt. Woran liegt das, was erleben die engagierten Frauen, und welche Ideen haben Sie für eine weiblichere politische Zukunft? Fünf Kommunalpolitikerinnen erzählen - aus Räten und Kreistagen.

Viel Rosa, wenig Lila: Der Gleichstellungsatlas des Frauenbundesministeriums zeigt, dass der Frauenanteil in den Kommunalparlamenten selten hohe Werte erreicht. Bundesweit sind nur 27,7 Prozent der Mandate in Gemeinderäten und Kreistagen mit Politikerinnen besetzt. In Niedersachsen sind es 26,5 Prozent, im Landkreis Oldenburg 28,1. Dieses Missverhältnis hat eine gewisse Beständigkeit: Bereits 2008 waren die Zahlen den aktuellen sehr ähnlich. Sowohl im Bund als auch im Land sind sie seitdem um nur 2,1 Prozent gestiegen. Die Kommunalwahlen in knapp einem Jahr - am 12. September 2021 - könnten das ändern.

Aber was sind die Gründe für diesen geringen Frauenanteil? Die Autoren der Studie „Engagiert vor Ort“ des Frauenbundesministeriums kommen zu dem Schluss: „Die befragten Kommunalpolitikerinnen geben männlich dominierte Strukturen als einen der Hauptgründe an, die Frauen vom Schritt ins kommunalpolitische Engagement abhalten. Über die Hälfte beklagt Mängel in der politischen Kultur.“ Die Untersuchungsergebnisse legen zudem nahe, dass auch der Wohnort ein wichtiger Faktor ist: „Während in den politischen Gremien der Großstädte zwischen 30 und 40 Prozent Frauen engagiert sind, nehmen die Werte kontinuierlich ab, je kleiner die Kommune wird und je ländlicher die Region.“

Frauen werden als Spitzenkandidatinnen aufgestellt, wenn die Chancen der Partei sowieso aussichtslos erscheinen.

Studie „Engagiert vor Ort“

Mehr als die Hälfte der vom Ministerium Befragten hätten angegeben, von Partei- oder Ratsmitgliedern angesprochen worden zu sein, ob sie aktiv werden wollten. Das sei einerseits ein wichtiger Punkt, andererseits eine zweischneidige Angelegenheit. „Oftmals bedarf es spezifischer politischer Konstellationen, damit Frauen als Spitzenkandidatin aufgestellt werden“, heißt es in der Studie. „Zum Beispiel dann, wenn die Situation in der Kommune verfahren und deshalb die innerparteiliche Konkurrenz verhältnismäßig gering ist. Oder wenn die Chancen der betreffenden Partei ohnehin aussichtslos erscheinen.“

Wie ist die Lage vor Ort? Im Landkreis Oldenburg gibt es ebenfalls deutlich mehr männliche Abgeordnete.

Auch im Landkreis Oldenburg ist eine 50-50-Parität von Männern und Frauen in den politischen Gremien nirgends erreicht. Im Schnitt ist rund ein Viertel der Mandate (28,1 Prozent) in weiblicher Hand. Wie fühlt es sich an, als einzige Frau in eine Männerrunde zu kommen – und dort möglicherweise auch noch unbeliebte Positionen zu vertreten? Welche Hürden sehen Frauen für ihr Engagement vor Ort? Was würden sie Interessierten raten? Und was könnte wirklich dazu beitragen, die Gleichstellung in der Kommunalpolitik zu verbessern?

Diese Fragen liegen der Serie „Kinder, Karriere, Kommunalpolitik“ zugrunde, in der fünf Politikerinnen zu Wort kommen. Sie gehören unterschiedlichen Parteien an und haben verschiedene Wege gewählt: Manche von ihnen sind bereits seit ihrer Jugend aktiv, andere haben erst später für ein Amt kandidiert. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie Kinder haben und einen Beruf ausüben – sie kennen also die Zerreißprobe, die Familie, Job und Engagement darstellen kann.

Als ich mich entschieden habe, für den Kreistag zu kandidieren, war meine jüngste Tochter drei Jahre alt, das jüngste von fünf Kindern.

Marlies Hukelmann, CDU

Außerdem treten sie alle dafür ein, bei der Kommunalwahl 2021 den weiblichen Anteil zu erhöhen. Ob das passieren wird, ist schwer zu sagen. Die Parteien gehen mit unterschiedlichen Voraussetzungen an den Start: Für manche gelten interne Quoten, was den Geschlechtermix angeht, für andere nur Zielvereinbarungen. Und auch unter den Mitgliedern schwankt der Anteil der Frauen erheblich – zwischen 41 Prozent bei den Grünen und 21,6 bei der FDP.

Die fünf Teile der Serie

Teil 1: Irene Kolb, Bündnis 90/Die Grünen

Irene Kolb, Harpstedt

Link zum Porträt

Teil 2: Lara Molde, SPD

Lara Molde, Ganderkesee

Link zum Interview

Teil 3: Marlies Hukelmann, CDU

Marlies Hukelmann

Link zum Interview

Teil 4: Imke Haake, FDP

Imke Haake, Großenkneten

Link zum Porträt

Teil 5: Katja Radvan, Die Linke

Katja Radvan, Hatten

Link zum Interview

Weiterführende Links

Das Recherchenetzwerk „Correctiv lokal“ hat zahlreiche Kommunalpolitikerinnen aus Nordrhein-Westfalen zu ihrer Situation befragt: https://correctiv.org/aktuelles/2020/08/21/sexismus-und-maennerdominanz-was-frauen-in-der-kommunalpolitik-erleben/

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt einen Gleichstellungsatlas heraus, der interaktiv funktioniert: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/online-rechner/gleichstellungsatlas

Das Land Niedersachsen will mit dem Mentoringprogramm „Frau.Macht.Demokratie“ Frauen für die Kommunalpolitik gewinnen: http://www.frau-macht-demokratie.de/

Zahlen und Fakten zu Frauen in den deutschen Kommunalparlamenten bietet ein Video des Helene-Weber-Kollegs, das mehr Frauen in die Politik bringen will:

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