Eine Vechtaerin führt die Hamburger FDP unverhofft in die Bürgerschaft – und Westerwelle atmet auf

Frau Sudings lange Nacht

Willkommen in Berlin: Guido Wetserwelle zeigt Katja Suding in der Bundeszentrale den Weg – politisch läuft‘s umgekehrt.

Oldenburg - VECHTA/HAMBURG (dn) · Am Tag nach dem größten Triumph ihrer politischen Karriere war es eine mühevolle Aufgabe, Katja Suding zu erreichen. Nichts macht eben so begehrt wie Erfolg; erst Recht in einem Super-Wahljahr. „Frau Suding ist gerade beim Bundesvorstand“, richtete Pressesprecher Thilo Stolpe mittags via Handy aus und versprach: „Sie ruft in anderthalb Stunde zurück.“

Als Katja Suding drei Stunden später dann tatsächlich zu erreichen war, war die Hamburger Spitzenkandidatin der FDP gerade auf dem Sprung – von der Bundespressekonferenz zurück in die Hansestadt. Erstaunlicherweise klang die 35-Jährige aus Vechta auch nach einem langen Wahlabend und nervenaufreibender Terminhetze weder gestresst noch müde; nach einer „endlos langen Nacht“, wie sie selbst bekannte. „Natürlich haben wir noch angemessen gefeiert“, berichtete die PR-Managerin, nachdem sie die Hamburger Liberalen am Sonntag mit 6,6 Prozent der Stimmen sensationell in die Hamburger Bürgerschaft geführt hatte: „Ich habe auch schon viele Glückwunsche aus Vechta bekommen, von Freunden und Verwandten aus der alten Heimat.“

Fast zehn Jahre ist es inzwischen her, dass sie aus der Reiterstadt zu ihrem Mann an die Elbe gezogen ist. Erst 2006 fing sie an, sich politisch zu engagieren; zwei Jahre, nachdem die Hamburger Liberalen bei der Bürgerschaftswahl mit 2,8 Prozent noch hinter die Splitterpartei „Pro-DM“ abgestürzt und sang- und klanglos aus dem Hamburger Parlament geflogen waren. Ein Comeback war für 2011 eigentlich nicht abzusehen: Die FDP dümpelte in den Umfragen bei indiskutablen drei Prozent herum. Bis Katja Suding kam. Am 4. Januar wählte die Landespartei sie zur Spitzenkandatin für die vorgezogene Wahl, die nötig geworden war, weil die Grünen die Koalition mit der CDU aufgekündigt hatten. „Damals sah‘s finster aus“, erinnert sich die Mutter zweier Söhne: „Uns hatte niemand auf dem Zettel, vielleicht sogar viele in der eigenen Partei nicht.“

Doch mit einem Wahlkampf, der ganz auf die smarte Vechtaerin zugeschnitten war, startete die FDP eine Aufholjagd, die kaum jemand für möglich gehalten hätte. Die Belohnung: Neun Sitze in der Bürgerschaft und eine Signalwirkung für den Rest des Jahres, in dem noch fünf weitere Landtagswahlen anstehen. „Trotzdem: Wir haben da kein Wunder vollbracht“, betonte Suding, „sondern mit den richtigen Themen gepunktet.“ Und mit der richtigen Spitzenkandidatin, wie Guido Westerwelle gestern hinzufügte. Der selbst in den eigenen Reihen höchst umstrittene Bundesvorsitzende müsste seiner Hamburger Parteifreundin eigentlich ein Denkmal setzen: Katja Suding hat ihm mit ihrem unverhofften Erfolg vorerst eine Gnadenfrist verschafft. Die Boulevard-Presse verpasste ihr den Spitznamen „Guido‘s next Topmodel“. „Sie war für den Wahlausgang sehr entscheidend“, bedankte sich Westerwelle gestern Nachmittag während in der Bundeszentrale in Berlin artig; und Katja Suding strahlte dazu: „Das wird der ganzen Partei Rückenwind geben.“

Wenig später saß sie dann schon wieder im Zug zurück nach Hamburg – nächster Termin: Landesparteitag am Abend. „Gerade geht‘s wirklich Schlag auf Schlag“, sagt sie und klingt, als hätte sie dabei mächtig Spaß. Erfolg macht eben nicht nur begehrt, sondern manchmal auch stressresistent.

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