„My flying Table“

Stewardess serviert zahlenden Gästen bei sich Zuhause

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Verena Kleffner serviert in ihrem Wintergarten in Wildeshausen ihren Gästen das Essen. Die Stewardess betreibt unterstützt von ihrem Mann, der Pilot ist, bei sich zu Hause Niedersachsens einziges offizielles Privatrestaurant.

Wildeshausen - Von Janet Binder. Wer im Restaurant „My flying Table“ essen möchte, muss lange im Voraus buchen. „Ein halbes Jahr Wartezeit ist keine Seltenheit“, sagt Betreiberin Verena Kleffner.

Der Erfolg liegt nicht nur an ihren Kochkünsten, sondern vor allem am ungewöhnlichen Ort ihres Lokals: Die Gäste speisen im Wintergarten ihres Einfamilienhauses in Wildeshausen. Die Stewardess betreibt Niedersachsens einziges Privatrestaurant, das anders als Untergrundlokale - wie etwa in Berlin der „Shychef“ oder der „Thyme Supperclub“ - offiziell angemeldet ist.

Viermal im Monat serviert Kleffner an ihrem langen Holztisch ein Sechs-Gänge-Menü für zehn Gäste. Auf dem Speiseplan an diesem Abend: Spargel-Linguini mit Parmesansoße und Kalbsfilet mit Safransoße. Zunächst bekommen die Besucher aber einen Salat mit essbaren Blüten. „Das mag man ja gar nicht essen“, sagt Susanne Stegmüller bewundernd. Sie ist mit ihrem Mann Ralf Brüggemann bereits das zweite Mal gekommen. Die beiden Hamburger haben zwei Freunde mitgebracht. Die anderen sechs Gäste kennen sie nicht.

„Das ist ja das Spannende dabei: Du weißt vorher nicht, was Dich erwartet“, sagt Brüggemann. Die besondere Atmosphäre hat auch Brigitte und Norbert Mörig gereizt, die zusammen mit Tochter und Schwiegersohn von Siegburg aus 300 Kilometer weit gefahren sind. „Ich finde es bewundernswert, wenn jemand sich privat die Mühe macht, für zehn Personen zu kochen“, sagt Brigitte Mörig.

„Ich habe schon immer gerne gekocht“, begründet die 46-jährige Kleffner ihre Motivation. Ihr Mann Timo, der als Pilot arbeitet, sei auf die Idee mit dem Privatrestaurant gekommen. Ein Untergrundlokal zu führen, wie es in den Metropolen gerade Mode ist, kam für die Kleffners nicht infrage, auch wenn die Stewardess ihre Menü-Abende als reines Hobby betrachtet. Sie musste viel Geduld haben, bis sie ihre Gastronomie anmelden konnte. „Bei den Behörden hat erst niemand begriffen, was ich wollte“, erinnert sie sich.

Diesen Aufwand haben die Köche des geheimen Lokals „innen schön rosa“ in Göttingen gar nicht erst betrieben. Für Johanna und Christoph war klar, dass sie nur vier bis fünf Essen pro Jahr in ihrem privaten Esszimmer anbieten wollten. Wer bei den beiden speisen möchte, muss über ihre Internetseite Kontakt aufnehmen. Erst mit einer Zusage bekommen die Gäste die Adresse mitgeteilt.

"My flying Table" in Wildeshausen

„My flying table“ in Wildeshausen

„Wir waren uns lange Zeit nicht sicher, ob ein solches Konzept auch in einer kleineren Stadt wie Göttingen funktionieren würde“, berichten die 26 und 28 Jahre alten Betreiber, die ihren Nachnamen nicht verraten wollen. Begonnen haben die beiden vor rund einem Jahr - nach wie vor haben sie damit vermutlich den einzigen Supperclub in Niedersachsen. „Das besondere an “innen schön rosa“ ist die kleine, intime Atmosphäre, die unser privates Esszimmer ausstrahlt“, betonen sie. Die Gästen fühlten sich, als würden sie bei Freunden eingeladen sein - mit dem Unterschied, dass sie weder die Gastgeber noch die anderen Gäste kennen.

In Wildeshausen serviert inzwischen Timo Kleffner eine Kokos-Orangen-Ingwersuppe. Der 43 Jahre alte Pilot hilft seiner Frau bei den Abendessen, wann immer es sein Flugplan erlaubt. Er freut sich, wenn sich Menschen kennenlernen, die sonst nichts miteinander zu tun gehabt hätten. „Wir hatten mal einen Unternehmer aus Hamburg mit Einstecktuch zusammen mit einem bis zum Hals Tätowierten an einem Tisch“, erinnert er sich. „Das war ein lustiger Abend.“ dpa

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