Atlas-Eigner geht mit Angestellten, Betriebsrat und Gewerkschaft hart ins Gericht

Filipovs Rundumschlag

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrGANDERKESEE · Wenn man die Stimmung im Arbeitskampf bei der Atlas Maschinen GmbH beschreiben will, drängt sich ein Ausdruck auf: Es herrscht banges Warten. Und zwar nicht nur bei den Arbeitenden des Werkes Ganderkesee, die seit fünf Tagen auf dem Firmengelände streiken, sondern auch bei den Vertretern der betroffenen Gemeinden – und sogar bei Filip Filipov.

Der Atlas-Eigentümer, der die Verhandlungen mit der IG Metall bislang so strikt abgelehnt hat, scheint mit seinem Latein am Ende. „Es wurde vieles in Umlauf gebracht, was nicht wahr ist“, äußerte sich Filipov gestern und meinte damit unter anderem die angebliche Zahl von 290 Streikenden in Ganderkesee. In Wahrheit, so Filipov, seien allein 99 der 305 Angestellten über den ersten Streiktag regulär zur Arbeit erschienen. Der Bulgare wandte sich per Brief zum wiederholten Mal an seine Mitarbeiter in Ganderkesee. „Dieser Streik ist illegal“, lautet die Hauptbotschaft des Schreibens, in dem Filipov hart mit seinen Angestellten und der IG Metall ins Gericht geht. „Sie haben Geschichte geschrieben – der erste Streik bei Atlas: Darauf sollten Sie nicht stolz sein.“ Die Gewerkschafter nannte Filipov „professionelle Streikende, die Ihnen sagen, was sie tun sollen“. Und der Firmeneigner ging sogar noch weiter. Die IG Metall werde „Atlas zerstören und dann die nächste Firma ins Visier nehmen. Alles, was die wollen, ist Aufmerksamkeit.“

Das zumindest hat die IG Metall bislang zweifellos erreicht. Von den Kollegen und aus der Politik schlägt der streikenden Belegschaft eine Welle der Sympathie entgegen. In der Branche allerdings regt sich Besorgnis über den andauernden Disput. In einem Schreiben des britischen Partners Atlas Cranes, ebenfalls unter Filipovs Kontrolle, kündigte der Finanzvorstand Jackie Kilcoyne an, eine Abordnung nach Deutschland zu schicken, damit „die Kollegen Vernunft annehmen“. Kilcoyne äußerste vor dem Hintergrund des ungewissen Ausgangs in Deutschland sogar Bedauern, dass eines der britischen Werke seine Tore geschlossen hat. Wind in die Segel Filipovs, der die Schuld an der Eskalation dem Betriebsrat zuspielt. „Man hätte sich mit mir treffen können, statt erst einmal die IG Metall einzuladen“, so der Bulgare, „statt die Mitarbeiter bei der Geschäftsleitung zu vertreten, läuft der Betriebsrat ständig zur Gewerkschaft.“ Wer darin eine indirekte Einladung zu Verhandlungsgesprächen sieht, hat Recht: „Ich habe mich nie geweigert, mit irgendwem zu sprechen, außer mit der IG Metall. Die Betriebsräte können den Streik beilegen, wenn sie mit mir verhandeln.“

Ob das geschieht, dürfte sich morgen entscheiden. Dann berät die Streikleitung über das weitere Vorgehen, allerdings scheint eine Einigung nur über die IG Metall um den Oldenburger Geschäftsführer Hartmut Tammen-Henke – der jedoch ist für Filipov längst zur persona non grata geworden. Schlechte Voraussetzungen für ein konstruktives Gespräch. Dabei seien, so Filipov, die Ansichten von Belegschaft und Firmenleitung eigentlich nicht weit vonein-ander entfernt: „Ich habe doch bereits zugesagt, dass die derzeitigen Verträge ihre Gültigkeit behalten.“

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