Das Filmfest Oldenburg steht finanziell vor einer ungewissen Zukunft / Trailer offiziell vorgestellt

Existenzangst und ein Froschwitz

„Pound of Flesh“ von Tamar Simon Hoffs feiert in Oldenburg Weltpremiere.

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrOLDENBURG · Alles beginnt mit Bela B., der in seinem Garten die Pflanzen wässert. Er dreht sich zur Kamera um und fängt an, auf Englisch einen Witz zu erzählen: „Sitzt ein Betrunkener an der Bar...“ Es ist der Auftakt zum großartig-minimalistischen Trailer des 17. Filmfestes Oldenburg (15. bis 19. September), „The Aristofrogs“, in dem Schauspieler und Regisseure zusammen einen Froschwitz erzählen. Jeder an einem anderen Ort, jeder auf seine Weise – ein kleines Gesamtkunstwerk mit einer bitterbösen Botschaft an die Stadt Oldenburg.

„Die Stadtverwaltung hat in ihrem Haushalt beschlossen, die Fördergelder zu halbieren, möchte allerdings einen Amphibienteich für rund 40 000 Euro anlegen“, erklärte Filmfest-Leiter Torsten Neumann während einer Pressekonferenz gestern im EWE Forum: „Das hat uns bei der Themenfindung für den Trailer geholfen.“

So absurd dieser Zusammenhang freilich ist, so ernst ist doch das Problem, auf das er hinweist. Denn das Filmfest steckt in Schwierigkeiten. Die Kürzung der städtischen Förderung von 100 000 auf unter 50 000 Euro lässt bei aller Vorfreude auf die aktuelle Ausgabe die Existenzangst umgehen. „Ehrlich gesagt: Wenn es so weitergeht, wissen wir nicht, ob es nächstes Jahr noch ein Filmfest gibt“, sagt Neumann und findet klare Worte für das Gebahren der Stadt: „Eine solche Kürzung ist eigentlich eine Aufforgerung, den Laden dichtzumachen.“ Mit viel Aufwand sei ein Budget von etwa 300 000 Euro zustande gekommen: „Wenn man mir das vor einem Jahr gesagt hätte, hätte ich gesagt: ,Keine Chance‘.“

Immerhin: Für Auflage Nummer 17 besteht dank einiger Sparmaßen keine Gefahr, weder finanziell noch künstlerisch, denn das 40 bis 45 Filme umfassende Programm, das Neumann und sein Team aufgestellt haben, ist exquisit. Um nur einige Highlights zu nennen: Giada Colagrandes Film „A Woman“ mit Colagrandes Ehemann Willem Dafoe in der Hauptrolle, Die Literaturverfilmung „Mr. Nice“ von „Stammgast“ Bernard Rose und „Room in Rome“ vom spanischen Kultregisseur Julio Médem. „Er ist für mich das intereassanteste, was das europäische Kino momentan zu bieten hat“, sagt Neumann. Zum Abschluss des Festivals wird die Weltpremiere von „Pound of Flesh“ gespielt, bei der Tamar Simon Hoffs Regie geführt hat. „Auf eine solch hochkarätige Premiere freuen wir uns ganz besonders, denn außer der Regisseurin wird auch Ehrengast Timothy Buttoms zugegen sein.“

Premieren gibt es auch für zwei Spielorte: das EWE Forum und den Fliegerhorst Oldenburg, wo die Eröffnungsgala steigen wird. Außerdem ist das Filmfest wie im vergangenen Jahr im „Cine k“, dem OLB-Kino, in zwei Sälen des Cinemaxx und in der Exerzierhalle zu Gast. Erstmals seit 2005 ist auch das Casablanca wieder dabei, ebenso wie die JVA. Außerdem gab Neumann die Jury-Präsidentin für den „German Independent Award“ bekannt: Die kanadische Schauspielerin Deborah Kara Unger.

Zur Einstimmung, um wieder zum Frosch zurückzukommen, laufen am Stattstrand schon im August zwei Klassiker mit dem „Filmfest-Maskottchen“: „Cane Toads – An unnatural History“ erzählt morgen ab 21.30 Uhr die Geschichte der dummen Idee der australischen Zuckerrohr-Industrie, die Aga-Kröte als Schädlingsbekämpfer einzuführen – mit fatalen Folgen. Eine Woche später läuft „Frog-g-g!“, ein schaurig-komischer Horror-Film von Cody Jarrett. Ganz nach Torsten Neumanns Ankündigung: „Der Frosch wird allgegenwärtig sein.“

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