Langschläfer horchen auf: Die Grünen bringen den Schulanfang um 9 Uhr wieder ins Gespräch

Eulen, Lerchen und die Noten

Dürfen die Schüler am Neuen Gymnasium in Oldenburg bald länger schlafen?

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrOLDENBURG · Es ist jedes Jahr das gleiche: Nachdem Niedersachsens Schüler sechs Wochen lang bis in die Mittagsstunden ausschlafen konnten, beginnt mit dem Ende der Sommerferien wieder Ernst des Lebens – und damit auch die Zeit frühen Aufstehens und der unerhörten Wecker. Doch nun lässt ein Vorschlag der Bremer Grünen auch die Schüler im Umland aufhorchen: Warum den Beginn der ersten Unterrichtsstunde nicht auf 9 Uhr verlegen?

„Ja, warum eigentlich nicht?“, fragt auch Ina Korter aus der Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag, „das passt besser in den Biorhythmus und würde morgens in vielen Familien einiges entzerren“.

Die Gegenfrage liegt allerdings auf der Hand: Würde der Aufwand einer Umstellung auf 9 Uhr als Anfangszeit den Aufwand rechtfertigen? „Das glaube ich kaum“, meint Regina Prehmke vom Neuen Gymnasium in Oldenburg, „das würde alles innerhalb und außerhalb der Schule durcheinander bringen. Die Planung wäre sehr zeitintensiv.“

Befürworter einer Verlegung der Schule nach hinten erhalten jedoch Unterstützung von der Wissenschaft. Studien belegen schon lange: Mehr Schlaf fördert die Leistungsfähigkeit. Viele Schüler verbringen die ersten Unterrichtsstunden in einem Dämmerzustand, weil die meisten Jugendlichen ab zwölf Jahren „Eulen“ sind, zu deutsch: Nachtmenschen. Und die leiden mehr unter Schlafmangel als „Lerchen“, die Frühaufsteher, die in der Regel notenmäßig besser dastehen. „,Eulen‘ sind um 8 Uhr morgens nicht annähernd so leistungsfähig wie eine Stunde später“, sagt Jürgen Zulley vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg, und Ina Korter ergänzt: „Schüler in der Pubertät brauchen mehr Schlaf, das ist erwiesen. Ich würde es begrüßen, wenn 9 Uhr als Startzeit mal bei den Verantwortlichen diskutiert würde.“

Dumm nur für die Schüler, dass Schulen und Gemeinden in Niedersachsen selbst über ihren Unterrichtsplan entscheiden, und zumindest am Neuen Gymnasium steht eine späterer Beginn momentan nicht zur Debatte. Dort hat man stattdessen die Stundenstruktur umgestellt. Kleine Pausen zwischen den Stunden fallen weg, dafür gibt es 25- beziehungsweise 30-minütige Erholungszeit zwischen den Doppelstunden. „Das halte ich eher für sinnvoll“, sagt Regina Prehmke und betont: „Um 9 Uhr anzufangen würde auch einige Probleme mit der Beförderung sich bringen.“

Allerdings sind die in der Realität wohl nicht annähernd so groß, wie viele befürchten. Laut Morell

Predoehl, dem Sprecher der Verkehr und Wasser Oldenburg (VWG), stünde einer Verschiebung des Schulbeginns nach hinten aus Sicht des öffentlichen Nahverkehrs nichts im Wege. „Das könnten wir ohne Zweifel leisten“, meint Predoehl, „und das hätte einen großen Vorteil: Im Moment kommen Schüler und Studenten geballt gegen halb acht und bereiten uns manchmal Schwierigkeiten. Wenn die Schüler später kommen, wäre ein Problem schon gelöst.“ Mit der Annahme, eine Umstellung des Fahrplans würde Komplikationen mit sich bringen, räumt Predoehl gleich mit auf. „Das stimmt so nicht. Eigentlich ist es egal, ob wir um 8 oder um 9 Uhr die Stoßzeit haben. Das ist keine große Sache.“

Das letzte Wort scheint also noch nicht gesprochen. Auch wenn die Schulen bislang noch skeptisch sind: Vielleicht dürfen Langschläfer schon bald auf Besserung hoffen.

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