Außergewöhnlicher Zug rollt durch das Oldenburger Land / Ausstellung gedenkt der im Nationalsozialismus Deportierten

Erinnerungen statt Passagiere an Bord

Die Ausstellung im „Zug der Erinnerung“ gedenkt der deportierten Kinder und Jugendlichen im Nationalsozialismus.

Oldenburg (eb/cs) · Es ist ein außergewöhnlicher Zug, der in den kommenden Wochen durch das Oldenburger Land rollt. An Bord sind keine normalen Fahrgäste, sondern Erinnerungen. Fotos, Briefe und andere Ausstellungsstücke sollen bewusst machen, dass vor gerade einmal etwas mehr als sechzig Jahren Züge durch Deutschland fuhren, die die Passagiere an einen Ort voller Leid, Elend und Tod brachten.

Der „Zug der Erinnerung“ macht auch in Delmenhorst, Vechta und Oldenburg halt. Mit der Ausstellung im Zug wird der Kinder und Jugendlichen gedacht, die zur Zeit des Nationalsozialismus deportiert wurden. Die Zahl der minderjährigen NS-Opfer, die auf dem Schienenwege in Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt wurden, wird auf 1,5 Millionen geschätzt. „In einer Zeit, in der rechtsradikales Denken, Reden, und Tun unsere Gesellschaft auf neue Art herausfordert, ist es gut, sich zu erinnern“, begründet Heinrich Timmerevers, Weihbischof des Bischöflich Münsterschen Offizialats, warum die katholische Kirche den Zug im Rahmen des Projekts „Würdenträger“ in die Region eingeladen hat. Denn dieses richtet sich gegen Rechtsradikalismus. „Die Erinnerung hilft uns zu begreifen, dass wir mit Entschiedenheit für die unveräußerliche Menschenwürde einstehen müssen“, betont der Weihbischof.

Der „Zug der Erinnerung“ besteht aus einer historischen Dampflok und mehreren Ausstellungswaggons, in denen Fotos und Briefe der Deportierten gezeigt werden. Ziel des Zuges ist die Gedenkstätte Auschwitz. Initiatoren sind Bürgerinitiativen aus ganz Deutschland, die damit „einen Beitrag gegen Antisemitismus, Fremdenhass und nationalen Größenwahn“ leisten wollen.

Der erste Halt des Zuges ist der Delmenhorster Bahnhof. Interessierte haben von Montag, 19., bis Mittwoch, 21. Oktober, die Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen. Geöffnet ist sie täglich von 17 bis 18 Uhr, teilweise bis 19 Uhr. Am Bahnhof in Oldenburg macht der Zug vom Donnerstag, 22., bis Sonnabend, 24. Oktober, Station. Am Sonnabend ist die Ausstellung für einzelne Besucher von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Anschließend ist der Zug für drei Tage (23. bis 28. Oktober) in Wilhelmshaven. Der letzte Halt des Zuges im Oldenburger Land ist vom Donnerstag, 29. Oktober, bis Sonntag, 1. November, im Bahnhof in Vechta. Am 1. November kann der Zug zwischen 10 und 17 Uhr besucht werden.

Besonders richtet sich die Ausstellung aber an Gruppen. Ab einer Stärke von fünf Personen können diese sich im Internet unter http://www.kirchentuer.de/zug anmelden. Einzelpersonen können sich den Gruppen ohne Anmeldung anschließen.

Weihbischof Timmerevers lädt besonders Jugendliche ein, den Zug zu besuchen. „Auf ihnen ruht unsere Hoffnung, dass Respekt und Nächstenliebe Bestand und Durchsetzungsvermögen haben.“

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