Dr. Ellwanger: Habe Menschen kennen gelernt, die mir viel gegeben haben

Erinnerung an spannende Begegnungen bleibt

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenIn den 16 Jahren, in denen er das Archiv der Samtgemeinde Harpstedt pflegte, hat Dr. Jürgen Ellwanger nach eigenem Bekunden Menschen kennen gelernt, „die mir viel gegeben haben“. Dazu rechnete er während einer Feierstunde zu seiner Verabschiedung am Mittwochabend im Hotel „Zur Wasserburg“ Rolf Weber, den Autor des „Dorfbuchs Klein Henstedt“, Otto Bach, der lange das Twistringer Archiv betreute, und Konrad Knolle aus Harpstedt. „Alle drei leben leider nicht mehr“, bedauerte er.

Ellwanger nannte ferner Harald Grimsehl, den Sohn des früheren Rektors und Chronisten Robert Grimsehl, „der mir den Zugang zu den Schriften seines Vaters eröffnete“. Ein Dankeschön schickte der 73-Jährige in Richtung Samtgemeindeverwaltung. Dort habe er „immer ein offenes Ohr für die Belange des Archivs gefunden“. Ellwanger wünschte sich, dass diese Unterstützung auch sein Nachfolger erfahren möge: Günter Kastendieck (67) aus Klosterseelte wird mit Beginn des Monats Mai das Samtgemeindearchiv pflegen.

In seiner Laudatio auf den aus dem (Ehren-)Amt scheidenden Dr. Ellwanger hob Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes dessen Mut hervor, das düstere Kapitel der Nazi-Diktatur aus ortsgeschichtlicher Sicht aufzuarbeiten und unter dem Titel „12 Jahre – Harpstedt im Nationalsozialismus“ zu publizieren. „Als ich zur Schule ging, wurde dieses Thema einfach übersprungen“, erinnerte er sich.

Ein „Highlight“ in Ellwangers Schaffen nannte Cordes die 2009 anlässlich der 500-Jahr-Feier erschienene Chronik der Bürgerschützen. Ebenso erwähnte er die Publikation „Schwierige Zeiten – Harpstedt zwischen Kriegsende und Währungsreform“. Dr. Ellwanger sei zudem an Dorfchroniken, der aufwändigen Digitalisierung alter Ortspläne und -karten sowie der Erfassung der Kirchenbücher per EDV „maßgeblich“ beteiligt gewesen. Eine seiner Stärken sei es gewesen, Externe einzubinden, so der Bürgermeister mit Verweis auf den von Ellwanger ins Leben gerufenen „Gesprächskreis Zeitzeugenberichte“.

„Sie haben die Archiv-Arbeit bei Ihrem Vorgänger Dirk Heile kennen gelernt und sie dann nahtlos fortgesetzt, wenn auch mit anderen Akzenten“, unterstrich der Bürgermeister. Mit Blick auf Jürgen Ellwangers Lebenslauf streifte er augenzwinkernd dessen Promoti-

Kleine Kuriositäten

am Rande

on: „Der Typ, der alle Doktoranden jagt, hat Sie noch nicht erwischt“, flachste er. „Kann er auch nicht“, erwiderte Ellwanger schlagfertig. „In meiner Arbeit ist nichts abgeschrieben.“

Der langjährige Archivpfleger, der an das 33-jährige Wirken von Dirk Heile angeknüpft hatte, habe sich mit seinem Engagement viel Anerkennung und Respekt erworben“, sagte Cordes und verband dies mit einem Dank „für Ihren Einsatz, Ihre Initiative und Ideen“. Der Bürgermeister glaubte fest daran, dass er mit seinem Weinpräsent zum Abschied goldrichtig lag. Ellwanger sei Akademiker. „Und Akademiker trinken Wein.“

Der langjährige Archivpfleger fand seine Aufgabe unter anderem auch deshalb so aufregend, weil „vieles nebenbei passierte“, was sein Interesse weckte. So habe etwa eine von dem früheren Harpstedter NSDAP-Ortsgruppenleiter Wilhelm Gunst angeblich vergrabene Kiste – nach Hinweisen auf das vermeintliche Versteck – ein Räumkommando auf den Plan gerufen, die Suchaktion dann aber keinen Erfolg gehabt. Von einer Frau hörte Ellwanger, dass der Sonnenstein angeblich Energie abgebe, was sich mit den geläufigen Messmethoden wohl schwerlich verifizieren lassen dürfte. „Ich habe mit ihr noch etwas vor“, kündigte der 73-Jährige an. „Neben dem Harpstedter und dem Beckstedter gibt es einen dritten Sonnenstein. Ich will die Frau dorthin mitnehmen, um zu sehen, ob der strahlt.“

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