Hermann Speckmann schrieb das Buch „Die wilden 70-er Jahre im Landkreis Oldenburg“

Erinnerung an eine „verrückte Epoche“

Hermann Speckmann (r.) und sein damaliger Juso-Weggefährte Rolf Stiening mit dem neuen Buch.

Landkreis - (ck) · Vorverurteilungen begleiteten sie bis in die Ausschüsse der Gemeinde Ganderkesee und des Kreistags. „Einige sagten uns nach, wir seien Kommunisten, würden Terroristen unterstützen und freie Liebe praktizieren“, schildert Hermann Speckmann schmunzelnd – und Rolf Stiening neben ihm lacht.

Dabei wollten die beiden inzwischen gestandenen Männer und weitere „Jungsozialisten“ vor mehr als 30 Jahren nur etwas mehr für die Jugend tun. „Manchmal haben wir uns aber fürchterlich verirrt“, räumt der spätere Sozialpädagoge ein. Als „Erinnerung an diese verrückte Epoche schrieb der Ganderkeseer das Buch „Die wilden 70-er Jahre im Landkreis Oldenburg“. Stiening steuerte neben einigen Fotos auch viele Informationen bei.

Die beiden Pädagogen bezeichnen es als „merkwürdig“, dass heute niemand mehr über diese Aufbruchphase spreche.

Alles begann zweifellos mit der „68-er“-Bewegung, die ab den 70-ern auch aufs Land schwappte. „Als erstes Ziel hatten wir uns gesetzt, für selbst verwaltete Jugendzentren im Landkreis einzutreten, aber das Jugendamt des Landkreises Oldenburg erließ immer mehr bürokratische Voraussetzungen, die die jungen Menschen gar nicht erfüllen konnten.“

Diese Kritik an damaligen Oberkreisdirektoren und Amts-Bediensteten, aber auch eine deftige Abrechnung mit der eigenen Partei, finden sich in Speckmanns Buch wieder. „Vor allem die SPD dürfte sich an einigen meiner Äußerungen stören, weil sie auf Gemeinde- und Kreisebene eine unrühmliche Rolle spielte. Ich nehme an, dass es über diese Schilderungen noch einige Klagen gibt“, schätzt Speckmann, der von 1968 bis 1972 selbst auf der Lohnliste der Kreisverwaltung stand – mit einer halben Stelle als Jugendpfleger. Er macht keinen Hehl daraus, dass die im Eigenverlag erschienene Lektüre auch „ein bisschen Rache“ enthalte. Doch trotz der einseitigen Darstellungen – Speckmann verzichtete darauf, die Kontrahenten und „Sonntagsredner“ von einst im Buch zu Wort kommen zu lassen – kann er das Geschriebene meistens belegen: „Ich kann auf ein umfangreiches Archiv an Zeitungsausschnitten zurückgreifen.“

Doch die Jusos mischten sich auch auf anderen Ebenen ein – etwa als der Landkreis die Schafbeweidung auf dem Pestruper Gräberfeld abschaffte. Oder als in der Wildeshauser Geest Planungen eines Großflughafens aufkeimten. „Auch gegen den Dötlinger Bauland-Skandal und die Verquickung von Beruf und politischem Mandat haben wir demonstriert“, berichtet der Autor.

Sein Freund Stiening stellt jedoch heraus, dass es bei allem Diskutieren und Demonstrieren auch Erfolge gab: „1974 hatten wir in Ganderkesee den ersten Flohmarkt organisiert. Der kam in der gesamten Bevölkerung gut an.“ Danach stellten die „Jusos“ noch einen zweiten Markt auf die Beine – und anschließend griffen die Geschäftsleute diese Idee auf, um sie zum immer noch jährlich gefeierten Herbstmarkt weiterzuentwickeln… 

Ebenfalls auf das Konto der Jusos ging die Stellenschaffung des ersten hauptamtlichen Gemeindejugendpflegers in Ganderkesee. „Das war Ulf Moritz, und der arbeitet – wenn auch in anderer Funktion – noch immer im Rathaus.“

Das Buch „Die wilden 70-er Jahre im Landkreis Oldenburg“ ist in der Ganderkeseer Drogerie Kruse an der Mühlenstraße erhältlich.

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